Kiefersfelden – Sieben der 30 Bohrstellen liegen auf Tiroler Gebiet zwischen Kufstein und Erl, die restlichen 23 auf bayerischer Seite. „Es geht bei diesen Erkundungsbohrungen darum, vertiefte geologische Kenntnisse zu den bereits bestehenden zu erhalten. Wir wollen mögliche Störzonen finden, um beim Bau der Trasse nicht überrascht zu werden“, so der Projektleiter.
Gespannt warten die Geologen vor allem auf eventuell neue hydrologische Erkenntnisse über die Gegebenheiten im Inntal. Aktuell geht es um das Seitental des Kieferbaches bei Kiefersfelden und die Seenkette rund um den Hechtsee. „Wo ist deren abdeckende Schicht, welche Wasserströme fließen konkret wohin, wie sehen mögliche Verbindungen aus? Und wie laufen die Wasserzuströme ins Inntal? Darum geht es“, sagt Gotthalmseder. Aber diese Erkundungen seien keinesfalls eine Vorwegnahme eines möglichen Trassenverlaufs, betont er. Auch wenn das immer wieder ins Spiel gebracht werde.
Die Probebohrungen sollen laut Franz Lindemair, Sprecher Großprojekte Bayern der DB AG, im dritten Quartal 2018 abgeschlossen sein. Pro Bohrung seien rund drei Wochen angesetzt. Die Bohrlöcher werden Tiefen von 30 bis 400 Meter erreichen. Gleichzeitig zu den aktuellen Bohrungen werden auch seismische Erkundungen durchgeführt. Diese sollen zeitnah durchgeführt werden.
Kritik oder gar Gegenwind zu den Bohrungen im sogenannten „gemeinsamen Planungsraum“, der von Kiefersfelden über Oberaudorf, Raubling und Nußdorf reicht, hat es bisher kaum gegeben. Das bestätigt Christian König, Zweiter Bürgermeister von Kiefersfelden. „Bei uns gibt es keinen Widerstand gegen die Bohrungen durch die Bahn. Warum auch? Mit uns ist der Dialog zwischen dem Bürgerforum und der Bahn bisher offen geführt worden.“ Auf Gemeindegebiet hätten sich sogar drei oder vier private Grundstücksbesitzer gefunden, die der DB AG eine Bohrstelle zur Verfügung gestellt haben.
„Der durch die Bohrung entstandene Flurschaden wird auf unsere Kosten beseitigt, der Urzustand des Geländes wird wiederhergestellt“, erklärt dazu der DB-Projektleiter. Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen bestätigt er, dass den Grundstücksbesitzern ein jährlicher Betrag als Entschädigung gezahlt wird. „Und jeder bekommt das gleiche“, fügt er schmunzelnd hinzu. Zur Höhe wollte er sich allerdings nicht äußern.
Insgesamt müssen rund 100 Quadratmeter pro Bohrstelle zur Verfügung gestellt werden, um genügend Platz für Fahrzeuge, Bohrgeräte und die Lagerung von Gestein und Bohrmaterial zu haben. Und das mindestens für fünf Jahre, mit der Option auf weitere fünf Jahre. Grund: „Wir untersuchen hier ja auch die Grundwasserströme. Dazu sollte die Meßstelle genügend lange für uns zugänglich sein.“
Heftige Kritik am Vorgehen der DB AG kommt von Kommunen aus dem sogenannten „erweiterten Planungsraum“ wie Stephanskirchen oder Rohrdorf. Sie wollen keinesfalls gemeindlichen Grund für die Bohrungen zur Verfügung stellen. Vorsorglich hat die Gemeinde Stephanskirchen sogar bereits einen Gemeinderatsbeschluss gegen die zur Verfügungstellung von Bohrplätzen gefasst. Sogar der Bauernverband wurde von der Gemeinde aufgefordert, dass er seinen Mitgliedern nahe- legen soll, kein Grundstück für Bohrungen zur Verfügung zu stellen.
Und auch in Neubeuern ist aktuell offensichtlich der Teufel los. Während sich der Zweite Bürgermeister aktiv gegen den Neubau einer Trasse stellt und auf einen entsprechenden Ratsbeschluss verweist, will der Erste Bürgermeister ein von den Geologen als gut befundenes Grundstück dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen.
Dass allerdings die Bohrungen an den insgesamt 30 Stellen nicht verhindert werden können, macht der DB-Projektleiter im Gespräch deutlich. Dann müsse man die letzte Karte ziehen, also die Gerichte bemühen.