Rosenheim – Heftiger Schneefall, minus 15 Grad und Eis auf den Straßen – das Horror-Szenario für die 34 Winterdienstmitarbeiter der Autobahndirektion Südbayern in Pfraundorf. Erlebt haben sie das am 26. und 27. Februar. „Da hatten wir die schlimmsten Einsätze“, erzählt Leiter Tobias Fürtsch. „Wir waren seit dem frühen Morgen mit allen verfügbaren Kräften und Fahrzeugen im Dauereinsatz.“ Das Problem: Das Salz wird bei derartiger Kälte träge. So dauert es deutlich länger, bis die Straßen von Eis und Schnee befreit sind. 450 Tonnen Salz haben Fürtsch und die Kollegen an den beiden Tagen ausgefahren. „Bei dem gewaltigen Schneefall sind wir kaum hinterhergekommen.“
Bis auf diese Extremsituation sei der Winter laut Fürtsch aber normal verlaufen. Der Salzverbrauch habe etwas über dem Durchschnitt gelegen – in erster Linie wegen den unbeständigen Wetterlagen im Februar. Mit einem Vorrat von rund 3500 Tonnen Salz und regelmäßigen Nachlieferungen habe die Autobahnmeisterei „ausreichend Kapazität“ für ihren Zuständigkeitsbereich.
Fürtsch spricht aus Erfahrung, wenn er sagt, der erste Schneefall entpuppe sich immer als der schlimmste: „Die Autofahrer sind für die Straßenverhältnisse im Winter noch nicht sensibilisiert. Sobald die ersten Flocken fallen, passieren die meisten Unfälle.“
Auch Alexander Murner, Bauhof-Leiter in Wasserburg, betitelt den diesjährigen Winter als „durchschnittlich“. Personal- und Kostenaufwand hätten im üblichen Rahmen gelegen. Die 95 Straßenkilometer im Zuständigkeitsbereich hätten heuer etwas mehr Zuwendung gebraucht. „Wir haben etwa 80 Tonnen Streusalz zusätzlich verfahren“, erklärt Murner. Bereits vor Weihnachten waren die Mitarbeiter unterwegs – eine Folge der Witterung: Sehr wenig Schnee, dafür aber viel Glätte. Einen positiven Aspekt brachte der Winter auch: „Heuer sind wir von Blitzeis verschont geblieben.“ Im Gegensatz zu vier Tagen im Vorjahr.
Eine insgesamt positive Bilanz zur kalten Jahreszeit zieht auch Hans Niedermayr, Bauhofleiter der Gemeinde Prutting: „Wir haben einen sehr handsamen Winter erlebt. Ohne den gefürchteten Eisregen und mit dem wenigstem Schnee seit langem.“ Teilweise sei nur ein Zentimeter liegen geblieben. Folglich bewegen sich Personalaufwand, Kosten und Salzmengen im üblichen Rahmen.
Alles wie immer? Nein. Ein regelrechtes Phänomen hielt der Winter dann doch bereit. Eines, das Niedermayer in 30 Jahren beim Bauhof noch nicht erlebt hat. Im Februar kam es bei Minusgraden zu richtigen Schneefällen. „Normalerweise ist ab fünf Grad Minus Schluss“, sagt der Bauhofleiter. „Schneefall bei Minus zehn Grad und kälter – das gab es noch nie.“
Albert Schwegler, Bauhofleiter von Bruckmühl, musste mit seinem Team heuer öfter ausrücken: „Von November bis Mitte März hatten wir bis jetzt 76 Einsätze. Dabei haben wir 630 Tonnen Salz verbraucht.“ Dem gegenüber stehen 58 Einsätze und 430 Tonnen Salzverbrauch im Vorjahr. Maßgeblich für die Steigerung seien überfrierende Nässe durch Niederschläge und Frost gewesen. Der Schnee allein sei dabei gar nicht so problematisch. Noch dazu sei der Winter ein vergleichsweise schneearmer gewesen. Trotzdem wäre Schwegler dankbar, würde sich die kalte Jahreszeit für heuer verabschieden: „Daran glauben kann ich aber noch nicht. Wir sind auch weiter auf der Hut, frostig kann es nämlich durchaus noch einmal werden.“
In der Stadt Rosenheim kümmern sich die Mitarbeiter des Baubetriebshofs um den Winterdienst. Deren Bilanz: Der diesjährige Winter in der Stadt sei durch andauernde Temperaturen um den Gefrierpunkt und wenig Schneefall gekennzeichnet gewesen, sagt Christian Schwalm, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. Aufgrund der häufigen Frost-Tauwechsel habe man jede Menge Arbeit mit dem Ausbringen von Streustoffen gehabt. Größere und andauernde Behinderungen durch Schnee- und Eisglätte seien für die Verkehrsteilnehmer im Stadtgebiet nicht zu verzeichnen gewesen.
„Da nur wenige komplette Räumeinsätze notwendig waren, hielt sich die Belastung der eingesetzten Mitarbeiter im normalen Rahmen“, erklärt Schwalm. „Der Streustoffverbrauch liegt mit bisher etwa 1200 Tonnen Streusalz und rund 350 Tonnen Streusplitt noch im üblichen Bedarf.“ Setzen sich die milden Temperaturen so fort, werden die Ausgaben für den Winterdienst 2017/18 in der Stadt Rosenheim die Kosten des Vorjahres in Höhe von knapp einer Million Euro wohl deutlich unterschreiten.
Die Mitarbeiter des Bauhofs seien jedoch skeptisch. Hat sich der Winter tatsächlich schon endgültig verabschiedet?