Rosenheim – Wer ohne umsteigen mit dem Zug von München nach Wien fahren möchte, der nutzt den Railjet der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Bisher. Geht es nämlich nach den Verantwortlichen bei der Westbahn, so könnte das österreichische Privatunternehmen, das bisher die Strecke Salzburg-Wien bedient, bald ebenfalls den Sprung auf die deutschen Schienen wagen. Ein entsprechender Antrag liegt seit Kurzem auf dem Tisch der Schienen-Control GmbH, dem unabhängigen Regulator des Schienenverkehrs in Österreich.
Überlegungen in diese Richtung gibt es bereits seit dem Jahr 2012. Schon damals berichteten die OVB-Heimatzeitungen exklusiv von den bislang allerdings eher unkonkreten Plänen der Westbahn. Ein Sprung ins Ungewisse wäre der Schritt über die Landesgrenze aus Sicht der Westbahn übrigens nicht. Eine Zeit lang fuhren die Züge des Unternehmens bereits den Bahnhof Freilassing an. Seit September 2013 ist die Endstation wieder Salzburg – wegen zu geringer Auslastung.
Nun sieht die Westbahn offenbar wieder Potenzial für eine Erweiterung des Netzes auf deutscher Seite – das suggeriert zumindest der Antrag bei der Schienen-Control GmbH. Einen solchen hatte es bislang – trotz offenkundig bestehenden Interesses – nämlich nicht gegeben. „Das ist eine von mehreren Ideen, über die wir nachdenken“, sagt Westbahn-Sprecherin Ines Volpert. Viele Kunden des Unternehmens würden nach München reisen und müssten deshalb in Salzburg umsteigen. „Wir möchten ihnen eine Verbindung von Wien nach München ohne Umstieg anbieten“, sagt die Sprecherin. Dennoch sei „alles andere weiterhin sehr vage“, schließlich habe man den Antrag nur gestellt, um bestimmte Fristen einzuhalten. „Da stehen bislang wenig Fakten dahinter“, sagt Volpert.
Laut Antrag sind täglich vier Züge von München über Salzburg nach Wien und in der Gegenrichtung geplant. Zwischenhalte: München Ost, Rosenheim, Traunstein und Freilassing. Fahrtzeit: 1,5 Stunden. Sehr vage klingt das nicht. „Das liegt daran, dass man einhergehend mit dem Antrag auch ein Konzept vorlegen muss“, erklärt die Sprecherin.
Wann die Planungen konkret werden, vermag Volpert nicht abzuschätzen. Das hänge von verschiedenen Stellen auf österreichischer und auch auf bayerischer Seite ab. „Das ist ein relativ träges System.“ Bis Dezember dieses Jahres wird die Westbahn also – anders als von diversen Medien berichtet – wohl nicht über deutschen Boden rollen. „Dezember ist schon sehr optimistisch“, bestätigt Volpert.
Die übrigen Nutzer der stark befahrenen Trasse – neben den ÖBB wären auch die Deutsche Bahn und der Meridian betroffen – haben also noch Zeit, sich auf eine neue, potenzielle Konkurrenz-Situation einzustellen. Beim Meridian, der mit der Westbahn gegenwärtig eine Zusammenarbeit pflegt, sieht man dem Vorhaben jedenfalls gelassen entgegen: „Die Westbahn ist unser Kooperationspartner“, sagt Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. „Wir gehen davon aus dass es keinen Wettbewerb, sondern eine Abstimmung geben wird.“
Die Deutsche Bahn betont indessen auf Anfrage, dass die DB Netz AG als Betreiber der Schieneninfrastruktur für einen „diskriminierungsfreien Zugang“ ins Netz sorge. Das bedeute: Aus allen Wünschen nach Fahrplantrassen muss ein optimaler Fahrplan abgestimmt werden, der sowohl die Wünsche aller Eisenbahn-Verkehrsunternehmen wie auch einen pünktlichen Zugbetrieb ermöglicht. Alle Verkehrsunternehmen würden dabei gleich behandelt. Der DB Fernverkehr stelle sich als Eisenbahn-Verkehrsunternehmen einem fairen Wettbewerb und nehme Herausforderungen am Verkehrsmarkt gerne an – unter anderem mit attraktiven Preisen und hohem Service wie dem Komfort-Check-In.