Flintsbach – Jakob Lange (22) vom WSV Kiefersfelden muss weiterhin pausieren. Der fünffache Medaillengewinner bei Junioren-Weltmeisterschaften, der bereits seit fünf Jahren im DSV-Weltcupteam der nordischen Kombinierer mit dabei ist, hat in seiner Karriere bereits an 50 Weltcup-Rennen teilgenommen. Im Februar 2017 feierte er mit einem vierten Platz beim Weltcup in Sapporo seinen bislang größten Einzelerfolg. Im Herbst vergangenen Jahres dann der komplette körperliche Zusammenbruch. Vor allem im Laufbereich vorher absolute Weltspitze, sank sein Leistungsvermögen auch aufgrund einer Nierenentzündung innerhalb von nur zwei Wochen auf nahezu null. Seither streikt sein Körper, und an Leistungssport ist für den Flintsbacher weiterhin nicht zu denken.
Von Oktober bis Anfang Januar bin ich nur rumgelegen. Ich bin fast die Treppe nicht mehr hochgekommen, konnte kaum meinen Alltag bewältigen. Von jeder kleinsten Anstrengung war ich sofort total erschöpft“, erzählt Jakob Lange. Das Schlimme für ihn war und ist, dass es bisher keine wirklich klare Diagnose gibt. „Mein Körper ist nach wie vor total durcheinander. Meine Blutwerte sind immer wieder katastrophal, und keiner weiß warum. Ich hatte zwar im Herbst eine Nierenentzündung, aber die ist eigentlich überstanden. Es wurde alles durchgecheckt, alle denkbaren anderen Krankheiten wie Pfeiffersches Drüsenfieber und Schlimmeres ausgeschlossen. Aber es sind immer noch Entzündungswerte da“, sagt der Sportler.
Zumindest hat er zwischendurch immer wieder Tage, an denen es ihm besser geht, was auch sofort an seinen Blutwerten sichtbar ist. Da macht er dann auch Sport, so wie es ihm guttut. Daran versucht er sich hochzuziehen, auch wenn die Situation für ihn ohne klare Diagnose unbefriedigend ist. „Ich hätte, ehrlich gesagt, lieber einen Bänderriss. Dann wüsste ich, was los ist und wie die Reha abläuft.“
Trainingsüberlastung, psychophysische Überlastung in der olympischen Saison, gewichtsmäßig war er sicherlich auch am Limit, dann die Nierenentzündung – ein für Jakob Lange wahrscheinlich fatales Zusammenspiel. „Das hätte sich mit der medikamentösen Behandlung der Infektion und einer mehrwöchigen Trainingspause dann aber eigentlich wieder regulieren sollen. Hat es aber bisher leider nicht. Mein Stoffwechsel spielt nach wie vor verrückt“, sagt er.
Er versucht, dem Rat der Ärzte zu folgen, alles was irgendwie Stress macht, zu meiden und neben der medikamentösen und inzwischen auch psychologischen Behandlung nur das zu tun, was ihm Spaß macht und nicht überfordert. „Klar ist Leistungssport immer irgendwo eine psychische und physische Grenzbelastung, gerade in so einem komplexen Ausdauersport wie der nordischen Kombination. Und vielleicht war es über die Jahre doch zu viel für mich?“, meint Lange nachdenklich. Als damals weltweit bester Nachwuchskombinierer musste er bereits in sehr jungen Jahren hohen Erwartungsdruck von außen wie auch von sich selbst aushalten. Dazu kam ein böser Sturz mit schwerer Knieverletzung beim Springen, der ihn beim Sprung in die Weltspitze aus der Bahn warf. Das kann so einen sensiblen und ehrgeizigen Sportler wie ihn durchaus aus dem Gleichgewicht bringen.
Ob es für ihn schwierig war, die Olympischen Spiele zu verfolgen? „Eigentlich nicht. Ich habe schon Kontakt mit meiner Mannschaft, sie auch in Seefeld besucht. Ich bin mit Vinzenz Geiger eng befreundet und habe mich sehr für ihn und die anderen über die Goldmedaillen bei Olympia gefreut. Obwohl das natürlich auch immer mein Traum war, da mal dabei zu sein. Aber die Gesundheit steht für mich absolut im Vordergrund.“ Im Moment kann Lange es überhaupt nicht absehen, ob und wann er wieder in den Leistungssport zurückkehren kann. „Ich hoffe sehr, dass mein Körper irgendwann wieder mitspielt. Bis alles wieder ins Lot kommt, dauert es länger, als ich dachte. Aber ich bin ja noch jung“, meint er. Die Zuversicht hat er nicht verloren.