Wie zwei Samerberger Familien nach dem Tod ihrer Töchter das Leben annehmen

„Wir spüren sie jeden Tag“

von Redaktion

Trauer und Schmerz über den Verlust geliebter Menschen sind seit mehr als einem Jahr stetige Begleiter der Samerberger Familien Daxlberger und Rüth. Beide haben ihre Töchter bei einem schweren Verkehrsunfall verloren. Doch das Mitgefühl ihrer Mitmenschen und der Glaube an Gott hilft ihnen, ihr neues Leben anzunehmen.

Samerberg – Es ist vor allem die Stille, die Ralf Rüth (53) immer noch so gegenwärtig ist, als wäre es gestern gewesen. Tagelang war am Samerberg kaum ein Laut zu hören. Als hätten alle Bewohner – Mensch und Tier – einträchtig innegehalten. „Es war beeindruckend, fast schon gespenstisch“, erinnert sich der 53-Jährige an die Tage zurück, nachdem seine Tochter Melanie (21) und Nachbarstochter Ramona Daxlberger (15) bei einem Verkehrsunfall in Rosenheim (siehe Kasten) ums Leben gekommen waren.

Seit Beamte der Polizeiinspektion Brannenburg in der Nacht auf den 21. November 2016 die Nachricht vom Tod der beiden Mädchen überbracht hatten, sind das Leid und die Trauer ständige Begleiter der beiden befreundeten Samerberger Familien Rüth und Daxlberger. Die vergangenen Wochen waren besonders hart. „Am Jahrestag des Unfalls und der Beerdigung war es ganz schlimm“, sagt Manuela Daxlberger (44) und zeigt auf das Foto auf dem massiven Holztisch in der Stube. Es zeigt die beiden bildhübschen Mädchen in Trachtenmontur und mit strahlendem Lächeln. „Sie waren einfach vom Charakter her nur gut – und unsere Sonnenscheine.“

Gemeinsam sitzen die Familien am Tisch in der Stube des Weyrerhofes, den Daxlbergers bewirtschaften, und erzählen von der Trauer und dem Schmerz, der wie ein Schatten auf Schritt und Tritt folgt. Vom Moment, als der Polizist mit feuchten Augen vor der Tür gestanden hat und Mama Manuela Daxlberger über den tödlichen Unfall ihrer Tochter informierte. Und wie sie danach ohne Schuhe zu Rüths gelaufen ist und „nur noch geschrien“ hat. „Erst Wochen danach fängt man wieder an zu funktionieren, nicht aber zu leben“, gewährt die 44-Jährige gegenüber den OVB-Heimatzeitungen tiefe Einblicke in ihre Seele.

Oft sitzen die beiden befreundeten Familien zusammen, die in der Trauer noch näher zusammengerückt sind und sich laut Melanies Mama Kerstin Rüth (51) gegenseitig „Stütze und Halt“

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Wunsch nach Ehrlichkeit und Einsicht

Laut Polizeibericht war es Sonntag, 20. November 2016, 21.06 Uhr, als ein schwerer Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim das Leben der beiden Samerberger Familien Daxlberger und Rüth für immer veränderte. Ein 23-jähriger Golf-Fahrer aus Ulm war beim Überholvorgang frontal in den Nissan der 19-jährigen Melanie Rüth gekracht. Die 21-Jährige starb noch an der Unfallstelle, ihre Mitfahrerin, die 15-jährige Ramona Daxlberger, kurze Zeit später im Krankenhaus. Ihre damals 19-jährige Schwester Lena, ebenfalls im Auto dabei, überlebte schwerverletzt. Ein Gericht versucht derzeit zu klären, ob sich der 23-jährige Unfallfahrer mit jungen Männern aus Kolbermoor, die der sogenannten Tuning-Szene zugerechnet werden, ein Straßenrennen geliefert hatte. „Wir sind überzeugt, dass es ein Rennen war“, sagt Ramonas und Lenas Papa Franz Daxlberger, den aber nicht nur bestürzt, dass ein bisheriges Schuldeingeständnis ausgeblieben ist. Vor allem das fehlende Mitgefühl des Angeklagten aus Kolbermoor (24), der laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft dem überholenden Golf keine Möglichkeit zum Wiedereinscheren gegeben hatte, setzt den trauernden Familien zu. Sie hoffen, dass wenigstens einige Tuningfans durch diese Tragödie ihr Handeln und ihr Verhalten im Straßenverkehr überdenken. „Wenn auch nur einer zur Besinnung kommt, ist es schon ein Erfolg“, hofft Mama Manuela Daxlberger. Doch bislang bleibt nicht mehr als die Hoffnung. Denn beim Versuch der Familien, mit den Auto-Fanatikern ins Gespräch zu kommen, sei ihnen nur Ablehnung und Aggressivität entgegengeschlagen, wie Melanies Papa Ralf Rüth berichtet. Freunde des Angeklagten, die in den Zeugenstand gerufen worden waren, hätten zudem vor dem Gericht provokativ die Motoren ihrer Autos aufheulen lassen. mw

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