OVB-WeihnachtsAktion ebnete den Weg

Hospizinsel ein Leuchtturmprojekt

von Redaktion

Die Leser der OVB-Heimatzeitungen haben mit ihren Spenden bei der Weihnachtsaktion mitgeholfen, die Palliativversorgung im Landkreis Mühldorf auszubauen. 250000 Euro flossen in die Hospizinsel in Waldkraiburg. Jetzt wurde sie eingeweiht. Ein Pionier-Projekt ist geboren.

Rosenheim/Waldkraiburg – Der Anna Hospizverein im Kreis Mühldorf hat viel Zeit, Engagement und Kraft in die Hospizbewegung investiert – das macht sich nun bezahlt. Bei der Einweihung der Hospizinsel Waldkraiburg im Haus der Kultur lobte Staatsminister Dr. Marcel Huber den Mut, mit dem Pilotprojekt neue Wege zu gehen: „Das ist ein neuer Ansatz, der versucht, eine Lücke zu schließen. Die Herangehensweise gibt es so noch nicht von der Stange.“

Das Thema Palliativversorgung werde immer dringlicher. Staatliche Förderungen seien möglich, sobald sich die Hospizinsel etabliert habe, stellte Huber in Aussicht.

Die Finanzierung des größten Postens – Personalkosten – ist dank der Aktion „OVB-Leser zeigen Herz für Hospizbewegung“ für die nächsten zwei, maximal drei Jahre gesichert. Die Spenden waren mit rund 875000 Euro auf eine Rekordsumme geklettert (wir berichteten).

Mit dem Geld soll auch das Chiemseehospiz in Bernau mit zehn Betten gebaut werden. Die Hospizinsel in Waldkraiburg bietet vier Betten. Sie ist ein gemeinsames Pilotprojekt von Anna Hospizverein und „Adalbert-Stifter-Seniorenwohnen Waldkraiburg“; es wird von der Forschung begleitet. „Wir loten aus, ob die Versorgung ausreichend ist – im Vergleich zum stationären Hospiz“, so Josef Hell, Geschäftsführer des Anna Hospizvereins. Ein großer Tag war die Einweihung auch für Alois Glück, Vorsitzender des Netzwerks Hospiz Südostbayern. Der Ex- Landtagspräsident hatte sich mit aller Kraft dafür eingesetzt.

In der ambulant betreuten Wohngemeinschaft finden vier unheilbar kranke Menschen auf 160 Quadratmetern Platz. Auf einen Gast kommen 0,8 Pfleger. In einem Altenheim sieht der Personalschlüssel 0,4 vor. Im geschützten Rahmen können sie ihre letzte Lebenszeit verbringen, wenn der erhöhte Pflegebedarf von der Familie oder vom Seniorenheim nicht mehr gestemmt werden kann. Die nächsten stationären Hospize befinden sich in Vilsbiburg, Salzburg und München. Plätze sind begrenzt, Wartezeiten lang, die Angehörigen überlastet.

„Hier kann unsere Hospizinsel eine Versorgungslücke schließen, vor allem wenn ein Patient nicht rund um die Uhr betreut werden muss“, so Hell. Seit einem Monat ist die Hospizinsel in Betrieb, vier Menschen fanden hier ihre letzte Heimat. „Sie haben sich bei uns wohlgefühlt und sind noch einmal aufgeblüht“, berichtet Hell.

Professorin Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik für Palliativmedizin Großhadern, übernimmt die Begleitforschung. Ziel sei es, für die Hospizinsel eine Regelfinanzierung zu bekommen und sie in die Regelversorgung einzugliedern. „Inzwischen gibt es 100000 ehrenamtliche Hospizbegleiter – das ist die größte Bürgerbewegung“, so die Medizinerin.

In Bayern sind es inzwischen 18 stationäre Hospize, 51 Palliativstationen, 61 Palliativdienste, eine Kinderpalliativstation und ein Kinderhospiz. 10000 Euro kostet die Betreuung im Hospiz pro Monat – das übernimmt die Krankenkasse. Im Altenheim müssen die Menschen selbst viel dazuzahlen. „Aus Platzgründen wird es irgendwann ein Sterben erster und zweiter Klasse geben“, warnte Bausewein. Die Hospizinsel sei ein wichtiges Bindeglied.

Hans Georg Pieke, Vorsitzender des Heimwerk e.V., freute sich über viele Ehrengäste bei der Einweihung: „Das empfinde ich als große Wertschätzung für unsere Einrichtung.“ „Das Betreuen und Begleiten schwer kranker Menschen muss gesamtgesellschaftliche Anerkennung finden“, betonte Peter Coellen, Vorsitzender des Anna Hospizvereins. Der Vorstand sei stolz auf das tolle Hospiz-Team, Mühldorf ein Vorreiter in der Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern.

Festredner war Dr. Martin Herrmann, München. Der Mediziner ist Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte. Seine Interviews lockerten das Programm auf. Lebendig berichtete das „Insel-Team“ von seinen Erfahrungen. „Wertschätzung versetzt Berge. Man ist motiviert, mehr zu leisten“, so Teamleiterin Petra Seidl-Britzl. „Herzenswärme“ sei ein Einstellungskriterium, betonte Herrmann.

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