Dekanate feiern 50 Jahre Laiengremien

Für lebendige Pfarrgemeinden

von Redaktion

Jeder Gläubige sei Kraft Taufe und Firmung vom Herrn selbst berufen, hieß es im Zweiten Vatikanischen Konzil. Dieser Satz öffnete die Tür für die Gründung von Pfarrgemeinderäten. Ihr 50-jähriges Bestehen feiern die fünf Dekanate im Landkreis am Pfingstmontag in Rosenheim. Eingeladen sind alle Pfarrgemeinderäte – aktive und ehemalige.

Rosenheim – „Je stärker der Pfarrgemeinderat, desto lebendiger die Pfarrgemeinde“, weiß Fritz Seipel, kürzlich verabschiedeter Vorsitzender des Dekanatsrats Chiemsee. In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Pfarrgemeinderäte zu wichtigen Brücken zwischen Kirchengemeinde und Pfarrer entwickelt, sind sich die Dekane Daniel Reichel und Helmut Kraus mit den Vorsitzenden der fünf Dekanatsräte für Rosenheim, Chiemsee, Inntal, Wasserburg und Bad Aibling sowie dem Vorsitzenden des Kreiskatholikenrats, Sebastian Kleinschwärzer, einig.

Pfingstmontag Feier für alle Räte

„Wir sind nicht in erster Linie dazu da, Pfarrfeste zu organisieren“, sagt der Vorsitzende des Dekanatsrats Inntal, Alfred Hilscher. Feste und Feiern gehörten dazu – natürlich. Aber in erster Linie gehe es darum, den Alltag in der Pfarrgemeinde mitzugestalten und sich hier aktiv einzubringen – als Sprachrohr der Gläubigen. „Volkes Stimme zu den Hauptamtlichen bringen“, nennt dies Paul Deutschenbaur, Rosenheimer Dekanatsratsvorsitzender.

Domkapitular Dekan Daniel Reichel, zuständig für die Dekanate Rosenheim und Chiemsee, ergänzt: „Wir Pfarrer profitieren sehr von den Pfarrgemeinderäten. Sie sind ein wertvolles Netzwerk.“ Kirchliche Entscheidungen beispielsweise – etwa eine Änderung der Gottesdienstordnung oder eine Neuausgestaltung eines kirchlichen Feiertages – finden nach Reichels Erfahrungen eine viel höhere Akzeptanz, wenn sie vom Pfarrgemeinderat beschlossen, vertreten und bei Bedarf auch erklärt werden.

Neue Wege gehen: Das funktioniert auch nach Überzeugung von Rosemarie Stübl, Vorsitzende der Dekanatsräte Wasserburg, nur, wenn die Pfarrgemeinde mitgenommen wird. Diese Aufgabe übernimmt oft der Pfarrgemeinderat, dessen Mitglieder nah am Bürger sind. Das können Pfarrer, heute oft mehr Kirchenmanager als Seelsorger, in den großen Pfarrverbänden häufig nicht mehr so intensiv sein wie früher.

Pfarrgemeinderäte als Seismografen

Doch manchmal gilt es auch, einen Pfarrer von neuen Wegen zu überzeugen, berichtet Stübl. „Mutig sein“ müssten Pfarrgemeinderäte deshalb, sich trauen, ein Anliegen auch gegen Widerstände zu vertreten. Und viel Praxisarbeit leisten. „Tun“ bringt sie diese Basisarbeit kurz und knapp auf den Punkt.

Was zu tun ist, weiß der Pfarrgemeinderat als Seismograf, der die Stimmung vor Ort aufsaugt und wiedergibt, besonders gut, ergänzt Helmut Kraus, Dekan für das Inntal. Die Mitglieder prägen das Leben in den kirchlichen Gruppierungen, in der sozialen, kulturellen, seelsorgerischen und der Jugend- oder Seniorenarbeit – und spiegeln auf diese Weise die ganze Breite des Katholizismus wider, findet Anton Daxenbichler, Dekanatsratsvorsitzender für Bad Aibling.

Vor 50 Jahren, als die ersten Pfarrgemeinderäte ihre Arbeit aufnahmen, begegneten viele Priester diesem demokratisch gewählten Laiengremium eher skeptisch, erinnert sich Kraus. Sein Vater gehörte in jener Pionierzeit zu den ersten Pfarrgemeinderäten. Als ihn in dieser Funktion einmal der Bischof daheim besuchte, stand die Familie Kopf: Sich einfach mit dem Bischof an einen Tisch setzen? Das erschien damals noch ungewöhnlich. Ende der 60er-Jahre war es auch nach Angaben von Diakon Andreas Demmel vom Dekanat Wasserburg ungewöhnlich, dass der Pfarrer nicht mehr allein das kirchliche Leben prägte, sondern Tätigkeiten an Ehrenamtliche abgab und sie bei Entscheidungen mitwirken ließ: „Die ersten Pfarrgemeinderäte haben sich was erkämpfen müssen.“

Sich auf Augenhöhe begegnen

Auch heute gibt es noch einige wenige Pfarrer, die Probleme haben, die Räte zu akzeptieren, heißt es. Doch Pfarrgemeinderäte sind beratende Gremien, was sie dürfen und können, regeln Satzungen und Geschäftsordnungen genau, erläutert Hilscher. Klappt eine Einigung mit dem Pfarrer einmal nicht, kann auch die Schiedsstelle des Diözesanrates angerufen werden.

Sich auf Augenhöhe zu begegnen, wie es in der Regel im Pfarrgemeinderat geschieht, wenn Haupt- und Ehrenamtliche, gewählte, berufene und amtliche Mitglieder an einem Tisch sitzen, war vor 50 Jahren ganz neu. „Es war eine spannende Anfangszeit“, erinnert sich auch Hilscher. Drei Perioden lang saß er im Pfarrgemeinderat, die Möglichkeit, mitzugestalten, hat ihn sogar beruflich geprägt: Er wurde Diakon.

Heute springt dieser Funke nicht mehr so leicht über wie früher. Es wird immer schwieriger, Gläubige für eine Mitarbeit zu motivieren. Die Bereitschaft, sich verbindlich für vier Jahre einbinden zu lassen, lässt nach, bedauert Kraus.

Deshalb gelingt es auch nicht immer, Pfarrgemeinderäte zu bilden. Dabei lohnt sich eine Mitarbeit, findet Deutschenbaur. Denn die Diözese gebe sich viel Mühe, die Räte zu stärken – unter anderem auch durch Bildungsangebote.

Wer einmal Pfarrgemeinderat war, ist für viele Herausforderungen des Lebens gewappnet, lernt, sich gut zu vernetzen, zu organisieren, im Team zu arbeiten, berichten die Dekanatsratsvorsitzenden.

Ehemalige und Aktive eingeladen zum Mitfeiern

Die fünf Dekanate im Landkreis Rosenheim feiern am Pfingstmontag, 21. Mai, in Christkönig in Rosenheim „50 Jahre Pfarrgemeinderäte“ – mit einem Gottesdienst um 10.30 Uhr mit Weihbischof Wolfgang Bischof und einem Fest rund um die Kirche, zu dem alle Pfarrgemeinderäte eingeladen sind – ehemalige ebenso wie aktuell gewählte. 101 Pfarreien laden ihre Pfarrgemeinderäte zum Empfang ein. Anmeldungen zur Teilnahme nehmen die Pfarreien vor Ort entgegen.

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