Rosenheim – Im Jahr 1958 hat das katholische Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend das Dreikönigssingen ins Leben gerufen. In der Erzdiözese München und Freising ziehen heuer weit über 10000 Sternsinger, verkleidet als Caspar, Melchior und Balthasar, von Haus zu Haus und schreiben ihren Spruch „C + M + B“ an die Türen. Die Buchstaben stehen nicht für die Namen der drei Weisen aus dem Morgenland, sondern für „Christus Mansionem Benedicat“ (Gott segne dieses Haus).
Über 500 kleine Könige und Königinnen versammelten sich in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus zum Aussendungs-Gottesdienst. Mit ihren festlichen Gewändern, goldenen Kronen und Sternen gaben sie ein farbenprächtiges Bild ab. Die Mehrheit von ihnen stammte aus Stadt und Landkreis Rosenheim. Einige reisten aber auch aus Mühldorf und Freising an.
Zelebriert wurde der Gottesdienst von Weihbischof Wolfgang Bischof zusammen mit Landkreisdekan Daniel Reichel und Diözesanjugendpfarrer Richard Greul. Der Weihbischof bezeichnete die Sternsinger als „Boten der Hoffnung“. In seiner Predigt stellte er klar, dass das romantische, idyllische und heimelige Bild, das der Heilige Abend, Krippenspiele und Krippen-Darstellungen vermitteln, nicht der Realität entspricht. „Die Menschen wurden ausgegrenzt. Sie fanden keine Unterkunft“, sagte er. Genau dort hinein sei Jesus geboren worden. Das sei die Wirklichkeit.
Weihbischof: Aktion
wunderbare Aufgabe
Auch die Sternsinger würden auf ihrem Weg von Haus zu Haus nicht nur Positives erleben: „Ihr seid auch nicht überall willkommen. Ihr stoßt auch auf Menschen, die nichts damit zu tun haben wollen.“ Dennoch betrachtet er die Sternsingeraktion als „wunderbare Aufgabe“, die genau das erfülle, was sich die drei Könige durch ihren Besuch beim Jesuskind erhofft hatten: „Den Menschen Hoffnung geben“.
Die Sternsingeraktion 2018 steht unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit“. Pater Joshy aus Prien stammt aus Indien und erklärte den Kindern und Jugendlichen zu Beginn des Gottesdienstes, wie es in seiner Heimat aussieht. Er schwärmte von den Gewürzen, Früchten und der landschaftlichen Schönheit des Landes und berichtete dann von der großen Armut. Sie führe letztendlich zur Kinderarbeit. Bildung sei wichtig, um diesen Kindern eine Perspektive zu geben. Mit dem Geld, das in diesem Jahr bei der Sternsingeraktion eingenommen wird, sollen deshalb unter anderem Schulen und Waisenhäuser in Indien unterstützt werden.
Über ein Jahr dauerten die Vorbereitungen für das Großtreffen der Sternsinger in Rosenheim. Nur für diesen Tag hat sich ein Projektchor mit Kindern und Jugendlichen zusammengefunden. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgte außerdem die Bläsergruppe der Hinterberger Sternsinger.
Nach dem Gottesdienst zogen die Könige und Königinnen, angeführt von den Hinterberger Sternsingern, durch die Rosenheimer Innenstadt. Ziel war das Rathaus. Begrüßt wurden sie dort von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Sternsinger Josef Dräxl aus Nußdorf brauchte eine Leiter, um den Segensspruch über der Rathaustüre zu platzieren. Bei seinem ersten Versuch fing er mit der Schrift etwas zu klein an. Deshalb wischte er die Kreide schnell weg und fing noch einmal von vorne an. Der 16-Jährige ist zum zweiten Mal bei den Sternsingern dabei. „Das ist eine gute und schöne Sache“, steht für ihn fest. Zu dem Bild, das die über 500 Sternsinger boten, fiel ihm nur noch ein Wort ein: „Beeindruckend“.