Von dualer Ausbildung bis zur Digitalisierung

von Redaktion

Staatssekretär Bernd Sibler Referent beim CSU-Bildungsgipfel – Lederer bezeichnet Fachkräftemangel als Risiko für Betriebe

Ramerberg – Staatssekretär Bernd Sibler vom Bayerischen Kultusministerium referierte beim CSU-Bildungsgipfel in Ramerberg. Anschließend entspann sich eine rege Diskussion über anderthalb Stunden hinweg. Stichworte waren die duale Ausbildung und die Wertschätzung körperlicher Arbeit, gesellschaftliche Überbewertung von Abitur und Studium, Anstrengungsbereitschaft und Bildungsgerechtigkeit, Erhalt von Förderschulen und abgestufte Ausbildungspläne, Übertrittsquoten in Gymnasien und problematischer „Elternwille“, Digitalisierung und die Aufgabe, nicht nur Wissen in jungen Köpfen zu stapeln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden.

Eingangs bezeichnete der Landtagsabgeordnete Otto Lederer, der den Gipfel organisiert hatte, den Mangel an Fachkräften als das größte Risiko für das Fortbestehen von Betrieben und Fortbildungsstätten. Seine Aussage, dass in Bayern der Mensch nicht erst mit dem Abitur beginne, mündete in ein flammendes Plädoyer für die berufliche Bildung. Diesen Faden griff Sibler auf und lobte das duale Ausbildungssystem für seine Chancengerechtigkeit, für seine kurzen Übergangsphasen zwischen Schule und Beruf, für seine Orientierung am Bedarf der Wirtschaft und für die Bereitstellung umfassend qualifizierter Fachkräfte. Deutschland weise die niedrigste Jugendarbeitslosigkeits-Quote in Europa auf, und Bayern mit 2,8 Prozent die niedrigste in Deutschland, sagte der Referent.

Einige anwesende Handwerksmeister wünschten sich „abgestufte Ausbildungspläne“, weil nicht jeder Ausbildungswillige das gesamte Pensum bewältigen könne und nicht jede Fachkraft komplizierteste Steuertechniken beherrschen müsse. Ein Ziel des Gipfels war es, Kenntnis darüber zu erhalten, wie das Bemühen der Regierung zur Verbesserung der Bildungssituation in den Betrieben, Schulen und bei den Kommunalpolitikern ankommt. „1,5 Milliarden Euro gibt Bayern aus, um den Ausbau des Internets voranzutreiben“, so Sibler. „Aber wir finden derzeit keine Bauunternehmer, die die Leitungen in der Erde verbuddeln.“

Die Verklammerung von Theorie in der Schule und Praxis im Betrieb, so Sibler, wirke einer Akademisierung in Vollzeit-Berufsschulen entgegen und beschere den Auszubildenden im wahrsten Sinne des Wortes „handgreifliche“ Erfolgserlebnisse mit Dingen, die sie selbst geschaffen haben. Fachwissen sei die Basis für Kompetenz, zur Lebenswelt von heute und morgen gehöre aber auch die Navigation in der zunehmend digitalisierten Welt. Die Bayerische Staatsregierung nehme dreistellige Millionenbeträge in die Hand, um Lehrer auf die immense Nachfrage nach digitaler Bildung vorzubereiten: „Wir machen Informatik zum Pflichtfach an Mittelschule, Realschule und Gymnasium“, kündigte der CSU-Politiker an.

Die Gleichwertigkeit von Beruf und Studium kann nach Auffassung von Lederer und Sibler nicht durch das Umlegen eines Schalters bewerkstelligt werden. Vielmehr müsse in der Gesellschaft ein Umdenkungsprozess in Gang gesetzt werden. „Wenn 42 Prozent aller Hochschulreifen in Bayern nicht mehr von Gymnasien vergeben werden, sondern von beruflichern Schulen“, so der Staatssekretär, „dann sind wir hierzulande auf einem sehr guten Weg.“

Artikel 9 von 11