Es ist zweifellos eine Posse mit Unterhaltungswert, wie sich die Stadt und der Landkreis seit Monaten aus der Schusslinie zu bringen versuchen, sobald in politischen Gremien die Rede von Verzögerungen bei der Erstellung eines neuen Mobilitätskonzeptes für die Region ist. Landrat Wolfgang Berthaler und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sollten ein gemeinsames Interesse daran haben, dieses vor allem von der SPD immer wieder geschickt befeuerte Geplänkel möglichst rasch und geräuschlos zu beenden. Es hat mit der eigentlichen Problemstellung, wie der ÖPNV in unserer Heimat für die Zukunft bedarfsgerecht aufgestellt werden kann und woher die Mittel hierfür kommen, kaum etwas zu tun.
SPD und Grüne dürfen zweifellos für sich in Anspruch nehmen, als unbequeme Mahner einen erheblichen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass Stadt und Land in absehbarer Zeit auf ein hoffentlich aussagekräftiges Gutachten zugreifen können, wenn es um wichtige Weichenstellungen für den ÖPNV geht. Ein paar Monate Verzögerung hin oder her bei der Auftragsvergabe und die Verantwortung hierfür spielen letztlich keine entscheidende Rolle, wenn alle politisch Verantwortlichen nach Vorliegen der Expertise Vollgas bei der Umsetzung von konkreten Einzelmaßnahmen geben.
Ein erster Härtetest steht gleich zu Beginn dieses Prozesses an. Nämlich die Beantwortung der Frage, wieviel Geld die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft hierfür in die Hand nehmen kann und wie die Bereitschaft der Gemeinden zur Mitfinanzierung aussieht. Davon hängt letztlich ab, ob die Fortschreibung des Nahverkehrsplans in der Praxis ein Papier für kosmetische Korrekturen bleibt oder ein großer Wurf mit Nachhaltigkeitscharakter wird. Wer die Mobilität der Menschen in der Region entscheidend verbessern will – vor allem in den besonders schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebundenen Gebieten im Norden des Landkreises – und gleichzeitig eine Reduzierung des Individualverkehrs anstrebt, darf vor allem eine Weichenstellung nicht verschlafen: die bisherigen Mittel deutlich aufzustocken und jährlich einen Millionenbetrag für den Ausbau des ÖPNV zur Verfügung zu stellen. Notwendige Investitionen in das Straßennetz nicht herunterzufahren, bleibt dabei selbstverständlich auch ein wesentlicher Bestandteil einer zukunftsweisenden Verkehrspolitik.