Rosenheim – Ein 22-Jähriger aus Eritrea sticht in einer Rosenheimer Diskothek unvermittelt auf eine 16-Jährige ein. Wie es zu diesem tragischen Vorfall kommen konnte, das ermittelt derzeit die Polizei (wir berichteten). Stellvertretender Kreisvorsitzender Andreas Winhart von der AfD übt in diesem Zusammenhang Kritik an den Helferkreisen, in denen sich ehrenamtliche Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit engagieren. „Die Helferkreise werden stets in den Himmel gelobt, in der Realität haben wir aber gehäuft Übergriffe und Vorfälle im Straftat-Bereich durch die von ihnen Betreuten“, kritisiert er in einer Pressemitteilung. „Die Kreise arbeiten nicht ordentlich beziehungsweise sind dazu nicht in der Lage.“
Aussagen, die polarisieren. „Quatsch“, sagt etwa Elke Czarnecki, Sprecherin des Priener Helferkreises. „Die Helferkreise sind nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen. Wir haben eine immense Menge an hohen Kompetenzen.“ Die Kreise würden sachorientiert und sehr reflektiert arbeiten, seien sich der gesamtpolitischen Situation bewusst und wüssten um den Stellenwert, den die Themen Arbeit, Sprache und vor allem die Rechte- und Wertevermittlung in der Integrationsarbeit einnehmen.
Gerade Letztere kommt Winhart zu kurz. Seiner Meinung nach gehen die Angebote meistens am Ziel vorbei. Nur mit Fahrrad-Reparaturen, Stühlebemalen und gutem Zureden werde niemand von Übergriffen abgehalten“, so Winhart. Stattdessen müssten Standards dafür gesetzt werden, was den Asylbewerbern beigebracht wird.
Czarnecki verteidigt die Freizeitangebote der Helferkreise. Natürlich lasse sich dadurch niemand von Gewalttaten abhalten, das sei aber auch gar nicht Sinn und Zweck der Aktionen. „Die dienen der Integration durch Schaffung von Begegnung bei gleichzeitiger Förderung der Sprache“, erklärt sie. Werte, wie etwa das westliche Frauenbild, würden im Einzelkontakt vermittelt. Die Arbeit der Helferkreise will Winhart „professionalisiert und strikt überwacht“ sehen. Er fordert Sozialarbeiter. „Die können Tendenzen erkennen und die Sinnhaftigkeit des Treibens überprüfen.“
Genau diese Hauptamtlichen gebe es bereits, und zwar bundesweit, sagt Czarnecki: „Herr Winhart hat keine Ahnung.“ Obendrein würden Sozialverbände wie die Caritas oder das Katholische Bildungswerk Schulungen anbieten, in denen sämtliche Themenbereiche des deutschen Rechte- und Wertesystems beleuchtet werden.
Christian Hlatky vom Projekt „Paten für Geflüchtete“ der Bürgerstiftung Rosenheim springt den Helferkreisen zur Seite. In einer Pressemitteilung zeigt er sich verwundert, schließlich hätte sich der Großteil der im Rosenheimer Stadtrat vertretenen Parteien bereits über Projekte und die Herausforderungen in der Arbeit mit Geflüchteten erkundigt. Die AfD nicht. Die Partei sei vielmehr dafür bekannt, den Integrationsprozess zu sabotieren. „Den ehrenamtlichen Helfern die Schuld und Verantwortung für missglückte Integration und letztendlich auch für diesen grausamen Angriff zuzuschieben, ist ekelhaft“, schreibt Hlatky. Erbärmlich sei zudem der
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