Gerüchte, Preise und Chancen

von Redaktion

Winterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling

Rosenheim – Bei der Winterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Rosenheim-Bad Aibling stand diesmal unter anderem die Firma Meggle im Mittelpunkt. Über die Molkerei mit Sitz in Reitmehring kursierten in letzter Zeit allerhand Gerüchte. Von einem Verkauf war da die Rede. Ein Vertreter des Unternehmens bekam die Gelegenheit, für Klarheit zu sorgen.

Die MEG hält traditionell einmal im Jahr ihre Winterversammlung ab. Rund 350 Mitglieder und Ehrengäste waren dazu in die Rosenheimer Inntalhalle gekommen. Sein Grußwort nutze Landrat Wolfgang Berthaler, um für den neu gegründeten Landschaftspflegeverband im Landkreis Rosenheim zu werben. „Wir wollen damit keinen Landwirt gängeln“, betonte er.

Es sei nicht das Ziel des Verbandes, den Bauern Vorschriften zu machen. Man habe ausdrücklich Vertreter der Landwirtschaft in die Vorstandschaft geholt und werde intensiv den Maschinenring einbinden, weil man mit den Landwirten zusammenarbeiten wolle. „Ich sehe darin eine große Chance für die Zukunft“, ist der Landrat überzeugt.

Er thematisierte außerdem die aktuellen Investitionen in die landwirtschaftliche Berufsschule, die nach einem Wasserschaden aufwendig saniert wird. Rund drei Millionen steckt der Landkreis in das Projekt. „Gut angelegtes Geld“, wie Berthaler meinte. Immerhin sei es wichtig, jungen Leuten die besten Möglichkeiten zu geben, um ihren Beruf zu erlernen.

Philipp Moosner, der Vorstandsvorsitzende der MEG Rosenheim-Bad Aibling, gab in seinem Bericht einen Überblick über Entwicklungen rund um die Milch. Demnach hat die MEG in 2016 rund 200 Millionen Kilogramm Milch an die Molkereien Danone, Weiding, Bauer, Bergader und Meggle geliefert. Mit einer Menge von gut 87 Millionen Kilo – rund 2,2 Millionen mehr als im Vorjahr – ist Danone hier der Spitzenreiter. Die Zahl der Lieferanten ist von 2015 auf 2016 von 825 auf 810 leicht gesunken. Die Menge der Milch-Anlieferung deutschlandweit liegt aktuell nach einem Hoch im Sommer nun bei einem Wert von ungefähr 575000 Tonnen – vergleichbar mit dem Jahr 2015 zur gleichen Jahreszeit. Die Milchpreise lagen 2016 im amtlichen bayerischen Durchschnitt bei 30 Cent, nur konventionelle Milch betrachtet lag der Betrag bei 28,95 Cent.

Was den Milchmarkt insgesamt angeht, so ist laut Moosner die Nachfrage bei Ländern wie Russland derzeit verhalten. Ein Wachstum im Export sieht er allerdings gegenüber China und anderen asiatischen Staaten. Moosner betonte, dass die Milchpreise in 2017 schwer nach oben zu verhandeln gewesen seien, Preisabschlüsse hätten unter den Erwartungen gelegen. Insgesamt sei das Ergebnis aber doch positiver als in den Vorjahren. Der Jahresmilchpreis für 2017 liegt voraussichtlich bei über 36 Cent.

Eine Präsentation des Unternehmens Meggle gab Dr. Franz Mayer, Geschäftsführer im Bereich Rohstoffbeschaffung. „Es waren unruhige Zeiten, die wir bei Meggle erlebt haben“, erklärte er. Die Familie Meggle habe beschlossen, den Vorstand neu zu besetzen und einen Generationenwechsel zu vollziehen. Der neue Vorstandsvorsitzende Reinhold Schlensok soll im Frühjahr noch zwei weitere Kollegen zur Seite gestellt bekommen. Das Ziel sei es, die Marke Meggle weiter zu stärken, auszubauen und das Familienunternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. „Die Gerüchte über einen Verkauf können Sie getrost vergessen“, so Mayer. Kritisiert wurde er in der abschließenden Diskussion trotzdem. Meggle sei derzeit kein verlässlicher Partner und beim Milchpreis das Schlusslicht innerhalb der MEG Rosenheim-Bad Aibling, so eine Wortmeldung. „Auch für uns war das Ergebnis extrem unzufriedenstellend“, betonte Mayer. Man wolle wieder auf einen guten Milchpreis kommen. Daher auch der Wechsel an der Vorstandsspitze.

Aktuelles vom Milchmarkt berichtete Dr. Corina Jantke, Bereichsleiterin Milch von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft aus München. In Deutschland, so betonte sie, sei die Ausrichtung des Agrarressorts in der neuen Bundesregierung noch völlig unsicher. Europaweit zeige sich, dass mehr Milch angeliefert werde bei nicht so starkem Nachfragewachstum. Irland und Polen etwa produzierten „auf Teufel komm raus“, während in Deutschland und Frankreich eine Reduzierung erkennbar war.

Eine positive Preisentwicklung sei besonders dem Export zuzuschreiben. Was die große Differenzierung der Milchqualität – etwa in Bio-, Heu- oder gentechnikfreie Milch – angehe, so könne diese einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten. Allerdings würden damit auch die Anforderungen an die Erzeuger und Verarbeiter steigen.

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