Traunstein/Rott am Inn – Mit einer Stielaxt versetzte ein randalierender 48-jähriger Mann mehrere Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Rott am Inn mitten in der Nacht in Angst und Schrecken. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs ordnete gestern wegen vorsätzlicher wie versuchter gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik an.
Weiterhin gefährlich für die Allgemeinheit
Das Gericht stellte fest, der psychisch kranke Beschuldigte könne wegen der Taten nicht bestraft werden. Für die Allgemeinheit sei er weiterhin gefährlich. Seine Erkrankung sei von dauerhaftem Zustand – ausgelöst möglicherweise durch seinen Cannabis-Konsum.
Der 48-Jährige hatte am 9. Juli des vergangenen Jahres gegen 2.45 Uhr seine Wohnung im zweiten Stock verlassen. Mit einer Stielaxt in der Hand suchte er die erste Etage heim, zertrümmerte eine teilverglaste Wohnungstür und drang in die fremden Räume ein. Er packte eine Bewohnerin am Oberarm und forderte, sie solle das Gas abdrehen. Die Frau trug Blutergüsse davon.
Anschließend zog der Mann weiter ins Erdgeschoss und schlug aus einer weiteren Wohnungstüre ein 1,5 Meter langes Brett heraus. Die Bewohnerinnen versuchten, die Öffnung mit dem Brett zu schließen. Etwa zehn Axtschlägen musste eine Frau drinnen ausweichen, um nicht getroffen zu werden.
Einen Treffer verhinderte sie – weil sie den Stiel des Werkzeugs mit der Hand zu fassen bekam und die Wucht des Schlages dadurch abbremste. Nach einem verbalen Ablenkungsmanöver der Frauen fiel das Brett um und verletzte dabei eine der Mieterinnen nicht unerheblich am linken Arm.
Dramatische Flucht über die Terrasse
Die Frauen flüchteten über Wohnzimmer, Terrasse und Garten auf die Straße. Dabei erlitt eine der beiden eine Verletzung, die andere trug Schmerzen davon. Der Täter setzte den weglaufenden Mieterinnen nach und zerlegte dabei mit der Axt eine weitere Türe.
Dann wandte sich der 48-Jährige wieder dem ersten Stock zu und beschädigte dort zudem den Türstock. Fünf Bewohnerinnen hatten sich im Badezimmer eingesperrt. Nach mehrmaligem Klopfen und Rütteln an der Tür, verbunden mit der Forderung, das Gas abzustellen, zog sich der Rotter in seine Wohnung zurück. Er hinterließ nach Angaben der Polizei einen Sachschaden von fast 10 000 Euro.
Richter: „Die beiden Frauen fürchteten
um ihr Leben.“
Kurz darauf rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften an und evakuierte das Mehrfamilienhaus. Das Spezialeinsatzkommando konnte den 48-Jährigen in seiner Wohnung dingfest machen. Seither war er einstweilig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
Dort wird er auch bis auf Weiteres bleiben. „Mit einer Axt wurden Türen beschädigt. Der Mann ist in Wohnungen eingedrungen und hat die Bewohnerinnen bedroht. Sie fürchteten um ihr Leben“, betonte der Vorsitzende Richter gestern im Urteil. Weiter hob er heraus: „Es war nur Zufall und Glück, dass nicht mehr passiert ist.“ Der Beschuldigte selbst habe die Folgen nicht mehr beherrschen können.