Stellvertretende CSU-Generalsekretärin Daniela Ludwig im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen

Eine SMS, die den Alltag verändert

von Redaktion

Organisation des Landtagswahlkampfes größte aktuelle Herausforderung im neuen Amt für Rosenheimer Abgeordnete

Rosenheim – Es ging im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht. Sieben entgangene Anrufe wies das Handy der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig in den frühen Morgenstunden des 4. März auf. Alle stammten vom damals noch amtierenden CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der erste ging um 0.10 Uhr bei ihr ein. Nach sieben vergeblichen Versuchen gab Scheuer entnervt auf und stieg auf eine SMS um. „Heute um 8 Uhr in der Staatskanzlei!“, teilte er der Abgeordneten knapp mit.

Als sie die Botschaft auf ihrem Handy um kurz nach 6 Uhr entdeckte, änderte sich für die Kolbermoorerin weit mehr als nur die Planung für den Sonntag. Horst Seehofer empfing an jenem Tag in aller Früh all diejenigen aus der Partei, auf die nach dem Zustandekommen der Großen Koalition in Berlin neue Aufgaben in der CSU zukommen sollten. Das Treffen in der Staatskanzlei hatte etwas von einem Vorstellungsgespräch, bei dem sich die Bewerber die Klinke in die Hand gaben. Einen feinen Unterschied gab es. Bangen, einen Job zu bekommen, musste von den Anwesenden niemand. „Als wir uns vor dem Büro des Ministerpräsidenten trafen, war uns allen klar, dass wir einen Posten erhalten“, sagt Ludwig. Die Frage sei nur noch gewesen, wofür man vorgesehen ist. Stellvertretende CSU-Generalsekretärin lautete der Auftrag, den Seehofer für Ludwig hatte. „Ich brauche Dich als Statthalterin in Berlin“, begründete er seine Entscheidung in einem Zehn-Minuten-Gespräch.

Für Ludwig eine Überlegung mit Logik, schließlich komme Generalsekretär Markus Blume aus der CSU-Landtagsfraktion. Ob das neue Amt ein Traumjob für die Frau ist, die auch als Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium gehandelt wurde und jetzt als verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fungiert, dazu äußert sich Ludwig diplomatisch. „In der Politik gibt es keine Traumjobs.“

Mit dem neuen Amt und den damit verbundenen Herausforderungen hat sie sich rasch arrangiert. „Extrem spannend“ nennt sie es, der CSU in dieser Führungsposition zu dienen. Der Informationsaustausch mit Markus Blume verlaufe sehr gut, Ludwig spricht von einem „sehr kollegialen Miteinander“. Auch wenn sie erst ein paar Wochen im Amt ist, vieles ist für die Rosenheimer Bundeswahlkreisabgeordnete bereits Routine geworden. Der regelmäßige Jour fixe am Montag um 10 Uhr zum Beispiel, das Bearbeiten des „deutlich größer gewordenen Stapels von Terminanfragen“ oder der Austausch mit den Mitarbeitern in der Parteizentrale, die sie mittlerweile fast alle kennt.

Den Wahlkampf für die Landtagswahl am 14. Oktober zu organisieren, ist kurzfristig zweifellos die größte Herausforderung in ihrem neuen Amt. Von heute an gerechnet, haben Ludwig und ihre Mitstreiter genau noch ein halbes Jahr Zeit, möglichst viele Wähler für die CSU zu gewinnen. Wie das gehen soll, davon hat die Vize-Generalsekretärin schon konkrete Vorstellungen. „Wir müssen wieder meinungsstärker werden und uns nicht auf eine Verwalterrolle in Deutschland beschränken.“ Mit Parteichef Horst Seehofer, Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in Berlin zögen Blume und sie in dieser Einschätzung an einem Strang. „Dobrindt gewinnt nicht immer den Beliebtheitspreis, aber er macht die Partei in der Bundeshauptstadt profilstärker. Und klar ist auch, dass etwas in der Bundesregierung nicht kommt, wenn die CSU nicht mitmacht“, sagt die Parlamentarierin.

Alle Details der Wahlkampfstrategie für den Urnengang im Oktober sind zwar noch nicht festgelegt, ein wesentlicher Baustein des Wählerwerbens steht allerdings bereits fest. „Wir wollen dem zersplitterten bürgerlichen Lager ein kompaktes Angebot unterbreiten und den Menschen zeigen, dass sie bei der CSU gut aufgehoben sind“, so Ludwig. Migration, Innere Sicherheit und der Bereich Soziales – das sind die drei Schwerpunktthemen im Wahlkampf.

Was einen möglichen Koalitionspartner betrifft, daran verschwendet Ludwig derzeit keinen Gedanken. „Wir kämpfen für eine absolute Mehrheit“, sagt sie selbstbewusst. Dazu gehöre auch, in wichtigen politischen Fragen klar Position zu beziehen und bei Bedarf auch zu polarisieren. „Wer nicht aneckt, wird am Ende auch nicht gewählt“, ist Ludwig überzeugt.

Auch wenn ihr neues Amt zusätzliche Zeit beansprucht, der hohe Stellenwert, den die politische Arbeit im Stimmkreis für sie hat, bleibt unverändert. „Hier ist meine Heimat und die Basis für mein politisches Wirken. Daran gibt es keinen Zweifel“, macht sie deutlich.

Schreibtische in Rosenheim, München und Berlin, Fraktionsarbeit, Präsenz im Bundestag, Wahlkampf-Auftritt – ein Mammutpensum für die zweifache Mutter. Dennoch lässt der Kalender Nischen für wichtige Dinge, die nicht mit der Partei besprochen werden. Dieser Tage stand beispielsweise der Kauf der Schulranzen für ihre Zwillinge zur Diskussion, die sich im September in die Phalanx der Abc-Schützen einreihen. Trotz gewaltigen Termindrucks:. Bei der Entscheidungsfindung mit ihren Sprösslingen nahm sie sich viel Zeit. Und auch am ersten Schultag will Ludwig nur Mutter sein und begleitet ihre Kinder zur Schule. Wahlkampf hin oder her.

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