Zum Advent

Kein Weihnachten ohne Cedric

von Redaktion

Wenn ich etwas nicht vertragen kann, ist es Kitsch im Fernsehen. Bleibt meine Frau beim „Traumschiff“ hängen, verlasse ich fluchtartig das Wohnzimmer. Und wenn das „ZDF Gefühlskino“ beginnt, gehe ich in den Keller zum Wäscheaufhängen. Oder Steuererklärung machen. Na gut, eher zum Zeitunglesen. Aber einmal im Jahr werde ich mir selber untreu: Wenn in den Tagen rund um Weihnachten „Der kleine Lord“ läuft. Wer sich von der Geschichte des herzigen Cedric, seiner tugendhaften Frau Mama und dem knurrigen Lord, unter dessen rauer Schale am Ende doch ein liebevoller Großvater steckt, nicht rühren lässt, muss wahrlich ein Herz aus Stein haben. Immer wieder schön auch die Auftritte des leidenschaftlichen Demokratie-Verfechters Hobbs, des gutmütigen Dick und der schurkischen Minna, die dem kleinen Lord sein Erbe streitig machen will. Doch keine Sorge, am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Für mich gehört „Der kleine Lord“ zu Weihnachten wie die Butterplatzerl meiner Mutter und das Baumschmücken am Vorweihnachtsabend gemeinsam mit der Familie. Leider muss ich mir den Film aber immer allein anschauen: Meine Frau findet ihn kitschig und meine Tochter altmodisch. Zwei ganz krasse Fehlurteile, wenn Sie mich fragen. Immerhin geht es darum, wie eine Familie wieder zusammenfindet und wie die Liebe Menschen zum Guten verändern kann. Was passt besser zu Weihnachten? Ich habe mich schon schlau gemacht: Heuer am Freitag, 22. Dezember, um 20.15 Uhr sowie am Samstag, 23. Dezember, um 12.05 Uhr in der ARD. Doch nun will ich das Wort an den kleinen Lord Fauntleroy übergeben, wie er sich am Ende an die feiernden Schlossbewohners wendet: „Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!“

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