„Wir spüren sie…“

von Redaktion

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…geben. Dann drehen sich die Gedanken immer wieder um die letzten Stunden vor dem tödlichen Drama. Vor allem um außergewöhnliche Ereignisse, die den Familien erst nach und nach bewusst geworden sind. „Wochenlang sind die Mädchen sonntags immer gemeinsam vor dem Fernseher gesessen, weil sie ,Voice of Germany‘ ansehen wollten“, erinnert sich Manuela Daxlberger. „Es war der erste Sonntag seit langem, an dem sie wieder schick ausgehen wollten.“

Auch Kerstin Rüth weiß noch genau, welche Worte sie mit ihrer Tochter vor dem letzten Abschied gewechselt hat. „Melanie kam zu mir und hat gesagt: ,Jeden Tag stehe ich mit meinen Arbeitsklamotten auf dem Dach. Ich will mich endlich mal wieder hübsch machen und weggehen“, wiederholt die 51-Jährige den Dialog. „Sie kam dann die Treppe runter und ich habe zu ihr gesagt: „Du bist so wunderschön. Bald kommt der richtige Mann für Dich.“ Ihre letzten Worte waren dann: „Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange.“

Schlenker rettete

Lena das Leben

Auch dass an diesem Tag alle Mädchen in Schwarz gekleidet das Haus verlassen haben, hat sich ins Gedächtnis der Familien eingebrannt. „Ich weiß noch, dass ich ein ganz neues, schwarzes Kleid mit Spitzen angezogen habe“, erinnert sich die heute 20-jährige Lena, die als Einzige der drei Freundinnen vom Abendessen beim Italiener in Rosenheim zurückgekehrt ist. Die beiden Elternpaare sind zum Zeitpunkt der Tragödie ebenfalls beisammen – bis sie um 21.06 Uhr ein lauter Knall in der Küche aus der Unterhaltung reißt. „Auch wenn es unglaublich klingen mag – das muss eine Übertragung des Unfalls gewesen sein“, sind sich die Elternpaare sicher.

Dass die zwei Familien an diesem Abend nicht jeweils zwei Töchter verloren haben, ist zum einen Melanies Schwester Chiara zu verdanken, die eigentlich mitfahren wollte, es sich dann aber laut Mama Kerstin anders überlegt hatte. „Mit vier Personen im Auto hätten die Kräfte ganz anders gewirkt und allen vier das Leben gekostet“, ist sich Ralf Rüth sicher.

Dass Lena, die unzählige Operationen über sich ergehen lassen musste und weiterhin täglich zur Physiotherapie geht, überlebt hat, ist nach Einschätzung der Daxlbergers ihrer besten Freundin Melanie, die am Steuer des Autos saß, zu verdanken: „In den nur zwei Sekunden, die sie reagieren konnte, als sie das entgegenkommende Auto auf ihrer Fahrbahn bemerkte, hat sie durch einen kleinen Schlenker unserer Tochter das Leben gerettet.“

Trotz des unermesslichen Verlustes, trotz der jederzeit gegenwärtigen Trauer empfinden die beiden Familien eine tiefe Dankbarkeit für den Zuspruch und viele berührende Gesten, die ihnen seit der Tragödie entgegengebracht worden sind. „Es war unglaublich, wie mitfühlend beispielsweise die Polizisten waren, die uns die Unfallnachricht überbracht haben“, sagt Manuela Daxlberger. Und Kerstin Rüth erinnert sich „an Suppen und Kuchen“, die bei uns in den Tagen nach dem Unfall einfach vor der Tür gestanden haben. „Das hat uns tief berührt und gezeigt, wie fest unsere Töchter in der Gemeinschaft verwurzelt waren“, spricht Franz Daxlberger (48) beiden Familien aus der Seele.

Kraft für den Alltag geben den Rüths und Daxlbergers ihre weiteren Kinder und ihr fester Glaube. „Wenn ich den nicht hätte, wäre ich nie mehr aufgestanden“, ist sich Manuela Daxlberger sicher. „Der Glaube an Gott und daran, dass er seinen eigenen Plan verfolgt hat, ist für uns immens wichtig.“ Für beide Familien steht auch außer Frage, dass sich Melanie und Ramona nicht ganz verabschiedet haben, wie Kerstin Rüth betont: „Ich kann sie zwar nicht mehr in den Arm nehmen. Ich spüre ihre Anwesenheit aber jeden Tag.“

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