Landkreisbürger leben sicher

von Redaktion

Landratsamt und Polizeipräsidium Oberbayern Süd stellen Kriminalitätsstatistik vor

Rosenheim – Ein schöner Landkreis mit vergleichsweise geringem Kriminalitätsaufkommen – so lautet das Fazit von Landrat Wolfgang Berthaler nach dem Sicherheitsgespräch mit Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, und seinem Stellvertreter Harald Pickert. Obwohl die Einwohnerzahl im Landkreis stetig steigt, ist die Kriminalität in vielen Bereichen rückläufig. „Die Menschen im Landkreis können deutlich sicherer leben als in vielen anderen Regionen“, sagt Kopp.

Das bestätigt die Häufigkeitszahl, der Gradmesser für die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung. Dazu werden die Fallzahlen auf 100000 Einwohner umgerechnet. Für den Landkreis mit rund 260000 Einwohnern ergibt dies einen Wert von 3486. Zum Vergleich: Im gesamten Zuständigkeitsbereich kommt das Präsidium Oberbayern Süd auf einen Wert von 3933, der bayernweite Durchschnitt liegt bei 4533.

Bereinigt um ausländerrechtliche Delikte, also illegale Einreisen oder Aufenthalte, wurden im Landkreis im vergangenen Jahr 8975 Straftaten gezählt – die zweitniedrigste Fallzahl seit dem Jahr 2011 und ein Rückgang um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank aber auch die Aufklärungsquote geringfügig von 70,8 auf 67,7 Prozent. Dennoch: In mehr als zwei von drei Fällen wird der Täter überführt. Im Verdacht, eine Straftat begangen zu haben, standen im vergangenen Jahr 5003 Personen – 40,1 Prozent der Tatverdächtigen waren Nichtdeutsche. „Das ist aufgrund der Nähe zur Landesgrenze auch importierte Kriminalität“, betont Kopp. Insgesamt 462 Personen, gegen die die Polizei ermittelte, waren Minderjährige. 776 waren Zuwanderer.

Tötungsdelikte

Messerangriffe auf zwei Senioren in Rott am Inn und auf eine Mutter in Prien am Chiemsee – das waren die zwei wohl herausragenden Fälle im Landkreis. Insgesamt hat das Präsidium im vergangenen Jahr 15 Tötungsdelikte gezählt. Ein Anstieg um 36,4 Prozent. In allen Fällen wurden die Täter jedoch relativ schnell festgenommen.

Wohnungseinbrüche

120 Wohnungseinbrüche registrierte das Präsidium Oberbayern Süd im vergangenen Jahr im Landkreisgebiet – 6,3 Prozent weniger als 2016. „Wir konnten einige Serientäter festnehmen“, begründet Pickert die sinkenden Fallzahlen. Auffällig ist, dass es in mehr als 50 Prozent der Fälle beim Versuch blieb. Diesen Umstand führt Pickert nicht zuletzt auf die Präventionsarbeit der Polizei zurück. Auch im gewerblichen Bereich sind die Fallzahlen rückläufig. Von 164 in 2016 auf 107 im vergangenen Jahr.

Diebstahl

Die Zahl der Diebstahlsdelikte – 2037 in 2017 – ist ebenfalls rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr um minus 7,7 Prozent und im Zehn-Jahres-Vergleich um 28,1 Prozent. „Eine hervorragende Bilanz“, sagt Pickert. Sorge bereiten der Polizei dagegen Trickbetrüger. Zunächst mit dem sogenannten Enkel-Trick, inzwischen als „falsche Polizisten“, die besonders Senioren um ihr Erspartes bringen. Beide Vorgehensweisen hätten inzwischen aber zu Festnahmen geführt.

Gewaltkriminalität

Zumindest leicht abgenommen haben sowohl die Fälle von Gewaltkriminalität (-2,0 Prozent), als auch die Rohheitsdelikte – also Gewaltkriminalität zuzüglich einfacher Körperverletzungen (-3,3 Prozent). Gerade in diesem Bereich, so Pickert, spielten Zuwanderer eine nicht unerhebliche Rolle. Laut Kopp seien die Beamten im vergangenen Jahr zu insgesamt 424 Einsätzen in Asylbewerberunterkünften gerufen worden – in etwa so oft wie im Vorjahr. Oftmals wegen Ruhestörungen, nicht selten aber auch wegen schwerer Gewaltdelikte. „Menschen aus anderen Kulturen haben oft eine andere Konfliktlösungsstrategie“, erklärt der Polizeipräsident. Hier müsse die Polizei Präsenz zeigen, denn: „Es kann nicht sein, dass jemand, der in Deutschland Hilfe sucht, hier Opfer von Gewalt wird.“

Sexualdelikte

Im Gegensatz zum Großteil der übrigen Deliktfelder hat die Zahl der Sexualdelikte zugenommen: um 11,9 Prozent auf 122 Fälle. Was zunächst dramatisch klingt, ist den Erfassungsmodalitäten geschuldet. Inzwischen zählen beispielsweise auch „Grapschereien“, die bisher lediglich den Tatbestand der Beleidigung erfüllt haben, zu den Sexualdelikten.

Straßenkriminalität

Um 7,1 Prozent haben die Fälle von Straßenkriminalität abgenommen – auf 1339. Noch deutlicher fällt der Rückgang im Zehn-Jahres-Vergleich aus. 2008 registrierte die Polizei noch mehr als 2000 Fälle.

Rauschgift

Geringfügig angestiegen, um 1,2 Prozent, ist die Zahl der Rauschgiftdelikte. Allerdings handelt es sich dabei um ein sogenanntes Kontrolldelikt. „Je mehr kontrolliert wird, desto mehr Fälle sind es“, erklärt Pickert. Zudem tauchen auch Drogenfunde in der Statistik auf, die Schleierfahnder auf der Autobahn bei Durchreisenden machen.

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