91 Sprengungen am Wendelstein

von Redaktion

Lawinenkommissionen ziehen Bilanz – Drei Tote in den bayerischen Alpen im vergangenen Winter

Rosenheim – Einmal im Jahr treffen sich Vertreter der drei Lawinenkommissionen des Landkreises Rosenheim, um eine Bilanz des vergangenen Winters zu ziehen. Das Wissen und die Erfahrung der Ehrenamtlichen waren auch in der vergangenen Saison immer wieder gefordert. Mehrfach empfahlen die Kommissionen, den Skibetrieb einzustellen. Hans Konetschny, der Leiter des Lawinenwarndienstes Bayern, bilanzierte einen langen Winter im bayerischen Alpenraum mit insgesamt drei Lawinentoten.

Landrat Wolfgang Berthaler lobte die Mitglieder der Lawinenkommissionen für ihr bürgerliches Engagement: „Ihr setzt Euch für Mitmenschen ein, zum Teil unter erheblichen Gefahren.“ Der Landrat bedankte sich zudem bei Polizei, Bergwacht und Bergbahnbetreibern, „die alle ihren Beitrag zur Sicherheit leisten.“ Der lange Winter machte sich laut Berthaler auch auf den Kreisstraßen bemerkbar, denn der Verbrauch von Salz und Sole sei um zehn Prozent angestiegen. Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber bedankte sich im Namen der Gemeinden bei den Kommissionsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Auf der Kampenwand fiel Anfang November der erste Schnee. Im Laufe des Winters wechselten sich starke Schneefälle mit Regen bis in 2000 Meter Höhe ab. Zudem gab es immer wieder starken Wind. Zeitweise herrschte auf der Kampenwand Lawinenwarnstufe 4. Die Lawinenkommission Aschau sprengte an drei Tagen und verbrauchte dabei 72,5 Kilogramm Sprengstoff. Für die Skifahrer war es trotzdem ein guter Winter, denn es gab so viele Skitage wie lange nicht mehr.

Der Winter am Wendelstein war aus Sicht der Lawinenkommission Brannenburg normal. An der Messstelle am Soin wurde eine maximale Schneehöhe von 2,60 Meter gemessen. Am Tag vor Heiligabend wurde der Skibetrieb eröffnet. Auf der Ostabfahrt gab es 58 Skitage, an der Westabfahrt nur vier. Wegen Lawinengefahr musste die Ostabfahrt mehrfach gesperrt werden. Die erste Sperrung wurde von einem Mitglied der Lawinenkommission verursacht. Während einer Testfahrt am 28. Dezember löste es an der unteren Einfahrt im Gschwandt ein Schneebrett aus. Der Neuschnee auf der tags zuvor präparierten Piste war ins Rutschen geraten. Im Zeitraum von Ende November bis Anfang April wurden für 91 Schneefeld-Sprengungen 455 Kilogramm Sprengstoff und 182 Sprengkapseln verbraucht.

Im Zuständigkeitsbereich der Lawinenkommission Oberaudorf/Kiefersfelden – er umfasst Brünnstein, Trainsjoch, Traithen und Wildalpjoch – brachte der vergangene Winter überdurchschnittliche Schneeverhältnisse. Vor allem in der zweiten Januarhälfte sorgten ergiebige Schneefälle und starker Wind für extreme Schneeverfrachtungen. Der Skibetrieb musste mehrere Tage eingestellt werden. Um die Straße Waldkopf-Grafenherberg offen halten zu können, musste die oberhalb liegende Schneedecke abgesprengt werden. Am 21. Januar wurde außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Lawinenkommission unterhalb der Brünnsteinschanze eine Person durch eine Lawine verschüttet. Der Mann wurde mit Hilfe eines Piepsers geortet und gerettet.

Ebenfalls am 21. Januar starb eine Person durch einen Lawinenabgang am Geigelstein. Es war der dritte und letzte Lawinentote in diesem Winter. Die anderen beiden Lawinentoten waren bereits im November bei zwei Unfällen in den Berchtesgadener Alpen zu beklagen. „Drei Lawinentote liegen über dem bayerischen Durchschnitt“, sagte Hans Konetschny bei der Tagung.re

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