Bruckmühl/Rosenheim – Er pendelt zwischen Berlin, München und seiner Heimat Bruckmühl stetig hin und her. Der bayerische Dialekt liegt ihm im Blut – daran hat auch die Zeit in der Bundeshauptstadt nichts verändert. Tobias Köck ist ein sympathischer Mann, der viel jugendliche Frische bei seinem Besuch in der OVB-Redaktion ausstrahlt. Und die braucht er vermutlich auch: Schließlich vertritt er als DBJR-Vorsitzender in Berlin Jugendliche aus 16 Landesjugendringen und 35 aktiven Jugendverbänden wie den Pfadfindern, der DGB-Jugend, der katholischen und evangelischen Jugend, aber auch der Jugend des Deutschen Alpenvereins.
Köck ist in Bruckmühl aufgewachsen, hat in Bad Aibling sein Abitur gemacht, seinen Zivildienst in einem Bruckmühler Altenheim geleistet, sich mit 18 Jahren in der IT-Branche selbstständig gemacht, dann in Stuttgart für ein IT-Consulting-Unternehmen gearbeitet, um anschließend in München, später in Freiburg, Politik und Geschichte zu studieren.
Früh kam er mit der Jugendarbeit in Kontakt, und das, obwohl er mit sechs Jahren der Solidaritätsjugend – kurz Solijugend – in Bruckmühl beitrat, um dort eigentlich nur Kunstrad zu fahren. Aus der sportlichen Betätigung wurde schnell gesellschaftliches Engagement: Noch heute beteiligt sich Köck an Zeltlagern und betreut Jugendliche im internationalen Austausch. Aktiv war der Bundesvorsitzende auch bei der Jugendinitiative Mangfalltal in Bad Aibling. Viele Jahre organisierte er ehrenamtlich das Musikfestival Sorf, das heute IndieBase-Festival heißt.
Der Aufstieg im Verband kam schnell: „Ich war Landesgeschäftsführer der Solijugend Bayern. Das war mein erster Job nach dem Studium.“ Es folgte der stellvertretende Vorsitz im Bundesverband, der Mitglied im Deutschen Bundesjugendring ist. So kam dann auch der Sprung zum übergeordneten Gremium, mit zunächst einem stellvertretenden Vorsitz im DBJR und jetzt dem Posten an der Spitze, den sich der Bruckmühler mit Lisi Maier vom Bund der Katholischen Jugend teilt. Im Vorstand der Solijugend ist er weiterhin.
Für zwei Jahre ist der 38-Jährige nun gewählt und hat klare Ziele vor Augen: „Mir liegt besonders das Thema Europa am Herzen.“ Stichwort ist im Gespräch dabei auch der Brexit. „Viele Jugendliche in Britannien waren gegen den Austritt aus der EU. Nun haben aber die Erwachsenen dafür gestimmt und somit über ihre Zukunft entschieden.“
Köck steht für ein starkes Europa, das zusammenhält. In diesem Zusammenhang nennt er auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Süden, die es einzudämmen gilt. Schwerpunkt seiner Arbeit wird auch der Digitale Wandel aus der Sicht junger Menschen sein. Der Bruckmühler ist Befürworter eines Wahlrechts ab 16 Jahren.
In engem Kontakt steht der DBJR mit Brüssel sowie mit der Bundesregierung. Jährlich findet ein Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel statt. Enge Partner sind auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dessen Minister – in den vergangenen Jahren Manuela Schwesig und Katharina Barley.
Köcks Posten ist ein Ehrenamt, das viel Zeit kostet. Dass der 38-Jährige aber mit Herz bei der Sache ist, spürt man. „Es ist toll, ständig so viele Menschen kennenzulernen und etwas zu bewegen“, sagt er. Wenn Köck nicht in Berlin oder Brüssel ist, dann arbeitet er als IT-Projektleiter bei der GuMe GmbH in Ostermünchen. Eine Begabung, die er nach der Uni wieder zu seinem Beruf gemacht hat. Ob sein Studium auch noch Einfluss auf seine Arbeit hat? „Ja, das hilft mir vor allem in meinem Ehrenamt, auch um politische Prozesse besser nachvollziehen zu können.“
Köck bedauert, dass die Jugend oftmals als „unengagiert“ wahrgenommen wird. Das stimme nicht. Nur fehle es laut Köck oftmals an einer öffentlichen Wahrnehmung der Jugendverbände. Sein Appell an Jugendliche: „Beteiligt euch. Meckern alleine hilft nicht. Man kann etwas bewegen, auch wenn es oftmals mühselig ist.“
Kritisch steht Köck der Zusammenarbeit mit der AfD gegenüber. Diese greife viele Strukturen an der Basis der Jugendverbände an. Damit seien vor allem öffentliche Fördergelder gefährdet. „Diese Entwicklung bereitet uns Sorge, weil die AfD wirklich unser demokratisches Grundfundament ins Wanken bringt.“
Wie es in zwei Jahren nach seiner Amtsperiode weiter- geht, weiß der Bruckmühler noch nicht. Politisch engagieren will er sich auf jeden Fall weiterhin. Vielleicht hat er dann auch wieder mehr Zeit für seine vielen Hobbys. Gerne reist er mit seinem VW-Bulli oder der Eisenbahn quer durch Europa oder fiebert bei einem packenden Spiel der Starbulls im Rosenheimer Eisstadion mit.