„OVB-Leser zeigen Herz für Hospizbewegung“

Eine Nacht der tiefen Stille

von Redaktion

Hospizarbeit geht manchmal über den Tod hinaus. Das wird im folgenden Bericht einer Begleiterin der Hospiz-Gruppe Prien und Umgebung deutlich.


Rosenheim/Prien
– Bei der Patientin handelte es sich um eine 65-jährige Frau mit fortgeschrittenem Krebsleiden, die ins Krankenhaus Prien verlegt werden musste. Dort stattete ihr eine Begleiterin des Hospizvereins Prien einen Besuch ab. Dabei war der Ehemann anwesend und mit einer weiteren Hospizbegleitung einverstanden.

Wenige Tage später rief der diensthabende Arzt spätabends an: „Die Patientin liegt im Sterben“, sagte er. „der Ehemann ist zu ihr unterwegs und wünscht für sich und seine Frau einen nächtlichen hospizlichen Beistand.“

Wenig später rief das Krankenhaus erneut an. Die Frau war bereits verstorben. „Als ich um 23 Uhr das Krankenzimmer betrat“, erinnert sich die Hospizbegleiterin, „lag die Tote gebettet mit entspanntem, glattem, bleichem Gesicht. Ich setzte mich neben das Bett und wartete.“ Der Ehemann kam herein und erbat sich, einige Minuten mit seiner Frau allein zu sein. „In den folgenden nächsten Stunden saßen wir, jeder auf einer Seite des Bettes, und betrachteten Gesicht und Hände der Toten“, berichtet die Begleiterin weiter.

Mit Interesse nahm der Ehemann die Veränderungen im Gesicht und an den Händen seiner Frau wahr, fragte nach der Ursache und ob die Veränderungen in den Gesichtszügen normal sind. Dazwischen lagen lange Phasen des Schweigens, unterbrochen nur von gelegentlichen tiefen Seufzern des Mannes vor Trauer und Anspannung.

Doch mit der Zeit entstand zunehmend eine Atmosphäre des Friedens und der Andacht. Der Witwer betrachtete intensiv das entspannte Gesicht, schien sich in die Situation des letzten Zusammenseins und der endgültigen Trennung hineinzufinden – bis um 6 Uhr früh die ersten Geräusche der morgendlichen Stationsarbeit in das stille Zimmer drangen und die dichte Atmosphäre der Totenwache auflösten.

Nach einigen, ein letztes Mal allein mit seiner Frau verbrachten Minuten nahm der Ehemann Abschied und trat die Heimfahrt an.

836000 Euro auf Spendenkonten

Die OVB-Aktion „Leser zeigen Herz“, die seit sieben Wochen der Hospizbewegung in der Region gewidmet ist, neigt sich nun dem Ende zu. Die Spendenkonten bleiben aber bis auf Weiteres bestehen. Es kann weiter gespendet werden. Die Spendensumme liegt jetzt bei 836000 Euro. Neue Liste mit den Namen der Spender heute auf Seite 31.

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