Maikundgebung des DGB in Rosenheim

„Festtag der Demokratie“

von Redaktion

Bundesweit gingen die Gewerkschaften am 1. Mai auf die Straße. Auch in Rosenheim machten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften mobil. Am Vormittag zog der Demonstrationszug, angeführt von den „Edelweißpiraten“ auf ihren Motorrädern, zur Hauptkundgebung im Stadtzentrum.

Rosenheim – Bereits um 9 Uhr früh sammelten sich rund 100 Gewerkschafter in der Münchener Straße. Von dort ging es mit Bannern, Flaggen und Trillerpfeifen quer durch die Innenstadt.

Für etwas Verwirrung bei den Schaulustigen am Straßenrand sorgte eine vom Motorradclub „Edelweißpiraten“ mitgeführte Fahne. Darauf abgebildet war ein Hakenkreuz, das in einen Mülleimer geworfen wird. Die „Edelweißpiraten“ wollten damit eine Botschaft gegen alle rechtspolitischen Strömungen senden. Die dafür eingesetzte Symbolik wurde aber von vielen Teilnehmern der Kundgebung als unglücklich gewählt betrachtet.

Am Salzstadel legte der Zug eine kurze Zwischenstation ein. Christian Nass, stellvertretender Geschäftsführer der IG-Metall-Verwaltungsstelle Rosenheim, nahm Stellung zu aktuellen tariflichen Themen.

Die Hauptkundgebung fand zum ersten Mal in der Münchener Straße statt. Popcorn, Imbisswagen, Auftritte von Liedermacher Martin Piper und ein Kinderprogramm mit Clown und Entenangeln sorgten für gemütliche Feiertagsatmosphäre. Auch Landrat Wolfgang Berthaler und Rosenheims Oberbürgermeisterin waren dabei. Für Gabriele Bauer war es die letzte DGB-Maifeier, bei der sie ein Grußwort als Stadtchefin sprach.

„Demokratie nicht denkbar ohne starke Gewerkschaften“

Den 1. Mai würdigte sie als „Festtag der Demokratie“. Er erinnere daran, dass die Teilhabe an politischen und gesellschaftlichen Prozessen für breite Schichten der Bevölkerung erst mühsam erkämpft werden musste. „Demokratie und Soziale Marktwirtschaft sind ohne starke, verantwortungsvolle Gewerkschaften nicht denkbar“, betonte Bauer.

Mit einem Appell an die Besucher beendete sie ihre Rede: „Achten wir sorgsam darauf, auch in rauer werdenden Zeiten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Bürgersinn der Menschen in Rosenheim zu bewahren.“ Was über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde, dürfe man sich weder von rechten noch von linken Scharfmachern kaputt machen lassen.

DGB-Regionsgeschäftsführer Günther Zellner stellte seinen Vortrag unter das Motto „Vielfalt – Solidarität – Gerechtigkeit“. „Wir gehören zusammen“, betonte er. Von der Regierung forderte er mehr Verteilungsgerechtigkeit. Was Arbeit schafft, sei nicht immer sozial. In Stadt und Landkreis seien laut einer aktuellen Erhebung über 3800 Menschen in Leiharbeit tätig, über 36000 Menschen seien geringfügig Beschäftigte.

Für Zellner steht fest: „Die Leiharbeit muss abgeschafft werden.“ Vom Freistaat Bayern forderte er die Einführung eines Tariftreue- und Weiterbildungsgesetzes.

Nachdem Andreas Salomon von der GEW Oberbayern in seinem Kurzreferat an die Novemberrevolution vor 100 Jahren erinnerte, betrachtete die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl „100 Jahre Frauenwahlrecht“ aus heutiger Sicht. „Dieses Recht fiel nicht vom Himmel. Dafür musste hart gekämpft werden“, sagte sie.

Die Gleichberechtigung sei der erste Schritt gewesen. Mit der Gleichstellung habe man dann die Rechte vom Papier in den Alltag gebracht. Vom dritten Schritt dieser Entwicklung, der Parität, sei man aber nach wie vor noch weit weg.

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