Flintsbach – Über die Herausforderungen von Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen informierten sich Vertreter von Ärzteschaft, Pflegediensten, Politik und Verwaltung auf Einladung der Gesundheitsregion plus Landkreis Rosenheim bei einer Tagung im Gasthaus Alte Post in Fischbach.
Landrat Wolfgang Berthaler machte in seiner Begrüßung an Beispielen wie dem Rückgang von Belegärzten deutlich, dass ein Strukturwandel im Gesundheitswesen auch in unserer Region bereits spürbar ist. Vernetzung sei daher sehr wichtig, betonte Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher.
Welche Bedeutung Vernetzung und Digitalisierung für die Ärzte haben, beleuchteten Dr. Christoph Goetz, Leiter Gesundheitstelematik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, und Dr. Felix Bonke, Ärztlicher Leiter des Ärztenetzes Rosenheim. „Die Digitalisierung wirkt unausweichlich und verändernd“, so Goetz. Sie sei ein Innovationstreiber, der einen Strukturwandel erzwingt. Telemedizinische Dienste, Apps als Therapieunterstützung und Telerobotik sind Beispiele dafür.“ Der Weg in die Regelversorgung sei bei vielen Angeboten aber noch sehr weit. Es gelte wachsam zu sein, um die Datensicherheit zu gewährleisten.“
Dr. Felix Bonke konzentrierte sich in seinem Beitrag auf die Auswirkungen der Digitalisierung in der hausärztlichen Praxis. „Die Digitalisierung wird die Arbeit und Kommunikation von Ärzten in den nächsten Jahren radikal verändern“, ist er sicher. „Man sollte die aktuellen Entwicklungen intensiv verfolgen, um diesem Umbruch nicht hilflos ausgeliefert zu sein.“
Auch in der Pflege ist eine digitale Vernetzung unausweichlich, um den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen zu können. Monika Kaiser-Fehling, Geschäftsführende Pflegedienstleitung des Christlichen Sozialwerks Brannenburg, Degerndorf, Flintsbach, zeigte nachdrücklich auf, wie verwirrend aus Sicht von Patienten und Angehörigen die Zuständigkeiten heute sind. „Pflege aus einer Hand“ wäre ihr Wunsch. Dass Digitalisierung dazu einen Beitrag leisten könne, davon ist Evi Faltner, ebenfalls Mitarbeiterin beim Christlichen Sozialwerk, überzeugt. Doch auch die Pflegedienste, die schon heute unter Personalmangel leiden, könnten von Digitalisierung profitieren. Faltners Vorschläge reichen von einer effektiveren Gestaltung von Touren über eine Teilung von Kapazitäten, um Spitzen abzudecken, bis hin zu einem digitalen Stellenportal.
Den Wunsch nach Vernetzung machten zum Schluss der Tagung auch Katharina Rosenhuber und Jörg Eberhardt vom Palliative Care Team der Hospiz- und Palliativversorgung für Stadt und Landkreis Rosenheim deutlich. Sie beginnen, ein Hospizbegleitungs- und Palliativnetzwerk in der Region aufzubauen. Ziele sind unter anderem die flächendeckende Versorgung mit Palliative Care-Angeboten und eine effizientere Versorgung der Patienten.
Für Dr. Gitte Händel, Leiterin der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus im Landkreis Rosenheim, zeigten die angeregten Gespräche zwischen den Teilnehmern in den Pausen, dass ein wesentliches Ziel der Veranstaltung erreicht wurde: „Es sind neue Kontakte entstanden, und das Netzwerk der regionalen Akteure wurde wieder ein Stück dichter geknüpft. Eine gute Voraussetzung, um dem anstehenden Strukturwandel im Gesundheitswesen begegnen zu können.“re