Nigerianer nach „Amoklauf“ in Rosenheim vor Gericht

Gefährliche Schübe

von Redaktion

Völlig ausgetickt ist ein 33-jähriger Nigerianer Mitte Oktober 2016 in Rosenheim. In einem paranoid-schizophrenen Schub verletzte der Mann unter anderem zwei Personen mit einer massiven Panzerhalskette. Gestern stand er in Traunstein vor Gericht.

Rosenheim/Traunstein – Der Asylbewerber lief regelrecht Amok in Rosenheim. Er schlug auf der Straße eine Frau nieder, verletzte sie und einen Zeugen mit einer Panzerhalskette, demolierte zahlreiche Autos. Deshalb ordnete die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gestern die Unterbringung des bei allen Tatkomplexen schuldunfähigen Mannes an und setzte sie gleichzeitig unter strengen Auflagen zur Bewährung aus.

Die Tatserie begann am 19. Mai 2016 mit einem Tassenwurf gegen den Kopf eines Mitbewohners während des Deutschunterrichts in einer Flüchtlingsunterkunft in Rosenheim. Die Tasse verfehlte ihr Ziel. Da schlug der 33-Jährige mit den Fäusten zu. Das Opfer trug Schmerzen an der Stirn davon. Im gleichen Heim bekam ein anderer Asylbewerber am 3. August einen Schlag aufs Auge.

Einen Hieb mit der Hand gegen die Schulter erhielt eine andere Deutschlehrerin des Beschuldigten am 14. Oktober in ihrer Wohnung. Der 33-Jährige hatte vorher sein Deutschheft zerrissen. Als ihn die 53-Jährige aufforderte, die Wohnung zu verlassen, schlug er zu.

Am nächsten Abend tauchte der Flüchtling wieder bei der Zeugin auf. Sie ließ ihn nicht herein, sondern ging zu ihm nach draußen. Dort attackierte er die Frau mit der Panzerhalskette. Sie stürzte zu Boden. Ein Treffer fügte ihr Wunden am Kopf und erhebliche Schmerzen zu, die sie vier Tage lang plagten. Die Zeugin: „Er war wie irre. Seine Augen waren glasig. Ich hatte den Eindruck, er war nicht anwesend.“

Mehrere Männer hatten die Szene in der Nähe des Brückenbergs beobachtet und eilten der Frau zu Hilfe. Auch sie griff der 33-Jährige mit der schweren Halskette an. Einer der Zeugen hatte die Polizei am Handy und informierte live über das nächtliche Geschehen. So teilte er aktuell mit, wie der Täter von einem Pkw den Seitenspiegel abriss, mehrere geparkte und fahrende Autos attackierte.

Einer der Zeugen versuchte, Autos auf der Straße zu stoppen, bekam aber zumeist „nur einen Vogel gezeigt“, wie er gestern meinte. Dieser Mann konnte selbst nichts beitragen, den 33-Jährigen zu überwältigen, platzte doch durch einen Schlag mit der Panzerkette eine alte Wunde schmerzhaft wieder auf.

Ein Autofahrer blieb stehen, stieg aus und kassierte prompt bei dem folgenden Gerangel Kettenschläge. Der Beschuldigte rannte mit voller Wucht in die Fahrertür.

Auf dem Balkon beim Rauchen war ein anderer Zeuge, als er die Hilferufe seines Nachbarn hörte. Gemeinsam gelang es letztlich, den Nigerianer zu Boden zu bringen. Unmittelbar darauf trafen Polizeibeamte ein, die den Randalierer vorläufig festnahmen und in eine psychiatrische Einrichtung brachten.

Der 33-Jährige wies gestern die ersten Taten zurück und machte Notwehr geltend. Er sei vorher angegriffen worden. Zu den weiteren Vorkommnissen mit der Kette fehle ihm die Erinnerung.

Der Nigerianer war 2014 aus seinem Heimatland über Italien nach Deutschland gelangt. Seit 2015 befand er sich viermal in stationärer psychiatrischer Behandlung. Erst im Herbst 2016 wurde erkannt, wie schwer seine psychische Erkrankung in Verbindung mit Alkoholmissbrauch eigentlich war.

„Eigentlich ist er ein friedlicher Mensch“

Als er endlich adäquate Medikamente bekam, besserte sich sein Zustand deutlich. Das stellte der Sachverständige Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee vor Gericht fest. Der Gutachter: „Eigentlich ist er ein friedlicher, ruhiger Mensch.“

Ohne gesicherte Behandlung sei die Wiederholungsgefahr für ähnliche Straftaten jedoch hoch. Die Unterbringung könne unter der Auflage einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme zur Bewährung ausgesetzt werden, empfahl der Gutachter.

Dem schloss sich Staatsanwalt Dr. Rainer Vietze im Plädoyer an und regte Maßnahmen an, um die Medikation zu sichern und künftigen Alkoholkonsum zu unterbinden. Verteidiger Dr. Markus Frank aus Rosenheim erklärte die angeblichen Provokationen und die fehlenden Erinnerungen seines Mandanten mit dessen Erkrankung. Auch der Anwalt macht sich für Bewährung stark. Seit der 33-Jährige die Medikamente nehme, sei nichts mehr passiert.

Im Urteil befand die Kammer den 33-Jährigen, der nun in einer Unterkunft im Kreis Erding lebt, im Sinn der Anklage schuldig. Bestraft werden könne er aber nicht, betonte Richter Fuchs. Die Voraussetzungen für Unterbringung in der Psychiatrie seien erfüllt. Doch könne man den Vollzug auf fünf Jahre zur Bewährung aussetzen.

Unter den Auflagen waren ein Bewährungshelfer, Verbot von Alkohol und Drogen mit entsprechenden Kontrollen, regelmäßiges Erscheinen bei einer speziellen Einrichtung in Wasserburg und Befolgen aller Anordnungen – sei es vom Bewährungshelfer oder seitens der Ärzte.

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