Nußdorf – Es ist eine beachtliche Reihe von Mosaiksteinen, die zum Fahndungserfolg führte. Die eigens eingerichtete und aus sechs Beamten bestehende Ermittlungsgruppe „Steinbach“ arbeitete 36 Spurenkomplexe ab, befragte zahlreiche Zeugen und Anwohner der am Hochriesweg gelegenen Unterkunft und schaltete überörtliche Polizeidienststellen und Profiler der Operativen Fallanalyse Bayern (OFA) in die Ermittlungen ein. Alsbald konnte die Polizei Zusammenhänge herstellen. Es gab beispielsweise rasch keinen Zweifel mehr, dass der Brandanschlag vom 17. März in Verbindung mit einem weiteren Vorfall in der Nacht zum Ostermontag steht. An diesem Tag war ein pyrotechnischer Gegenstand vor der Unterkunft gezündet worden. Dadurch wurden die Bewohner des Hauses aufgeschreckt. Auch eine zurückliegende Hakenkreuz-Schmiererei an der Gemeinschaftsunterkunft und vorangegangene kleinere Sachbeschädigungen konnten mit den beiden aktuellen Fällen in Verbindung gebracht werden.
Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd gestern mitteilte, gingen die Fahnder von Anfang an von einem „fremdenfeindlichen Hintergrund“ aus, deshalb wurde das für Staatsschutzdelikte zuständige Kommissariat mit der Federführung bei der Suche nach den Tätern beauftragt. Schnell stellte sich heraus, welch große Gefahr von dem selbst gebauten Brandsatz ausging, der am 17. März gegen das Gebäude geschleudert worden war. Glücklicherweise hatten Nachbarn die Tat rasch bemerkt und sofort Polizei und Feuerwehr alarmiert. „Nur dem Zufall war es geschuldet, dass das Feuer damals von allein erlosch und keine Menschen zu Schaden kamen“, hält das Polizeipräsidium in seinem Bericht über die beiden Festnahmen fest.
Im Verlauf ihrer Recherchen gerieten die beiden Männer in den Fokus von Polizei und Staatsanwaltschaft. Am vergangenen Mittwoch wurden auf richterlichen Beschluss deshalb drei Wohnungen im Landkreis durchsucht. Neben diversen Beweismitteln, die für die Täterschaft der beiden Festgenommenen sprechen, wurden auch mehrere Waffen, Munition und rechtsextremistisches Propagandamaterial sichergestellt.
Der 23-Jährige räumte nach Polizeiangaben bei seiner Vernehmung die Taten „vollumfänglich“ ein und bezichtigte den 20-jährigen Mann der Mittäterschaft. Er hat bisher kein Geständnis abgelegt.
Polizeipräsident Robert Kopp dankte den Beamten der Ermittlungsgruppe ausdrücklich für ihre Arbeit. „Ich gehe davon aus, dass mit der Aufklärung der Brandanschläge auch weitere schwere Straftaten verhindert werden konnten“, sagte Kopp. Jürgen Branz, der Leiter der Staatsanwaltschaft Rosenheim, und der für den Fall zuständige Staatsanwalt Jan Salomon machten klar, dass die Staatsanwaltschaft fremdenfeindliche und extremistische Straftaten „mit besonderer Intensität“ verfolgt. „Dass die Täter schnell ermittelt werden konnten und sich nun bereits in Untersuchungshaft befinden, ist ein Beleg für die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden“, so Branz und Salomon übereinstimmend.