Rosenheim – Noch bis 31. Mai wählen die Beschäftigten zahlreicher Betriebe in der Stadt und im Landkreis Rosenheim ihre Vertreter, die als Betriebsräte deren Interessen gegenüber dem Arbeitgeber vertreten. Dies erklärte DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner. Je nach Größe des Betriebs ändere sich auch die Zahl der Ratsmitglieder. Zu Details informierten Hannes Stadlbauer vom Romed-Klinikum, Bülent Tirmik von der Firma Hamberger, Bernhard Weißenbacher von Danone und Josef Kaffl von der Wendelsteinbahn. Ein Unternehmen mit einem Betriebsrat sei produktiver, innovativer sowie arbeitszeit- und familienfreundlicher, waren sie sich einig.
Für Bernhard Weißenbacher gibt es viele Gründe, warum ein Betriebsrat für ein Unternehmen essentiell ist. Der 52-Jährige gehört seit zehn Jahren dem Betriebsrat von Danone an. „Aktuell beschäftigen wir uns mit dem Urlaub. Viele der 161 Kollegen arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb – da berücksichtigen wir, wer alleinerziehend, an Kita-Zeiten gebunden ist oder sich mit dem Partner an die Ferienzeiten der Kinder halten muss.“
Bei der Wendelsteinbahn variiert die Zahl der Betriebsräte aus drei bis fünf Mitgliedern. Einer davon ist der 60-jährige Josef Kaffl. Er ist seit 1987 bei der Bahn beschäftigt und setzt sich seit 20 Jahren für die Belange der Kollegen ein. Besonders die Arbeitszeitregelung als Schutzfunktion spielt für ihn eine wichtige Rolle: „Auch wenn es gut läuft, das Hauptthema bei uns ist die Arbeitszeit. Exakt acht Stunden am Tag einzuhalten, gestaltet sich schwierig. Wir müssen Pausen machen, logisch. Aber was macht der Mitarbeiter am Fahrkartenstand, wenn noch Gäste anstehen?“ Für solche Fälle habe man „Pausenspringer“ eingestellt.
Flexible Arbeitszeiten haben für Bülent Tirmik einen hohen Stellenwert. Die Firma Hamberger mit 1059 Beschäftigten habe die Arbeitszeiten an die jeweilige Auftragslage angepasst. Tirmik erklärte dazu: „Momentan arbeiten unsere Mitarbeiter 36 Stunden in der Woche. Fällt mehr Arbeit an, wird der Stundensatz auf 37,5 hochgeschraubt, bei ruhigeren Zeiten arbeiten die Beschäftigten 34,5 Stunden pro Woche.“ Der 42-Jährige ist seit 24 Jahren Mitglied des 15-köpfigen Betriebsrats.
Gleichberechtigung und faire Bezahlung sind in der Krankenpflege von Bedeutung, wie Hannes Stadlbauer verdeutlichte. Der 60-Jährige arbeitet zu 20 Prozent als Krankenpfleger im Romed-Klinikum Rosenheim. Die restlichen 80 Prozent ist er für die Arbeit als Personalrat freigestellt worden. „Wir arbeiten in einem unterfinanzierten System. Speziell in der Pflege ist es wichtig, dass die Mitarbeiter alle ihre Rechte kennen“, sagte Stadlbauer. Auch deshalb arbeite er bewusst noch in seinem ehemaligen Bereich. Damit erlebt er nach eigenem Bekunden „den täglichen Wahnsinn“ mit und erkennt, „an welchen Baustellen Handlungsbedarf besteht“.
Zellner riet abschließend jedem Unternehmen, das noch keinen Betriebsrat hat, einen zu installieren. Das sei in Betrieben mit mindestens fünf Mitarbeitern möglich. „Ich empfehle die Gründung, solange es dem Unternehmen gut geht. Dann ist der Betrieb für schlechte Zeiten gut gewappnet. Eine Krankenversicherung nützt einem ja auch nichts mehr, wenn das Bein schon gebrochen ist.“