Rosenheimer Schleierfahnder

Erfolgsbilanz zum 20. Geburtstag

von Redaktion

Im April 1998 haben die Rosenheimer Schleierfahnder die Arbeit aufgenommen. Zum 20. Geburtstag legten sie jetzt erneut eine Erfolgsbilanz vor. „Wir bieten auf allen Feldern der grenzüberschreitenden Kriminalität Paroli“, freut sich Herbert Baumann, Leiter der Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim.

Rosenheim/Raubling – Besonders stolz sei man auf die Erfolge im Bereich der Geldabschöpfung und Täteridentifizierung bei schweren Straftaten, so Polizeidirektor Baumann mit Blick auf das Jahr 2017: „Trotz weiter zunehmendem Straßenverkehrs gelingt es meiner Mannschaft nach wie vor, die Richtigen herauszufischen.“

Das Rezept sei einfach. „Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf unser Klientel, analysieren die neuesten Entwicklungen und passen unser Fahndungsraster sofort an.“ So gelangen auch 2017 spektakuläre Fahndungserfolge.

Seit Jahren führend in Bayern sind die Rosenheimer Schleierfahnder mit ihren Aufgriffen im Bereich der Drogen. Im Dezember wurde ein Serbe (48) auf der A8 gestoppt, der angeblich nur seine Mutter besuchen wollte. Tatsächlich befanden sich im doppelten Wagenboden seines Autos 20 Kilo Marihuana und ein Kilo Kokain, aufwendig verschweißt.

Das Geheimfach entging den Spezialisten auch in einem Skoda nicht. Im Kofferraum hatte ein Rumäne (58) elf Kilo Kokain verstaut. Baumann: „Schmuggelverstecke von solcher Professionalität lassen sich nur mit gut motiviertem Personal und viel Fachwissen erkennen.“

Mit Falschgeld im Rucksack war ein Italiener (20) im Nachtzug von Rom nach München unterwegs. Der junge Mann reiste von Neapel zu seinem Wohnort in Amberg. Von über 100 Scheinen (20 und 50 Euro) war kein einziger echt. Das mitgeführte Bargeld auf seine Echtheit zu überprüfen, gehört bei Kontrollen zum Standardprogramm.

Fündig werden die Schleierfahnder auch in den Ausländerämtern, Zulassungsstellen und Meldeämtern ihres Dienstbereichs. In enger Zusammenarbeit mit den Behörden prüfen sie dort die vorgelegten Urkunden. So enttarnten sie 26 vorgelegte Tazkiras, also afghanische Personalausweise, als Fälschungen.

Die Bekämpfung der internationalen Kfz-Verschiebung ist seit dem Start 1998 eine Kernkompetenz der Fahnder. Das bekam 2017 ein österreichischer Kfz-Händler (30) zu spüren, der auf einer Internetplattform ein vermeintliches Schnäppchen gemacht hatte. Für einen Range Rover Vogue zahlte er statt 70000 nur 45000 Euro. Die Nobelkarosse musste er in Hamburg abholen – und letztendlich in Rosenheim bei der Polizei wieder abgeben. Der Pkw war in Marbella gestohlen und mit falschen Dokumenten und falscher Fahrgestellnummer in Hamburg zugelassen worden.

In Großkarolinenfeld nur noch Schrott, in Polen wieder „neu“

Auch virtuelle „Streifenfahrten“ im Internet lohnen sich. Auf entsprechenden Portalen suchen Spezialisten nach Unfallfahrzeugen, die nur noch Schrottwert haben, aber teuer angeboten werden. So wurde in einem solchen Portal ein Hyundai ix35 angeboten, der bei einem Unfall in Großkarolinenfeld völlig zerstört worden war. Kurz danach ließ man exakt diesen Pkw in „neuwertigem“ Zustand in Polen zu.

Auf Hinweis der Schleierfahnder stellte die polnische Kriminalpolizei den Pkw sicher. Baumann: „Tatsächlich handelte es sich um ein in Deutschland gestohlenes Auto, das auf die Daten des Schrottfahrzeuges umfrisiert worden war.“

Für Einbrecher aus ganz Europa ist der Raum Rosenheim ebenso ein gefährliches Pflaster. So war für vier Rumänen am Irschenberg Endstation. Sie hatten reichlich Gepäck im Auto. Eine intensive Durchsuchung brachte große Mengen an Goldschmuck, teuren Zigarren und elektronischem Gerät zum Vorschein. Wegen Verdachts der Hehlerei wurden Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen. So konnten den Männern mehrere Wohnungseinbruchserien in mehreren deutschen Bundesländern, der Schweiz und Österreich zugeordnet werden. In einem anderen Fall ließen sich bei zwei Serben mit totalgefälschten kroatischen Ausweisdokumenten mittels ED-Behandlungen mehrere bewaffnete Raubüberfälle klären. Neue rechtliche Regelungen im Bereich „Vermögensabschöpfung“ und damit verbesserte Beschlagnahmemöglichkeiten von inkriminierten Bargeldbeträgen nutzen die Schleierfahnder konsequent. In einem Pkw-Hohlraum fanden sie 760000 Euro Bargeld, bei einem anderen Aufgriff 520000 Euro in einem Versteck im Dachhimmel. In beiden Fällen machten die Fahrer fadenscheinige Angaben zur Herkunft des Vermögens. Das Geld wurde beschlagnahmt. Solche Treffer sind häufig der Beginn umfangreicher Kripo-Ermittlungen im Bereich des internationalen Rauschgifthandels, der Geldwäsche und der organisierten Kriminalität.

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