Rosenheim – Ben Johnson war mit Shakespeare befreundet, verkörperte aber den Typ des gelehrten, mit dem ganzen Bildungsballast seiner Zeit beladenen Dichters. Sein wohl bekanntestes Stück „Volpone“, 1605 in London uraufgeführt, 1926 bearbeitet von Stefan Zweig, lebt in dieser Fassung heute noch auf unseren Bühnen. Johnson gab den einzelnen Figuren Tiernamen, bezogen auf ihren Charakter.
Der Rosenheimer Regisseur Toni Müller inszenierte die Komödie jetzt schwungvoll mit seinem Ensemble der Theaterinsel Rosenheim. Die ganze Breite der Bühne bietet viel Raum für die temperamentvollen Aktionen, gelb leuchtet der Stoff des Hintergrundes. Ein prächtiges mobiles Himmelbett dominiert immer wieder die Szenen.
Toll sind die Kostüme, die Luca Kronast-Reichert bis ins Detail fein kreierte. Müller hat seine Darsteller bestens in den entsprechenden Rollen besetzt und sie trefflich geführt. Josua Dreischhoff als Volpone (der Fuchs), in einen herrschaftlichen Morgenrock gekleidet, verkörpert glaubwürdig den geldgierigen Mann, der gefühl- und skrupellos seinen Mitmenschen übel mitspielt.
Star der Aufführung ist Luca Kronast-Reichert als Volpones Haushofmeister und Schmarotzer Mosca (Fliege), bezaubernd in seinen Kniehosen und mit schwarzem Schopf. Er wirbelt wie ein Puck rasant, agil und mit Witz durch die Szenen. Der Charmeur zeigt die nötige Chuzpe und hat das Überzeugungstalent, um den Reichtum seines Herrn zu mehren und sein eigenes Salär aufzubessern. Wie er über den Holzboden schlittert und bei allem immer „die Kurve kriegt“, ist sehenswert und hinreißend. Nach und nach legt er sie alle herein.
Bogus verkörpert Voltore (Geier), ein redegewandter Advokat, wie die andern nur an Geld interessiert. Er weiß: „Kein Gesetz ist derart, dass man es nicht umgehen kann.“ Andreas Becker-Blum als eifersüchtig-habgieriger Corvino (Rabe), der für Geld auch seine Ehefrau „verleiht“, spielt so überzeugend wie Klaus Paschke als alter Geizhals Corbaccio (Krähe).
Köstlich in Mimik und Gebaren setzt Ulrike Jörns die Rolle der schönen, etwas einfältigen Colomba (Taube) in Szene – und eine Wonne als Canina (Hündin) ist Birgit Schier als gerissene „Liebesdienerin“. Alexander Rathmacher verkörpert mit viel Verve und Wut im Bauch Leone (Löwe). Birgit Schier spielt auch mit blonder Perücke den strengen Richter, Fabian Behr sowie Angela Putner fungieren als Diener.
Bis zur Pause war es ein famoser Spaß, später – nach drei Stunden Spielzeit – hätten Straffungen der Inszenierung mehr Vergnügen verschafft. Doch alles in allem genoss das Publikum diese Komödie und beklatschte am Schluss den Regisseur und seine Schauspieler mit großem Applaus.
Weitere Aufführungen in der Theaterinsel am 23., 24., 29., 31. März und 1. April, jeweils 20 Uhr, am 25. März um 17 Uhr; Vorbestellungen: Telefon 08031/9008203.