Lissi SEibt bewältigt mit Skiern 12500 Höhenmeter

Grenzerfahrung bei Transalp-Tour

von Redaktion

200 Kilometer und 12500 Höhenmeter in acht Tagen: Lissi Seibt (33) aus Rosenheim hat sich mit ihrer Skitransalp-Tour von Aschau nach Bruneck im Südtiroler Pustertal einen Kindheitstraum erfüllt und war dabei ganz auf sich alleine gestellt.

Rosenheim – Der Wunsch, eine Skitransalp-Tour zu meistern, trieb Lissi Seibt, Sportlerin aus Leidenschaft, schon seit Kindertagen um. Die Rosenheimerin besorgte sich kürzlich die entsprechende Ausrüstung, bereitete Skier und Gleitschirm vor. Dabei wuchs die Vorfreude auf ihren ganz persönlichen Trip über die Alpen.

„Durch meine Hobbys Gleitschirmfliegen und Skitourengehen war ich schon immer mit den Bergen und der Gemeinde Aschau verbandelt“, erzählt die 33-Jährige. Die Tour von Aschau nach Südtirol wollte sie schon lange umsetzen, jetzt war der Zeitpunkt hierfür gekommen. Die rund vierwöchigen Planungen für den Trip wurden nach Weihnachten 2017 konkret. Die Route habe sie „genau ausgetüftelt“, die Witterung samt Lawinengefahr immer im Blick gehabt.

Vor Kurzem fiel schließlich der Startschuss: „Ich habe absichtlich noch ein paar Tage gewartet, bis es einigermaßen lawinensicher war“, schildert Seibt. Denn die Route, die sie sich ausgesucht hatte, lag abseits von Pisten und Skigebieten. Lediglich einmal, im Skigebiet Söll am Wilden Kaiser, habe sie eine präparierte Piste überquert.

Eine wahre Extremsituation, der sich die junge Rosenheimerin bei ihrer Tour ausgesetzt hat – und das ganz alleine. Als sich kein passender Touren-Partner fand, beschloss sie, das Abenteuer alleine anzugehen. Angst habe sie keine gehabt. Durch die GPS-Navigation war ihre Tour in Echtzeit zu verfolgen. Das habe ihr ein Gefühl der Sicherheit gegeben. Außerdem hielt die 33-Jährige Freunde und Follower über die sozialen Netzwerke Instagram und Facebook mit Fotos von ihrem Skitransalp-Trip auf dem Laufenden. „Ich bekam viel Feedback. Das motivierte natürlich ungemein, nicht aufzugeben. Alleine war ich also nie“, sagt Seibt und lacht.

Der erste Rückschlag jedoch ließ nicht lange auf sich warten. Gleich am ersten Tag, als sie Richtung Kaiserbachtal abfuhr, brach Seibt ein Ski – eine grenzwertige Situation. „Ich war mitten im Tiefschnee, es wurde bereits dunkel, und die Prognose für die Nacht lag bei Minus 25 Grad“, erzählt sie. „An diesem Punkt kamen schon Zweifel auf, ob die Nummer nicht möglicherweise zu groß ist für mich.“ Die Bergrettung Kufstein befreite die 33-Jährige aber schließlich aus ihrer brenzligen Lage. „Ich hätte die Nacht in meinem Gleitschirm als Biwak schon überlebt, aber lustig wäre das nicht geworden.“ Tags darauf habe sie glücklicherweise „genau den gleichen Ski als Ersatz bekommen“, sagt die Rosenheimerin.

Nach dem Schreckmoment zu Beginn wollte sich die Sportlerin nun durch nichts mehr aufhalten lassen. Tag für Tag ging es voran: Maukspitze, Bamberger Hütte, Pinzgau, Alpenhauptkammquerung. Möglichkeiten zum Fliegen fand sie auch. An Tag sieben beispielsweise von Kasern über das Merbjoch nach Rein.

Am achten Tag entschied sich Seibt entgegen ihrer ursprünglichen Route, die Tour in Bruneck in Südtirol zu beenden. Um über die Antholzer Scharte ins Tal zu gelangen, fehlten noch etwa 400 Höhenmeter. „Oberhalb der Kasseler Hütte aber habe ich diesen Plan dann verworfen“, erinnert sie sich. „Im Schneetreiben und in unbekanntem Gelände nur mit GPS zu navigieren, war mir einfach zu gefährlich.“

Körperlich und auch mental, so Seibt, sei sie während des Trips oft an ihre Grenzen gestoßen. „Trotzdem habe ich einzigartige Erfahrungen gesammelt, die mir niemand mehr nehmen kann.“

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