Zuständig für 11000 Hektar

von Redaktion

Magdalena Häusler ist die einzige Revierförsterin in der Forstverwaltung Rosenheim

Rosenheim – Magdalena Häusler kann gleich zwei Rekorde brechen. Mit 27 Jahren ist sie nicht nur die jüngste Revierförsterin im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim, sondern auch die einzige Frau bei der Forstverwaltung in der Innstadt. Mit Charme und Fachwissen überzeugt sie in dieser noch immer von Männern dominierten Berufssparte und hat nebenbei noch ihr privates Glück gefunden.

„Er ist nur wenige Millimeter groß und einer der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft“, erklärt Magdalena Häusler und schlängelt sich mit einem Dienstfahrzeug die Tatzelwurmstraße bei Oberaudorf hoch. Ihr Ziel: eine Pheromonfalle in ihrem Forstrevier Nußdorf am Inn, die Teil eines landesweiten Borkenkäfer-Monitorings ist. „Über 100 Fallenstandorte gibt es bayernweit, zwei davon im Landkreis Rosenheim“, erzählt die Fachfrau, leert den Inhalt der Falle in einen Messbehälter und dokumentiert die Wochenfänge in einem Schwärmdiagramm.

Offenes Ohr für

die Waldbesitzer

Spezialisten an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising werten die von allen Forstrevieren angesammelten Daten aus und geben unter Berücksichtigung weiterer Faktoren frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Massenvermehrung. „So können wir gemeinsam mit den Waldbesitzern vorbeugende Maßnahmen und gezielte Bekämpfungsstrategien erarbeiten“, erläutert die Forstingenieurin, die stets ein offenes Ohr für die Belange und Sorgen der 2000 Waldbesitzer in ihrem rund 11000 Hektar großen Forstrevier hat.

„Ein Forstrevier mit einem großen Anteil an Bergwald war schon immer mein Traum“, schwärmt die in Bad Wiessee Geborene, deren Naturverbundenheit bereits von Kindheit an ausgeprägt ist. Gemeinsam mit ihren Eltern und der zwei Jahre jüngeren Schwester war sie immer in den Bergen unterwegs oder half den Großeltern auf deren Bauernhof in Agatharied. „Mein Opa hat einen kleinen Wald, und wenn er mit seinen Kaltblütern zum Holzrücken gegangen ist, war ich oft dabei“, erinnert sich die begeisterte Reiterin.

Nach dem Abitur entschied sie sich 2010 für das Studium des Forstingenieurwesens an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Dort lernte sie auch ihren Ehemann Sebastian kennen, ein Forstunternehmer. Im Jahr 2014 ging Häusler für ein Jahr auf die Forstschule nach Lohr am Main und absolvierte als Forstanwärterin einen Vorbereitungsdienst mit anschließender Qualifikationsprüfung für den gehobenen Dienst. „Von den 60 Anwärtern waren 15 weibliche Absolventinnen“, erinnert sie sich. Bis zur Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse ist es üblich, dass die Absolventen in einem AELF oder bei den Bayerischen Staatsforsten ins Berufsleben hineinschnuppern, und so kam sie im Oktober 2015 als Reviervertretung nach Rosenheim.

„Da wurde ich sofort ins kalte Wasser geschmissen“ erinnert sich Häusler, aber dank ihrer charmanten Art und ihres fundierten Fachwissens zollte man ihr vonseiten der Waldbesitzer sehr schnell den nötigen Respekt. Auch das harmonische Miteinander und die Unterstützung der Kollegen im AELF taten gut. Als bekannt wurde, dass sie die zweitbeste Prüfung abgelegt hatte, klopften ihr alle anerkennend auf die Schulter. Damit war auch sicher, dass sie beim AELF bleiben darf. Engagiert stürzte sie sich auf ihr vielseitiges Aufgabenfeld. Fachliche Vorträge bei Versammlungen der Waldbesitzervereinigung Rosenheim (WBV), bei Jagdgenossenschaften oder Bürgerversammlungen gehören ebenso dazu wie die Information über Fördergelder zu verschiedenen forstwirtschaftlichen Bereichen oder Führungen. Die rund 100 Beratungstermine vor Ort verbindet Häusler mit einer Kontrollfahrt durch ihr Revier.

Reine Frauenpower herrscht bei den regelmäßigen Treffen mit rund 30 Waldbesitzerinnen in ihrem Revier. 2017 hatte ihr Vorgesetzter Manfred Maier die Idee, solch ein Netzwerk aufzubauen. Die zwischen 25 und 65 Jahre alten Waldbesitzerinnen sind begeistert. „Seit 1. Januar bin ich offiziell Revierleiterin“, strahlt die blonde junge Frau. Jetzt wollen sie und ihr Mann einen Jagdhund. Die Chancen stehen gut. Ab Herbst begleitet vielleicht ein Bracken-Schweißhund-Mischling täglich die engagierte Revierförsterin.

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