Safari Daheim (93): das Rotkehlchen

Der Nestbau dauert fünf Tage

von Redaktion

Weibchen brütet bereits im April – Aufzucht bleibt etwa zwei Wochen im Nest

Rosenheim – Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein echter Sympathieträger in der Vogelwelt. Durch seine Zutraulichkeit und sein putziges Aussehen ist es eine der bekanntesten und beliebtesten Vogelarten. Das liegt an seiner rost-orange-roten Brust und seinen großen schwarzen Knopfaugen.

Im übrigen Federkleid ist die Hauptfarbe braun mit einem weißlichen Bauch. Zwischen Männchen und Weibchen gibt es keine farbliche Unterscheidung. Der dünne spitze Schnabel deutet auf einen Insektenfresser hin.Im Oktober verlassen uns viele Rotkehlchen und überwintern in südlichen Gegenden am Mittelmeer, im mittleren Osten oder im nördlichen Afrika. Immer öfter aber versucht der kleine Vogel, den riskanten und sehr gefährlichen Zug nach Süden zu vermeiden und überwintert bei uns.

Als Insektenfresser ist das kein leichtes Unterfangen. Regelmäßig besucht das Rotkehlchen daher im Winter die beschickten Futterhäuschen. Es hat sich umgestellt von tierischer auf weiche Nahrung, beispielsweise verschiedene Beerenarten. Es pickt auch an Meisenknödeln und kleinen Samenkörnern. Trotz Fütterung liegt bei einem durchschnittlichen Winter der Verlust der daheimgebliebenen Population bei 50 Prozent und bei einem strengen Winter sogar bei 80 Prozent. Für die Überlebenden hat es jedoch den Vorteil, dass man schon Besitzer eines Revieres ist, denn von den ziehenden Rotkehlchen-Männchen finden nur halb so viele ein Weibchen wie im Vergleich zu den Männchen, die hier überwintern.

Ursprünglich war das Rotkehlchen nur in dichten Wäldern zu Hause, inzwischen ist es auch in Dörfern und Städten beheimatet. Der Vogel ist überall da anzutreffen, wo es Parkanlagen mit dichten Hecken und starkem Bodenbewuchs gibt. Auch private Gärten können für das Rotkehlchen durchaus passende Brutbedingungen bieten. In Deutschland ist diese Art der sechsthäufigste Brutvogel. Wenn er nicht in südliche Gefilde zieht, ist er im Winter sehr standorttreu. Männchen und Weibchen haben jeweils ein eigenes Revier, das sie vehement verteidigen.

Im März kommen die Weggezogenen zurück. Das ist auch der Beginn der Paarungszeit. Den melodisch perlenden Gesang des Vogels kann man das ganze Jahr vernehmen, interessanterweise auch vom Weibchen. Im Winter erklingt er etwas leiser und trauriger. Naht jedoch der Frühling, so nimmt der Gesang des Männchens bei der Suche nach einer Partnerin an Intensität zu.

Hat sich ein Paar gefunden, verteidigen beide ihr Revier. Den Nestbau übernimmt weitgehend das Weibchen. Rotkehlchen-Nester sind nicht leicht zu finden. Sie befinden sich meist in Bodennähe, sehr gerne in Böschungen und möglichst gegen Niederschläge geschützt. Auch Baumstümpfe und Halbhöhlen sind gute Verstecke, die der kleine Vogel nutzt. Der Nestbau dauert nur fünf Tage, und das erste Gelege wird bereits im April bebrütet. In das napfförmige Nest, das mit Federn und Tierhaaren ausgekleidet ist, legt das Weibchen durchschnittlich sechs Eier, die 14 Tage lang nur von ihm bebrütet werden. In den Brutpausen verlässt das Weibchen das Nest und wird außerhalb von diesem vom Männchen gefüttert, um nicht dessen Standort zu verraten.

Sind die Jungen geschlüpft, werden sie vom Weibchen vier Tage gehudert, das Männchen sorgt derweil für Nahrung. Als Nahrung wird nur tierisches Eiweiß verfüttert, bestehend aus Spinnen, Käfern, Würmern, Maden, Schnecken und Larven. Die Aufzucht im Nest dauert circa 14 Tage. Ab dem 18. Tag nehmen die Jungen selbstständig Futter auf. Sind sie vollkommen unabhängig, werden sie von den Altvögeln im Revier nicht mehr geduldet. Eine zweite Brut ist bei den Rotkehlchen normal. Das erste Nest wird hierfür nicht mehr verwendet. Mehr als die Hälfte der Bruten gelingt.

Rotkehlchen können ein Alter von drei bis vier Jahren erreichen. Zählt man die geringe Überlebensrate des Zuwachses dazu, kommt man nur auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1,25 Jahren. Dazu tragen seine überaus vielen Fressfeinde bei, beispielsweise Katzen, Ratten, Hermelin, Marder, Füchse, Waschbären, Rabenvögel und Eichhörnchen, die das Gelege auch zu schätzen wissen. Von den Greifvögeln sind vor allem Sperber und Waldkauz als Feinde zu erwähnen.

Trotz vieler Feinde ist das Rotkehlchen nicht in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Gibt es auch starke Bestandsschwankungen, es gelang den Rotkehlchen bisher immer wieder, diese schnell auszugleichen.

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