Brenner-Zulaufstrecke: Geoseismische Untersuchungen starteten gestern

Und dann macht es wumm

von Redaktion

Und dann macht es gewaltig wumm! Ein Hammer knallt mit 10900 Newtonmeter auf eine Eisenplatte und gibt von dort seine Schallwellen in den Boden ab. Geophone nehmen diese auf und leiten die so gewonnenen Daten in digitalisierter Form an einen Computer im Messwagen weiter. Gestern begann die seismische Untersuchung zur Zulaufstrecke im Inntal.

Flintsbach/Inntal – Startpunkt dieser seismischen Bodenuntersuchungen war bei Fischbach. „Diese Daten sind als Ergänzung zu den Informationen nötig, die wir durch die Bohrungen im Inntal gewinnen. Seit einiger Zeit wird ja bereits an verschiedenen Stellen gebohrt“, erklärt Projektleiter Manuel Gotthalmseder im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Zusammen ergeben sie ein ziemlich genaues Bild des geologischen Untergrundes zwischen Rosenheim und Kiefersfelden.“

Während aber eine Bohrung nur schlüssige Aussagen an eben dieser Stelle zulässt, können dank der Schallwellen neue und breiter gefächerte Informationen über die verschiedenen Schichten im Untergrund gewonnen werden. Kegelförmig breite sich der Schall im Boden aus und durchdringe die verschiedenen Schichten unterschiedlich schnell beziehungsweise intensiv. Von diesen Formationen werden dann die Schallwellen zurückgeworfen. Aus diesen Wellen, die von Geophonen (eine Art Aufnahmegerät) aufgefangen werden, können die Fachleute anschließend sehr detailgenau sagen, wie in diesem Kegel der Untergrund aufgebaut ist. „Wir fügen an Hand dieser Daten, die uns in digitalisierter Form vorliegen, wie ein Puzzle die Gesteinsformationen und Überlagerungen zu einem Gesamtbild zusammen“, erklärt der Geologe Robert Krämer.

Ähnlich wie bei den Bohrungen werden auch die geoseismischen Untersuchungen zwischen Langkampfen in Tirol über Kiefersfelden, Brannenburg, Oberaudorf, Raubling, Neubeuern bis nach Nußdorf durchgeführt. „So bekommen wir eine stabile Datenbasis“, sagt Krämer. Im Gegensatz zu den Bohrungen können diese Arbeiten allerdings schneller erledigt werden, weil der Versuchsaufbau auf einem Anhänger, ein sogenannter Hammerschlagwagen, montiert ist, der von einem Personenwagen problemlos zu ziehen ist.

Die erste geoseismische Untersuchungsstelle wurde gestern in Fischbach eingerichtet. Aktuell wurden dazu rund 800 Meter Kabel ausgerollt und 50 Messprofile ausgelegt. Alle vier Meter kommt der Hammer zum Einsatz, die Schallwellen werden von rund 220 Geophonen aufgefangen.

Insgesamt sollen im gemeinsamen Planungsraum rund 49 Kilometer Kabel ausgelegt werden. Die Messtrupps werden rund zwei Monate unterwegs sein, schätzt Franz Lindemair, Sprecher Großprojekte Bayern der Deutschen Bahn.

„Bisher haben wir gute Erfahrungen mit den Grundstückseigentümern gemacht“, erklärt Lindemair. Viele seien durchaus entgegenkommend. Projektleiter Gotthalmseder ergänzt: „Für unsere Messungen sind gerade Strecken ideal. Deshalb freuen wir uns, wenn Landwirte die Männer kurz für die Messung über Teilbereiche ihrer Wiesen fahren lassen.“

Grundsätzlich werden jedoch die geoseismischen und die geoelektrischen Messungen – mit diesen wird die Wassersättigung der verschiedenen Schichten geprüft – auf öffentlichem Grund durchgeführt. Das sei zwar häufig entlang von Straßen, und der dort fahrende Schwerlastverkehr verfälsche die Messung. Doch das sei so geringfügig, dass es vernachlässigt werden könne.

Etwa im Juni oder Juli sollen, so schätzt der Pressesprecher, alle Messergebnisse der Bohrungen und der Schalluntersuchungen zusammengefasst sein. Dann könnten die ersten Trassenvorschläge der Brenner-Zulaufstrecke auf den Tisch kommen.

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