„Schockiert“ über hohe Kosten

von Redaktion

Inzwischen 6,2 Millionen Euro – Kreis Traunstein steht zu neuem Hospiz in Bernau

Bernau/Traunstein – Die enorme Kostensteigerung für den Neubau des Chiemseehospiz in Bernau an der Baumannstraße von anfangs grob geschätzt etwa vier Millionen Euro – einschließlich 800 000 Euro für den Grunderwerb – auf zuletzt 6,2 Millionen Euro ohne Grundstück erntete im Kreisausschuss Traunstein gestern harsche Kritik.

Ausdrücklich konstatierten die Gremiumsmitglieder, darunter Landrat Siegfried Walch, dennoch niemand stelle die für Südostbayern sehr wichtige Einrichtung als solches in Frage. Der Vorstand des Hospiz-Verwaltungsrats, Günther Pfaffeneder, konnte gestern nicht mal die Zusage geben, dass sich das Projekt nicht noch weiter verteuert. Das Hospiz mit zehn Betten soll Ende 2019 fertig sein.

Das Projekt stand auch im Mittelpunkt der Weihnachtsaktion „Leser zeigen Herz für Hospizbewegung“. Dafür haben die Leserinnen und Leser der OVB-Heimatzeitungen über 875000 Euro gespendet. Knapp zwei Drittel davon fließen in das Chiemseehospiz.

Der Kreistag Traunstein hatte im Oktober 2016 beschlossen, sich an einem Kommunalunternehmen zusammen mit den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land sowie der Stadt Rosenheim zu beteiligen (wir berichteten). Gegründet wurde das Unternehmen im Januar 2017. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler. Zum Vorstand wurde Günther Pfaffeneder bestellt.

Dem Beirat des Kommunalunternehmens gehören vier Hospizvereine aus Südostbayern an. Außerdem entstand ein Förderverein mit den beiden Landkreisen, der Stadt Rosenheim und der Gemeinde Bernau sowie den vier Hospizvereinen und der Caritas Traunstein als Mitglieder. Vorsitzender des Fördervereins ist Ex-Landtagspräsident Alois Glück.

Wie Landrat Walch dem Traunsteiner Kreisausschuss mitteilte, sind sich die Beteiligten in Sachen Grundstück einig. Pfaffeneder erläuterte die Details. Zunächst habe der Freistaat Bayern für das Areal auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Bernau eine Million Euro gefordert. Das sei dem Verwaltungsrat zu teuer gewesen. Das Ministerium habe eingelenkt und das Grundstück für 65 Jahre auf Erbpachtbasis mit eventueller Verlängerung um 35 Jahre angeboten.

Anfang April sei mit dem Abbruch des auf der Fläche stehenden, nicht mehr für Mitarbeiter benötigten Gebäudes begonnen worden. Pfaffeneder informierte über einen Staatszuschuss von 100000 Euro oder 10000 Euro je Pflegeplatz. Den Bezirk Oberbayern werde man noch ansprechen. Üblicherweise übernähmen die Kassen 95 Prozent der Aufenthaltskosten in einem Hospiz. Für den Rest müsse der Träger aufkommen.

Die Planung umfasst nach Pfaffeneder einen großen Flachbau, auf einem kleinen Teil aufgestockt mit einer Etage und einem Dachgeschoss. Die Bewohnerzimmer gehen alle nach Süden oder Westen. Der gesamte Pflegebereich ist im Erdgeschoss vorgesehen, dazu Küche, Ess- und Aufenthaltsbereich sowie Büros. Im ersten Obergeschoss werden zwei wie Pflegezimmer ausgestattete Gästezimmer, ein „Raum der Stille“ und eine kleine Dachterrasse eingerichtet, im Dachgeschoss ein Leichenraum einschließlich Kühlmöglichkeit. Der Referent betonte, man sei im Zeitplan. Die Einweihung werde 2019 oder 2020 erfolgen.

Es sei „ein positiver Schritt, zusammen mit den Gebietskörperschaften das Thema Hospiz anzugehen“, leitete Landrat Walch die Diskussion ein. Die letzte Phase im Leben eines Menschen müsse würdevoll gestaltet werden. Der Landkreis Traunstein erwarte, dass Zeit- und Kostenpläne strikt eingehalten werden: „Wir mögen die Kostensteigerungen überhaupt nicht.“ Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, meinte, das Hospiz entlaste die Palliativstationen. 6,2 Millionen Euro für diesen schlichten Bau ohne Grundstück seien „wirklich nicht preiswert“. Auf Frage Seissigers antwortete Pfaffeneder, das Gebäude sei später nicht erweiterbar. Zu den Kostenberechnungen erläuterte der Vorstand: „Bislang gibt es noch keine Ausschreibungen. Wir haben aber eine gute Chance, den Rahmen einzuhalten.“

Dazu Walch: „Ich bin schockiert, was da passiert.“ Die Kostenmehrungen hätten überwiegend mit dem schlechten Untergrund in Bernau zu tun. Über den Standort habe man mit dem Landkreis Rosenheim nicht streiten wollen. Leider gebe es keine Alternative.

Pfaffeneder erläuterte, die Kostensteigerungen seien vorwiegend auf „Wünsche nach technischen Einrichtungen“ zurückzuführen – wie ein „Wohlfühlzimmer“ statt einem Pflegebad oder doppelte Flügeltüren statt normaler Türen. Die Wünsche, auch für den Außenbereich, summierten sich. Auch die Abbruchkosten müsse das Kommunalunternehmen zahlen.

„Das ist untragbar. Die Schätzungen sind schlampert. Hinterher wird die Genehmigung eingeholt. Das ist entweder Taktik oder Versagen“, reagierte der Landrat verärgert. kd

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