Traunstein – Manuel Holliger-Braun, Daniela Wieber oder Belmira Dizarevic – das sind nur einige der Namen, die eine 33-jährige Bosnierin aus Grassau verwendet haben soll, um bei Zalando Klamotten zu bestellen – und zwar auf Rechnung. Heißt: erst die Ware, dann das Geld. Letzteres bekam der deutsche Online-Versandhändler für Schuhe und Mode mit Sitz in Berlin jedoch nie aufs Konto. So soll die Bosnierin das Unternehmen sukzessive um rund 10000 Euro geprellt haben. Deshalb muss sie sich am Donnerstag, 3. Mai, vor dem Amtsgericht Traunstein verantworten – wegen Betrugs und der Fälschung beweiserheblicher Daten sowie wegen des Versuchs.
Laut Anklage begann der Beutezug schon im September 2014. Unter dem Pseudonym Michaela Hanzelic und unter Angabe einer wohl eigens erstellten E-Mail-Adresse orderte die 33-Jährige einen Seidensticker und eine Seidenbluse im Wert von rund 113 Euro. Offenbar ohne negative Folgen, denn zwei Monate später schickte sie als Anka Hanzelic mit leicht veränderter E-Mail-Adresse gleich zwei weitere Bestellungen ab. Einmal in Höhe von 15, einmal im Wert von 160 Euro. Fast zwei Monate später wagte die Angeklagte einen weiteren Versuch – erneut mit Erfolg.
Langsam, aber sicher schien sie davon überzeugt zu sein, eine erfolgversprechende Masche aufgetan zu haben. Allein im Februar 2015 gab die „Stammkundin“ aus dem Chiemgau 16 weitere Bestellungen auf – mit ständig wechselnden Namen und E-Mail-Adressen. Die Waren lieferte der Paketdienst DHL in einigen Fällen an ihre tatsächliche Adresse – in diesen Fällen nahmen die Bestellungen entweder die Angeklagte selbst oder Nachbarinnen entgegen. Mitunter gab die 33-Jährige auch minimal abweichende Adressen an, beispielsweise eine veränderte Hausnummer, und nahm die Pakete direkt vom Zusteller entgegen.
Fleißig bestellen, aber nicht bezahlen – wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, verfuhr sie auch in den folgenden Monaten nach diesem Modus. Bis zum 2. Juli 2016, dem Tag der letzten Order, sollen so 65 Bestellungen zusammengekommen sein. In einem weiteren Fall retournierte die Angeklagte die Ware nachträglich, 15 Bestellungen stornierte Zalando selbst, bevor die Ware verschickt wurde. Der Gesamtschaden laut Anklage: 9466,44 Euro.
Warum die Frau so lange mit ihrer Masche durchkam, wollten die OVB-Heimatzeitungen von Zalando wissen. Auf Nachfrage bat das Unternehmen um Verständnis, dass man sich zu konkreten Betrugsfällen aus Sicherheitsgründen nicht äußern möchte. Grundsätzlich sei der Kauf auf Rechnung aber die mit Abstand beliebteste Zahlungsart in Deutschland. „Die Entscheidung über die Freigabe der Zahlarten erfolgt mit Hilfe einer speziellen und maschinell durchgeführten Prüfmethode“, heißt es in einem Schreiben von Zalando.
Entscheidende Faktoren, die gegen die Freigabe eines Rechnungskaufs sprechen, seien abweichende Rechnungs- und Lieferanschriften, offene Forderungen oder eine nicht auffindbare Kombination aus Name und Adresse. Das Unternehmen weiter: „Wir investieren viel Zeit und Know-how, um Muster professionellen Betrugs, die sich stetig ändern, noch frühzeitiger zu erkennen.“ Im Fall der 33-Jährigen offenbar nicht frühzeitig genug.