Wasserburg/München – Seit Ende März sitzt ein 55-jähriger Mann aus dem Raum Wasserburg im Münchner Landgericht auf der Anklagebank. Er soll die Tochter seiner langjährigen Lebensgefährtin in über 1200 Fällen sexuell missbraucht und sie auch vergewaltigt haben (wir berichteten). Seit das Kind neun Jahre alt war, soll sich der Lkw-Fahrer an ihm vergangen haben, er bestreitet dies.
Gestern wurden Zeugen vor Gericht befragt: eine alte Freundin des Angeklagten, ein Lebensberater aus ihrem Bekanntenkreis und die Mutter des mutmaßlichen Opfers. Es ging vor allem um weitere Details. Die Vorsitzende Richterin nahm dabei kein Blatt vor den Mund: „Gibt’s irgendwelche Besonderheiten im Intimbereich des Angeklagten?“ oder „Wie ist er als Mann so ausgestattet?“, fragte sie die Mutter des Opfers unter anderem.
Die Mutter will sich an nichts erinnern, außer dass alles normal gewesen sei. „Wie lange waren Sie nochmal mit dem Mann zusammen – acht Jahre?“, hakte die Richterin nach. Die Mutter wollte sich aber trotzdem an nichts erinnern. Es sei zu lange her, sagte sie. Die zierliche Frau mit dem schwarzen Kurzhaarschnitt soll von 2001 bis 2010 mit dem Angeklagten zusammengewesen sein. Die Befragungen der Schulfreundin und des Lebensberaters, der sie hypnotisiert hatte, um sie mental auf den Gerichtsprozess vorzubereiten, brachten keine neuen Erkenntnisse. Beide waren nicht in die Missbrauchsvorfälle involviert. Jetzt müssen weitere Zeugen gehört werden. Der Prozess dauert an.jt