Rosenheim – Der Notruf, der gegen 18.45 Uhr in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd einging, klang bedrohlich. Es war die Rede davon, dass 40 bis 50 Personen der linken Szene gegen eine AfD-Veranstaltung in dem Lokal protestieren und angeblich mit Gegenständen werfen. Die Polizei schickte zahlreiche Streifenwagen zu dem Gasthaus, die Lage stellte sich dann aber als weniger dramatisch dar als zunächst zu befürchten war. Nach dem jetzigen Kenntnisstand geht die Polizei davon aus, dass keine Straftaten vorgefallen sind.
Noch vor dem Eintreffen der Beamten suchten offenbar etliche Demonstranten das Weite. Die Polizei traf nur noch acht Personen auf der Straße vor dem Lokal an. Ihre Personalien wurden festgehalten, Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz wurden eingeleitet.
In einer Presseerklärung hat sich die Gruppe „Contre la Tristesse“ zu dem Vorfall geäußert, wer genau hinter der Erklärung steckt, ist unklar. Die Rede ist lediglich von Tamara K., einer Sprecherin der Aktion. Das Polizeipräsidium vermutet, dass es sich um einen Tarnnamen handelt. „Wir wollen solidarische und emanzipatorische Lebensentwürfe entwickeln können, ohne diese ständig gegen Rechts und den Zugriff des Staates verteidigen zu müssen“, heißt es in der Presseerklärung. Der AfD wird übermittelt, dass sie auch weiterhin „mit unserer wütenden Kritik“ rechnen muss. In dem Papier spricht sich die Gruppe für eine „Gesellschaft ohne patriarchale Zurichtung und sexistische Gewalt“ aus.
Andreas Winhart, stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD im Landkreis Rosenheim, betonte, er und die rund 30 Versammlungsteilnehmer hätten sich durch die Demonstranten bedroht gefühlt und deswegen die Polizei gerufen. „Wir wussten ja nicht, was da auf uns zukommt.“ Veranstaltungen seiner Partei seien in der Region jetzt längere Zeit nicht gestört worden. Er hoffe nicht, dass sich das wieder ändert, so Winhart.
Wirt Josef Oberberger hat kein Verständnis für das Handeln der Linksaktivisten. „Mit denen kannst du nicht vernünftig reden. Ich bin auch schon kritisiert worden, weil eine CSU-Veranstaltung in meinem Lokal stattfand. Da hat es geheißen, wer CSU wähle, sei ein Nazi“, berichtete er den OVB-Heimatzeitungen.
Am Freitag war Oberberger damit beschäftigt, den Müll zu beseitigen, den die Demonstranten in seinem Biergarten und vor dem Lokal hinterlassen hatten – vorwiegend Luftschlangen und Konfetti. Schaden sei ihm keiner entstanden, aber die Aktion hätte es dennoch nicht gebraucht, findet er. Es sei gut gewesen, dass die Polizei so schnell vor Ort war. „Da waren die Demonstranten dann feige und sind in alle Richtungen abgehauen“, berichtet der Gastronom. Andreas Winhart sprach gegenüber den OVB-Heimatzeitungen davon, dass auch Vermummte in ihren Reihen waren.
Oberberger gehört nach eigenen Angaben keiner Partei an und sei auch kein AfD-Wähler, sein Lokal stellt er der Partei trotz des Zwischenfalls weiterhin zur Verfügung. „Die AfD ist in Deutschland zugelassen und die größte Oppositionspartei im Bundestag. Warum soll ich die nicht reinlassen?“, sagte er.