Rosenheim/Innsbruck – Der Brenner gilt als einer der wichtigsten Alpenpässe. Er verbindet Norden und Süden, Österreich und Italien, Nordtirol und Südtirol. Schon in der Steinzeit gab es Wege, die über das 1370 Meter hoch gelegene Gebiet führten. In der Antike nutzten verschiedene Völker den Pass als Übergang nach Italien.
Seine Geschichte ist wechselhaft. Um den Brenner gab es viele Auseinandersetzungen, Kämpfe und politische Konfrontationen. Heute gilt er als eine der bedeutendsten Alpentransitrouten. Er verbindet die Stubaier Alpen im Westen mit den Zillertaler Alpen im Osten und trennt die Süd- und Nordtiroler Abschnitte des Wipptals voneinander. Oft wird er als Inbegriff der Europäischen Union bezeichnet.
Keine Frage: Er besitzt Symbolkraft und ist noch dazu ein Ort mit einer ganz besonderen Stimmung in vielerlei Hinsicht. Nicht nur deshalb, weil es vorkommen kann, dass es am 1370 Meter hohen Grenzübergang schneit, obwohl Urlauber wenige Stunden vorher noch die spätsommerlichen Sonnenstrahlen in Italien genossen haben.
Die raue Natur nimmt besonders dort oben keine Rücksicht auf den Menschen. Sagen und Legenden ranken sich um den Pass, der viele Erdenbewohner sprichwörtlich an seine Grenzen kommen ließ. Als „Schicksalspass“ wurde er erst in jüngster Vergangenheit wieder bezeichnet, als Tausende Flüchtlinge dort strandeten.
Geschichtsträchtig ist auch die Europabrücke. 1957 begann deren Bau. Es war ein Pionierprojekt – getrieben von der Vision überzeugter Ingenieure, Planer und Politiker, die EU schneller und besser zusammenwachsen zu lassen.
Am 17. November 1963 wurde die konstruierte Meisterleistung samt Autobahn für den Verkehr freigegeben. „Verbinde in Frieden und Freiheit die Völker Europas“, sagte der damalige österreichische Bundeskanzler Alfons Gorbach. Zehn Jahre lang war das knapp 150 Meter hohe Bauwerk die höchste Brücke des gesamten Kontinents.
Die Geschichte der Eisenbahn am Brenner reicht aber noch weiter zurück. Schon 1867, also fast 100 Jahre früher, war nach nur dreijähriger Bauzeit die Brennerbahn als erste Bahnstrecke über den Alpenhauptkamm eröffnet worden. Bis zu 20600 Arbeiter waren mit ihrer Herstellung beschäftigt.
Die fleißigen Männer stammten vorwiegend aus Welschtirol und Italien sowie aus Slowenien und Kroatien. Am 25. Juli durchfuhr erstmals ein Testzug die gesamte Strecke von Innsbruck nach Bozen, ehe die Verbindung zuerst für den Güterverkehr und ein paar Tage später für den Personenverkehr eröffnet wurde.
Aufgrund der Hoftrauer um den erschossenen Kaiser Maximilian von Mexiko erfolgte die Freigabe ohne Feierlichkeiten.