bayernweiter Blitzmarathon

Prävention durch Präzision

von Redaktion

Miesbacher Straße, Fahrtrichtung Schwaiger Kreisel: Hier starben im November 2016 zwei junge Frauen bei einem schweren Autounfall. Das nahm die Polizei zum Anlass, dort im Rahmen des Blitzmarathons eine Kontrollstelle einzurichten. Das Ziel: Prävention.

Rosenheim – Polizeiobermeister Schweiger, der Messbeamte, sieht durch das Okular der Laserpistole. Ziele im Bereich zwischen 30 und 1000 Metern erfasst das Gerät, das an der Miesbacher Straße auf Höhe der Abzweigung zur Hohenofener Straße, Blickrichtung ortsauswärts, steht. Er hält auf einen heranfahrenden Audi und drückt ab. „94“, ruft er seinen Kollegen zu. Der Höchstwert an diesem Tag. Eine Polizeibeamtin macht einen Schritt in Richtung Straße und winkt mit der Kelle. Die Fahrerin, Nicole Forrestier aus Happing, gibt sich sofort einsichtig – wie die meisten Temposünder. „Ich fahre meistens mit dem Fahrrad“, sagt die 44-Jährige. „Ich habe aber einen dringenden Termin in Bad Aibling.“ Deswegen das Auto, deswegen der Stress, deswegen 70 Euro Bußgeld und ein Punkt.

Fälle wie diesen erleben die acht Polizeibeamten vom Operativen Ergänzungsdienst Rosenheim und die beiden Kollegen von der Polizeiinspektion Rosenheim an diesem Tag nur selten. Schon an den beiden vorherigen Messstellen blieben Verstöße aus. Und auch an der Miesbacher Straße nähern sich die meisten Autofahrer der Messstelle nur zaghaft. Kaum einer überschreitet die zulässigen 70 km/h. Kein Wunder, die Polizei hat den Blitzmarathon angekündigt, und jeder weiß es. Sogar die genauen Standorte der Messungen sind bekannt.

Sicher, den großen Reibach durch Bußgelder macht die Polizei so nicht. Schwachsinn, würden einige sogar sagen. Dem Blitzmarathon liegt ein anderer Gedanke zugrunde: Prävention. „Das funktioniert heute sehr gut“, sagt Polizeihauptmeister Vogt schmunzelnd. „Trotz des großen Verkehrsaufkommens. Das bringt schon was.“ Einige wenige erwischt es dann aber doch.

So etwa Josef Schlichtner aus Sauerlach (Kreis München) auf seiner Harley Davidson. Auch den 57-Jährigen erfasst Schweiger mit der Laserpistole. Und auch er zeigt sich einsichtig. „Ich bin eigentlich kein Raser“, betont er. Zu schnell war er trotzdem. Allerdings zum ersten Mal. „Ich wurde noch nie geblitzt.“

Dass Schlichtner nun quasi sein erstes Mal erlebt hat, hat er der ruhigen Hand des Messbeamten zu verdanken. Denn: „Motorradfahrer zu lasern, ist die Königsdisziplin“, sagt Polizeihauptmeister Vogt. Anders als beim Auto, wo im besten Fall Scheinwerfer oder Nummernschild beziehungsweise zur Not auch die Motorhaube als Reflektor für den Laser dienen, beschränkt sich die Fläche bei Motorrädern auf den Scheinwerfer. Den am fahrenden Objekt zu treffen, ist nicht leicht. Quasi Prävention durch Präzision.

Durch die gestrige bayernweite Aktion soll den Verkehrsteilnehmern in Erinnerung gerufen werden, wie wichtig es ist, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. „Die Hauptursache für Unfälle ist nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit“, sagt Polizeiobermeister Peter Michalke. Alleine von 60 auf 80 km/h verdoppelt sich der Bremsweg beinahe: Aus 36 werden 64 Meter.

Wie wichtig es ist, sich an die jeweilige Vorgabe zu halten, wurde im November 2016 deutlich: Damals kamen bei einem Unfall auf der Miesbacher Straße zwei junge Frauen ums Leben (wir berichteten). Die Unfallursache: ein Überholmanöver wohl mit überhöhter Geschwindigkeit. „Deswegen haben wir hier die Kontrollstelle eingerichtet“, sagt Polizeihauptkommissar Schulz.

Unweit von der damaligen Unglücksstelle ereignete sich gestern Abend gegen 17.30 Uhr erneut ein Unfall. Laut ersten Informationen war ein Auto nahe des Schwaiger Kreisels einfach auf die Staatsstraße eingebogen und hatte so eine Kollision mit zwei weiteren Fahrzeugen ausgelöst. Dabei wurden fünf Personen leicht verletzt.

Temposünder gibt es übrigens nicht nur im hohen Geschwindigkeitsbereich – das stellt der Fahrer eines Mercedes S-Klasse Cabrios gegen Ende der Messung eindrucksvoll unter Beweis. Statt 70 tuckern er und seine Beifahrerin mit 40 über die Miesbacher Straße. Klingt lustig, lädt aber zu Überholmanövern ein und stellt somit eine Gefahr dar. Und ein Ärgernis – auch für die Beifahrerin. „Ich sage ihm das schon immer“, sagt sie und lacht. „Hinter ihm zu fahren ist die Höchststrafe.“

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