Göttliches glückliches Gelingen

von Redaktion

Das „Trio Mercurius“ eröffnet die Inselkonzerte auf Herrenchiemsee

Herrenchiemsee – Ein Kammermusikensemble nach dem römischen Handelsgott Mercurius zu benennen, ist ungewöhnlich. Nicht aber, wenn man weiß, dass der römische Gott Merkur die Übernahme des griechischen Gottes Hermes ist, der nun wird auch als „Gott des glücklichen Gelingens“ bezeichnet.

Und wahrlich glücklich gelingend ist das Zusammenspiel dieses jungen Trios mit Elin Kolev (Geige), Mara Lobo (Cello) und Triantafyllos Liotis (Klavier). Der Pianist ist älter als die beiden anderen und führt deutlich vom Flügel aus, wendet sich körperlich oft den beiden anderen zu, dominiert aber nicht. So gelingt die musikalische Kommunikation glücklich.

Mit diesem Trio Mercurius begannen die nun schon 17. Inselkonzerte im Bibliothekssaal des ehemaligen Klosters Herrenchiemsee. Das reichhaltige Programm reichte über Jahrhunderte und Epochen: Das ausladende Es-Dur-Trio von Franz Schubert füllte den ersten Teil, nach der Pause kam der harte Kontrast mit „Fremde Szenen III“ von Wolfgang Rihm (geboren 1952), am Schluss stand das glänzende und schillernde a-Moll-Trio von Maurice Ravel (1875 bis 1937).

Das Schubert-Trio ist geprägt von der Abwechslung von schwebend-träumerischen und dann wieder gewaltvoll-dramatischen Passagen, so gewaltvoll, dass Robert Schumann dieses Trio als „zürnende Himmelserscheinung“ apostrophierte. So ganz zürnen wollte vielleicht der Pianist, der Geiger eher nicht, er vertraute da wohl lieber seinem leichteren Gott Mercurius, hätte aber einen Schuss des Gottes Mars gebraucht, also was Martialisches. Und im Finalsatz hätte ein Schuss Übermut auch nicht geschadet.

Technisch sind alle drei perfekt, das Cello (die Cellistin ist überhaupt hier die Favoritin des Rezensenten) singt in schmelzend-sehnsüchtigem und auch zart-melancholischem Ton, das Klavier lässt zwischendurch Begleitfiguren wie Glitzerkonfetti herunterregnen, der Wanderrhythmus im 2. Satz, der fast an einen Trauermarsch gemahnt, wird genau getroffen.

Etwas von diesem Wanderrhythmus klingt auch in dem Rihm-Stück an, das aus dem Nichts mit fahlen Streicherklängen steigt, viele spannungsvolle Pausen und auch kräftige Klavierschläge aufweist, in die der Pianist sich mit dem ganzen Körper hineinkniet, bis es vollblütiger und auch wildwütiger wird und nach einem Abstieg in tiefste Lagen und tiefstes Pianissimo mit zwei zarten aufsteigenden Cello-Pizzicato-Tönen endet, zu denen auch die Cellistin vom Hocker aufsteigt.

Ganz aus sich heraus voller Energie und Leidenschaft gehen dann alle Musiker in dem technisch höchst anspruchsvollen Ravel-Trio. Die reizvollen metrischen Wechselspiele erklingen ganz selbstverständlich souverän, die Passacaglia des 3. Satzes schreitet ernst und würdevoll, das Finale beginnt gläsern flirrend und wird dann klangrauschend, da malen die Musiker mit ganz breitem Pinsel und überzeugen mit Glanz und Klangraffinesse.

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