Betreuung von Kindern unter drei Jahren

In acht Jahren 120 Prozent Steigerung

von Redaktion

Die Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren hat im Landkreis Rosenheim in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das geht aus dem Teilplan Jugendhilfeplanung hervor, den der Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis nahm.

Rosenheim – Sozialplaner Jürgen Laupheimer und Sabine Stelzmann von der Kommunalen Jugendhilfe des Landratsamtes warteten zu Beginn ihres Berichts mit Zahlen auf, die den Trend eindrucksvoll verdeutlichten. Zum 1. Januar 2017 wurden im Landkreis 1583 Kinder, die jünger als drei Jahre waren, in Kindertageseinrichtungen betreut. Am 1. Januar 2009 lag deren Zahl noch bei 722. Eine Steigerung von knapp 120 Prozent innerhalb von acht Jahren. Etwas anders sieht die Entwicklung bei der Kindertagespflege für unter Dreijährige aus. 2017 wurden 163 Kinder registriert, die ein solches Angebot nutzten, 2009 waren es 144. Hier beträgt die Steigerung nur 13,2 Prozent, wie die Verwaltung den Kreistag unterrichtete.

Papier soll

Impulse geben

Im Jahr 2016 wurden 24 Prozent aller Kinder im Alter unter drei Jahren, die im Landkreis leben, in einer Tageseinrichtung oder von einer Tagesmutter betreut. Im Jahr 2009 lag dieser Anteil noch bei 13,6 Prozent. Weil der Bedarf so groß ist, hat sich die Verwaltung Gedanken über den „quantitativen und qualitativen Ausbau“ der Betreuung für unter Dreijährige gemacht. Für das Papier, das als Orientierungshilfe zur Ausgestaltung der Kindertagesbetreuung im Krippenbereich verstanden wird, erhielten Laupheimer und Stelzmann weit überwiegend viel Lob vom Kreistag.

„Wir brauchen Kinderkrippen. Und wenn wir sie schon brauchen, dann soll dort möglichst gute Arbeit geleistet werden. Deshalb haben wir diesen Plan geschrieben“, sagte Stelzmann vor dem Gremium. Jürgen Laupheimer ergänzte: „Damit können wir Impulse setzen. Natürlich können wir nicht jedes Detail mit jeder Einrichtung erörtern.“ Im engen und steten Austausch mit den Einrichtungen zu stehen, das sei für sie allerdings eine Selbstverständlichkeit, betonten beide unisono. Johannes Fischer, der Leiter des Jugendamtes, sprach von einer „fachlichen Orientierungshilfe“, die das Amt den Kommunen mit dem Papier an die Hand geben möchte. Sein Ziel: „Wir sollten möglichst alle an einem Strang ziehen.“

CSU-Fraktionssprecher Felix Schwaller zeigte sich sehr zufrieden mit dem Papier, wenngleich die Bedarfsplanung für solche Einrichtungen „sehr abstrakt“ sei. Schwaller hat keine Probleme, wenn grundsätzlich immer mehr Qualität bei der Kinderbetreuung gefordert werde. Dennoch fand er auch warnende Worte. „Überziehen wir nicht. Sorgen wir dafür, dass die Kinder noch Kinder sein können.“ August Voit (CSU), Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, hatte bereits bei der Vorbesprechung im Kreistag kritisiert, dass die Standards bei der Betreuung immer höher geschraubt werden.

Sepp Lausch (Bayernpartei) war vor allem wichtig, dass Eltern weiterhin die uneingeschränkte Wahlmöglichkeit bleibt, ob sie ihr Kind zu Hause großziehen oder eine Betreuungseinrichtung nutzen. Fraktionssprecher Dieter Kannengießer von den Parteiunabhängigen bereitet die rasante Steigerung binnen kurzer Zeit von Kindern unter drei Jahren, die eine Betreuungseinrichtung besuchen, durchaus Sorge. „Wenn wir dieses Angebot noch attraktiver machen, werden unsere Personalnöte noch größer“, zielte er auf den bereits jetzt vorhandenen Fachkräftemangel ab. Eine Sorge, die Landrat Wolfgang Berthaler durchaus teilt. „Es werden Zeiten kommen, wo Fachkräfte noch rarer werden.“

Stellvertretende Landrätin Andrea Rosner (Bündnis 90/Die Grünen) hob die Notwendigkeit hervor, unter Dreijährige gut zu betreuen. Dies sei ein „sehr sensibler Bereich“, in dem auf Qualität geachtet werden müsse. Auch der Samerberger Bürgermeister Georg Huber (Parteiunabhängige) sieht das so. Er zeigte sich überzeugt, dass der Landkreis und die Kommunen stolz auf das sein können, was in den vergangenen zehn Jahren bei der Weiterentwicklung der Betreuungseinrichtungen für Kinder erreicht worden sei. „Wir stehen gut da. Ich mache mir keine Sorgen“, sagte Huber. Die Bedarfsplanung und die Gewinnung von Fachkräften sieht der Rathauschef als die größten Herausforderungen, die im Betreuungsbereich auf die Kommunen zukommen.

Kein Verständnis

für ÖDP-Kritik

Auf wenig Verständnis im Gremium stieß Kritik, die aus den Reihen der ÖDP kam. Kreisrat Josef Fortner bemängelte fehlende Unterstützung für Eltern, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern. Seine Parteikollegin Christine Mehlo-Plath wollte gar nicht ausschließen, dass es Eltern zu leicht gemacht werde, Kinder in Betreuungseinrichtungen zu geben. Da platzte SPD-Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier schier der Kragen. „Dagegen wehre ich mich entschieden. Diesen Unsinn höre ich mir nicht länger an.“

Als Mehlo-Plath im Kreistag mehrfach nachhakte, riss auch dem Landrat der Geduldsfaden. „Es ist müßig, hier über Vorgaben des Gesetzgebers zu diskutieren. Wir sind ein ausführendes Organ, das eine gesellschaftliche Veränderung registriert. Da ist es unsere verdammte Pflicht, Hilfestellung bei der Betreuung zu geben.“

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