Rosenheim/Mühldorf – Rund 50 Hospizhelferinnen und Hospizhelfer arbeiten ehrenamtlich im Jakobus- Hospizverein für Stadt und Landkreis Rosenheim. Sie stellen ihre Zeit zur Verfügung, um schwerstkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen beizustehen, wenn das Ende des Lebens naht.
50 Menschen, die – meist im Hintergrund und ohne viel Aufhebens – Zeit schenken, Schweres „mit-aushalten“, sich den Fragen nach dem Sinn des Sterbens stellen und versuchen, Ruhe in eine oft sehr aufwühlende Situation zu bringen.
„Wie stellst du dir dein eigenes Ende vor?“ Auf diese Frage bekommt man von Hospizhelferinnen und -helfern ähnliche Antworten: Sie möchten keine Angst haben müssen, möchten auf palliative medizinische und pflegerische Versorgung und auf hospizlichen Beistand vertrauen dürfen. Sie wünschen sich Ruhe, Zeit – und eine Begleitung, so wie sie das selbst in ihrem Ehrenamt für andere als so ungeheuer wichtig erleben.
„Am liebsten zu Hause in meinen vier Wänden, liebevoll und achtsam betreut“, blickt Barbara Ganzert, eine der Hospizhelferinnen beim Jakobus-Hospizverein, in die Zukunft und formuliert ihre Vision vom Ende ihres eigenes Lebens. Und wenn das nicht geht? „Dann möchte ich meine letzten Tage und Wochen in einem Hospiz-Haus verbringen, einem stationären Hospiz, einem freundlichen und hellen Ort, an dem ich als Mensch willkommen bin.“
Ein Hospiz ist ein Ort, an dem sich die Menschen nicht vor dem Tod verstecken, sondern ihn akzeptieren als etwas, was zum Leben dazu gehört. Die Menschen, die im Hospiz arbeiten, prägen dessen Atmosphäre, das spürt auch Barbara Ganzert. So geht ihre Vision weiter:
„Wenn ich das Haus betrete, wird die innere Haltung der Menschen spürbar. Wie würde ich sie beschreiben? Respekt vor der Würde des einzelnen Menschen, tiefe Achtung vor dem Leben und vor dem Sterben, Vertrauen und Glauben in die Gegenwärtigkeit des Seins.
Ich bin umgeben von freundlichen Menschen, die meine Bedürfnisse respektieren, die genau spüren, was ich brauche, gerade wenn ich mich nicht mehr artikulieren kann, die ihre eigenen Grenzen kennen und fähig sind, in der Gegenwart zu sein.
Ich als Sterbender werde sie vielleicht konfrontieren mit meinen dunklen Seiten, wie zum Beispiel meinem Hadern, meiner Wut und Hilflosigkeit. Sie können einfach „nur da-sein“ mit dem, was gerade ist.
Ich brauche viel Ruhe und Stille, um meine inneren Dinge, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu ordnen. Klarheit hineinbringen.
Wenn ich Unterstützung brauche, ist jemand da, hilft behutsam und ist gleichzeitig ganz bei sich.
Ich möchte die Zeit, die mir bleibt, in Ruhe genießen und den Moment in all seiner Fülle spüren: die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, das frische, kühle Wasser auf der Haut, die herbstlich gefärbten Blätter der Buche, das sanfte Tönen eines Windspieles, das frische Grün der Wiese, den Duft von zerriebenem Rosmarin, das Rascheln der Blätter im Wind, das Lächeln eines Menschen, die sanfte Stille eines frühen Morgens.
Auf einmal bekommen die kleinen, einfachen und unmittelbaren Dinge einen unschätzbaren Wert.
Ich bin ganz da, keine Gedanken, nur Stille, es entsteht ein heller, innerer Raum, der ganz gefüllt ist mit göttlichem Odem, lebendiges, strahlendes Licht, bedingungsloses Angenommensein, unendlicher Frieden. Alles ist gut. Ich bin getragen. Ich bin bereit. Ich kann gehen.
So wie ich mir wünsche zu sterben, so wünschen es sich vielleicht auch andere Menschen. Als Hospizbegleiterin möchte ich helfen, diese Vision zu verwirklichen.“