Ärger über die Telekom

Wegkreuz dient als Kabelhalter

von Redaktion

Es sollte längst unter der Erde liegen und Telefongespräche aus der ganzen Welt weiterleiten. Sollte. Seit über zwei Jahren wartet ein Telekom-Kabel an der Staatsstraße 2093 auf seine Verlegung.

Frasdorf – Zwischen Frasdorf und Wildenwart ist sie unterwegs: die schwarze Natter. In den neu angelegten Biotopen zum Schutz der Zauneidechsen und Goldammern. In den Feldern und Wiesen neben der Straße. Zum Teil schon überwuchert von Gras, zum Teil gut sichtbar obenauf. Dass es sich bei dem vermeintlichen Reptil aber nicht um eine Schlange, sondern um eine Telefonleitung der Telekom handelt, wird spätestens beim Anblick des Wegkreuzes an der Staatsstraße ersichtlich. Dort hängt das schwarz verkleidete Kupferkabel über einen Blumenkasten. Und als wäre das noch nicht kurios genug: Die mit Plastikteilen geschützten Spleißungen der einzelnen Drähte hat ein Monteur mit einem besonderen Witterungsschutz versehen. Eine Brotzeittüte.

Von der sind inzwischen nur noch Fetzen übrig. Das Dilemma begann mit dem Ende der Sanierungsarbeiten auf der Staatsstraße 2093 zwischen Frasdorf und Wildenwart im November 2015. Inzwischen erinnert nur noch das Kabel an die damalige Baumaßnahme.

Der Grund: Laut Telekom-Sprecher Markus Jod werden zur Erdverlegung der Kabel auf öffentlichem Grund die endgültigen Grundstücksgrenzen benötigt. „Diese wurden im Zuge des Neubaus des Geh- und Radweges noch nicht vermessen – das ist zumindest unser Kenntnisstand“, sagt Jod.

Olaf Hoffmeyer, Bauamtsleiter der Gemeinde Frasdorf, hat eine andere Theorie. Er vermutet ein Missverständnis zwischen der Telekom und der zuständigen Baufirma hinter dem Kabel-Dilemma. Wer ist zuständig fürs Eingraben? „Ich denke, die Schuld liegt bei der Telekom“, sagt Hoffmeyer. Florian Bauer, auf dessen Grundstück das Wegekreuz steht, hat sich erkundigt: „Mir wurde gesagt, dass sich der Telekom-Verantwortliche im Urlaub befand, als der Gehweg offen lag.“ Ihm geht die Situation auf die Nerven. „Das ist ein Witz“, sagt er.

Auch Hoffmeyer stört sich am Status quo. Schließlich ist er derjenige, bei dem seit mehr als zwei Jahren die Beschwerden der Anwohner auflaufen. „Sie kritisieren, wie das aussieht“, sagt der Bauamtsleiter. „Dass das Kabel da so rum hängt, empfinden eben viele als optischen Mangel.“

Das beschäftigt Bauer schon lange nicht mehr, er ist daran gewöhnt. Ihm stoßen vielmehr die Störungen sauer auf, die das freiliegende Kabel regelmäßig verursacht. Etwa bei starken Regenfällen oder bei Frost. Oder – und diese Fälle sind auch Hoffmeyer bekannt – wenn ein Bauer das Kabel mit seinem Mähwerk beschädigt. Gerade für die ist das freiliegende Kabel in der Wiese ein Ärgernis. „Sie beschweren sich, weil sie extrem aufpassen müssen“, sagt Hoffmeyer. „Und das funktioniert natürlich nicht immer.“

Was in solchen Fällen passiert, das hat Bauer beobachtet. „Da kommt dann einer von der Telekom in seinem VW-Bus und flickt das zusammen“, sagt der Anlieger. Da stellt sich für ihn eine Frage: „Warum beseitigt die Telekom lieber die immer wiederkehrenden Schäden, als das Kabel ein für allemal zu verbuddeln?“

„Die Verantwortlichen von der Telekom sind selber nicht glücklich mit der Situation“, erzählt Hoffmeyer. Deshalb habe das Unternehmen versprochen, das Kabel noch im Frühjahr zu vergraben. Und zwar nicht unterhalb des Gehwegs, wie zunächst von der Gemeinde befürchtet, sondern neben der Straße im Bankett. Nicht auf Privatgrund, sondern auf Freistaat-Fläche. „Die Vermessungen sind inzwischen abgeschlossen.“ Sehr zur Freude von Hoffmeyer: „Das ist eine Erleichterung.“

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