Bauarbeiten an Oberleitung zwischen München und Rosenheim

Droht das große Bahn-Chaos?

von Redaktion

Neue Fahrpläne bei Meridian und Deutscher Bahn – Ausfälle und Schienenersatzverkehr in den nächsten Monaten

Rosenheim – Es ist das größte Infrastruktur-Modernisierungsprogramm der Bahngeschichte: 9,3 Milliarden Euro fließen heuer deutschlandweit in Schienennetz und Bahnhöfe, mehr als eine Milliarde bayernweit. Ab Mittwoch, 16. Mai, ist davon nun auch die Region betroffen. Dann beginnen die Baumaßnahmen auf der Strecke München-Rosenheim. Mit teilweise erheblichen Konsequenzen für die Fahrgäste des Meridian und des Fernverkehrs.

Viele Reisende fragen sich: Muss das sein? Ja, heißt es vonseiten der Bahn. „Wir wollen die Strecke leistungsfähig halten“, erklärt ein Bahnsprecher auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Irgendwann müssen wir mal ins Netz rein.“ Die rund 7,9 Millionen teuren Baumaßnahmen, zu großen Teilen getragen vom Bund, seien unausweichlich – die Oberleitungen, die nun zwischen Mitte Mai und 5. August komplett ersetzt werden, stammen aus den 1930er-Jahren. „Die Strecken München-Salzburg und München-Kufstein sind mit die ältesten elektrifizierten Strecken Deutschlands“, erklärt der Bahnsprecher. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Fundamente für neue Masten gesetzt – bislang ausschließlich in den verkehrsarmen Nachtstunden. Nun werden 350 neue Masten mit Auslegern sowie knapp 30 Kilometer neues Tragseil und neuer Fahrdraht installiert – tagsüber. „Aus Sicherheitsgründen und wegen der Zeitersparnis“, sagt der Sprecher.

Im genannten Zeitraum steht sowohl dem Meridian als auch den Fernzügen statt wie bisher zwei nur ein Gleis zur Verfügung. Entsprechend ergeben sich auf den Strecken München-Salzburg und München-Kufstein Änderungen im Ablauf, die sich in Fahrplanänderungen und auch Zugausfällen niederschlagen (siehe Kästen). Besonders hart trifft es die Fahrgäste auf dem Abschnitt zwischen Grafing und Rosenheim im Zeitraum vom 14. bis zum 30 Mai. Wegen einer weiteren Baumaßnahme der Bahn kommt es zu einer Totalsperre – die Reisenden erwarten Schienersatzverkehr und deutlich längere Fahrzeiten.

„Vielleicht hätte es idealeren Zeitpunkt gegeben “

Ausbaden müssen den wohl unausweichlichen Unmut ihrer Kunden die Verantwortlichen beim Meridian – obwohl sie als Pächter der Trasse im Prinzip nicht für die Modernisierungsmaßnahmen verantwortlich sind. „Wir haben Verständnis für die Bauarbeiten, aber mit erhobenem Zeigefinger“, sagt Sprecher Christopher Raabe. Diese seien nötig und man begrüße sie sogar mit Blick auf eine geringere Störungsanfälligkeit. „Es hätte aber vielleicht einen idealeren Zeitpunkt gegeben.“

Dennoch habe man sich bemüht, eine bessere Lösung zu finden, als bei vergangenen Baumaßnahmen. Bereits seit dem vergangenen Jahr seien Gespräche mit der Bahn geführt worden, um eine „idealere Lösung“ herbeizuführen. „In dem neuen Fahrplan stecken sehr, sehr viele Wochenstunden drin“, sagt Raabe. Und mit dem ist es noch nicht getan. Nach Ende der Arbeiten am 5. August wird es voraussichtlich einen erneuten Fahrplanwechsel geben, im Dezember dann turnusgemäß den dritten für 2018.

Auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hält die Arbeiten für notwendig, teilt Dr. Agnieszka Urban, Stellvertretende Pressesprecherin des Aufgabenträgers für den Schienenpersonennahverkehr in Bayern, auf Nachfrage mit. Dennoch: „Wir hätten uns ein fahrgastfreundlicheres Bauverfahren gewünscht, bei dem zu den Hauptverkehrszeiten beide Gleise zur Verfügung stehen und der Schwerpunkt der Bauarbeiten in den Nachtstunden beziehungsweise an den Wochenenden liegt, auch wenn die Baumaßnahme dadurch etwas länger gedauert hätte“, heißt es in dem Antwortschreiben. Nun werde man die Betriebsabläufe sowie die Betriebsqualität während der Baumaßnahme intensiv überprüfen und die Bayerische Oberlandbahn als Betreiber des Meridian beziehungsweise die DB Netz AG als Bauträger bei Bedarf zu kurzfristigen Verbesserungen auffordern.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ sieht die Baumaßnahmen mit gemischten Gefühlen. Einerseits, so Wolfgang Günther von der Stadt- und Kreisgruppe Rosenheim, sei man froh, „dass bei uns was getan wird“. Angesichts der in die Jahre gekommenen Infrastruktur müsse etwas passieren. Und auch mit der Übergangslösung, auf die sich die Beteiligten verständigt haben, kann Günther leben – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur ursprünglichen Idee: „Es war geplant, die Strecke komplett zu sperren und den größten Teil des Verkehrs über das Mangfalltal zu leiten.“ Dagegen hätten sich aber Fahrgastverband, Meridian und Landtagsabgeordnete aus der Region eingesetzt. „Jetzt haben wir immerhin einen Stundentakt und dazu kaum Schienenersatzverkehr“, freut sich Günther. Und nur ein Teil der Personen- und Güterzüge weichen auf die Manfalltal-Strecke aus. Dennoch befürchtet er mittelfristig negative Auswirkungen: „Viele werden aufs Auto umsteigen, einige nicht mehr zurückkommen. Das ist bedauerlich.“

Änderungenim Fernverkehr

Die Railjet-Züge zwischen München Hbf, Salzburg und Wien werden teils über Holzkirchen umgeleitet und fahren ab München bis zu 25 Minuten früher ab als üblich. In der Gegenrichtung kommen sie bis zu 30 Minuten später an. Einzelne Railjet-Fahrten fallen aus. Auf der EC-Linie München-Salzburg-Klagenfurt starten die Züge bis zu 20 Minuten früher in München und kommen in der Gegenrichtung bis zu 30 Minuten später an. Auf der EC-Linie München-Kufstein-Innsbruck fahren die Züge bis zu 45 Minuten früher in München ab und kommen in der Gegenrichtung bis zu zehn Minuten später an. Einzelne Züge fallen aus. Weitere Informationen gibt es unter www.bahn.de oder über andere digitale Auskunftssysteme der Deutschen Bahn.

Änderungenim Nahverkehr

Der Meridian hat einen neuen Fahrplan ausgegeben. Dieser gilt zwischen 16. Mai und 5. August und ist auf der Homepage des Unternehmens unter www.meridian-bob-brb.de abrufbar. Zudem sind die jeweiligen Baumaßnahmen in der mobilen App „Meridian BOB BRB - Info & Tickets“ hinterlegt. Zwischen 14. und 30. Mai kommt es auf der Strecke München-Kufstein zwischen Grafing und Rosenheim zu Schienenersatzverkehr, Reisende müssen sich in diesem Zeitraum auf längere Fahrtzeiten und verkehrsbedingt vereinzelt auf Verzögerungen einstellen. Für Fahrgäste aus Großkarolinenfeld bietet es sich aus Gründen der Zeitersparnis an, in Rosenheim einen schnellen, direkten Zug nach München-Ost zu nehmen. Vereinzelt fallen Linien komplett aus.

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