Rosenheim – „Unsere Wärme ist katholisch“, erklärte Hans Bürger-Schuster vom Moierhof in Vogtareuth den Teilnehmern einer Betriebsbesichtigung mit einem Ausgenzwinkern. Seinen Milchkuhbetrieb mit Ferienwohnungen heizt er seit dem Jahr 2009 mit einer 100 KW Biogasanlage. Und nicht nur den: Auch die Liegenschaften der Pfarrei St. Emmeram in Vogtareuth sind inzwischen an die Anlage vom Moierhof angeschlossen.
Die Kirchengemeinde suchte im Zuge der Sanierungen von Pfarrkirche, Pfarrhof und Pfarrstadl ein nachhaltiges Wärmekonzept – der Grundstein für ein Nahwärmenetz in Vogtareuth. Als erstes Gebäude profitierte ab Weihnachten 2009 die Pfarrkirche St. Emmeram von der Wärme der Biogasanlage. In den folgenden drei Jahren kamen sukzessive alle kirchlichen Liegenschaften und sieben weitere private Gebäude dazu. 1200 Meter Nahwärmenetz mittlerweile lang.
Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass die Biogasanlage um ein größeres Blockheizkraftwerk erweitert wurde. Allein bis März hat die Anlage heuer für Einsparungen von 214 Tonnen CO2 oder 78300 Liter Heizöl gesorgt. „Das ist nur ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Denken für alle nur Vorteile bringt“, sagt Bürger-Schuster. Die Pfarrgemeinde habe dadurch ein kompaktes Wärmekonzept ohne fossile Energieträger und hohe Wartungskosten, die Biogasanlage ein schlüssiges Konzept ohne Wärmeverluste.
„Biogasanlagen tragen zur wirtschaftlichen Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe bei“, betonte CSU-Stadtrat und Landtagskandidat Daniel Artmann beim Besuch des CSU-Ortsverbandes Rosenheim-Stadt im Virtuellen Kraftwerk der Stadtwerke Rosenheim und der Biogasanlage in Vogtareuth. „Sie sind klimaschonend und ermöglichen eine sichere regenerative Energieversorgung.“ Deshalb sei es gut, dass die Stadtwerke ihre energetische Leistung mit einem virtuellen Kraftwerk bestmöglich vermarkten. Im Gegensatz zu Ökostrom-Technologien erzeugen Biogasanlagen bedarfsgerecht Strom. „Leider erfahren sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig Wertschätzung“, so Artmann. „Dabei eignen sich gerade Biogasanlagen dafür, gemeinsam mit Netzbetreibern die Spannung im Stromnetz zu sichern.“ Auch wenn keine Sonne scheint oder der Wind ausbleibt.
Der nächste Schritt in eine energieautarke Zukunft begann 2014 mit den Stadtwerken Rosenheim und deren Direktvermarktungs-Modell – Strom aus der Region für die Region. Zunächst wurde die Moierhof-Biogasanlage 2015 ins Virtuelle Kraftwerk der Stadtwerke Rosenheim zur Stromvermarktung integriert. Zwei Jahre später wurde ein weiteres Spitzenlast-BHKW eingebaut und die strombedarfsgerechte Steuerung durch die Stadtwerke Rosenheim installiert. Innerhalb von neun Jahren sei so aus einer kleinen Biogasanlage ein Baustein in einem virtuellen vernetzten Konzept der regionalen Energiewende geworden, sagte Artmann. „Besser kann man auf lokaler Ebene die Energiewende kaum flankieren.“
Sebastian Ranner, Bereichsleiter Technische Dienste und Energiemarkt bei den Stadtwerken, prophezeite eine künftig kleinteiligere und dezentralere Versorgung. An die Stelle großer Kohle- und Atomkraftwerke würden kleine Blockheizkraftwerke, Gasmotoren und Erneuerbare-Energien-Anlagen treten. Das virtuelle Kraftwerk der Stadtwerke bündle solche Anlagen, um deren Leistung optimal zu vermarkten. „Ihre Leistung lässt sich binnen kürzester Zeit an den Bedarf anpassen“, so Ranner. Damit seien sie bestens geeignet, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu stärken.
Christian Bürger, Agrardirektor der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee, befasste sich als Mitbegründer der Biogasgruppe Rosenheim von Anfang an mit der Nutzung der erneuerbaren Energien. 90 Prozent der Betreiber im Kreis Rosenheim seien Milchviehbetriebe. „Diese kleinen Biogasanlagen tragen zur Stabilisierung der landwirtschaftlichen Betriebe bei“, erklärte Bürger in der Diskussionsrunde mit Vertretern der Stadtwerke, Biogasanlagenbetreibern, Bankenvertretern und Kunden: „Durch diese Einkommenssituation können Preisschwankungen an den volatilen Agrarmärkten abgemildert werden.“