Nur Brandstiftung denkbar

von Redaktion

Gutachter schließt technische und andere Ursachen für Brand in Rosenheim-Happing aus

Traunstein/Rosenheim – Ein Gerichtsvollzieher war schon an Ort und Stelle, um die Zwangsräumung eines Mietshauses am 19. Juli 2016 in Rosenheim-Happing durchzusetzen, als das Gebäude quasi „in die Luft flog“. Verantwortlich für die Verpuffung sollen, wie berichtet, zwei Frauen, eine 54-Jährige und ihre 76 Jahre alte Mutter, gewesen sein. Im Brandstiftungsprozess der Ersten Strafkammer am Landgericht Traunstein schwiegen beide Damen bisher. Ein Brandsachverständiger schloss am gestrigen dritten Verhandlungstag technische und andere Ursachen wie Witterungseinflüsse, etwa durch Blitzschlag, aus. Nur vorsätzliche Brandstiftung sei denkbar. Der Prozess geht am 26. Juni um 9 Uhr weiter.

An verschiedenen Stellen in dem Doppelhaus und in der Garage seien die Feuerwehrleute damals auf Brandstellen gestoßen. Reste von Zeitungspapier mit Benzin als Brandbeschleuniger habe man im Heizungsraum im Keller mit einer fast verschmorten Gasleitung entdeckt, im Wohnzimmer und in der Küche im Erdgeschoss, im Flur des ersten Stocks und im Dachgeschoss. Technische Brandursachen und witterungsbedingte Einflüsse schloss ein Brandsachverständiger des Bayerischen Landeskriminalamts gestern klar aus. Anhand der vorgefundenen Spuren sei einzig Brandstiftung denkbar. Zumal die Ermittler im Haus eine Flasche gefunden hätten, die nach Benzin roch.

Ein anderer Gutachter des LKA wies darin Otto-Kraftstoff nach, ebenso an Zeitungspapierfragmenten. An einigen Kleidungsstücken und an den Händen der 54-Jährigen waren Restspuren von petrochemischen Verbindungen nachweisbar, wie sie auch in Benzin vorkommen. Die Dämpfe seien leicht entzündbar. Man benötige nur „eine Menge im Literbereich“, um eine zündfähige Benzinwolke zu erzeugen, die ein Haus der besagten Größe vergleichbar schädigen könne.

Auf Frage von Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner, ob die Benzinrückstände an den Händen der 54-Jährigen von einem Tankvorgang an einer Tankstelle stammen könnten, erwiderte der Sachverständige, ein Chemiker: „Wir haben dazu einen Versuch gemacht. Unmittelbar nach dem Tanken haben wir bei einem Mann die Hände untersucht. Es waren Benzinspuren zu finden – aber deutlich weniger als bei der Angeklagten.“ Seine Behörde habe unter hohem Aufwand ein sehr zuverlässiges Analyse-Set entwickelt. Beim jährlichen Brandsymposium mit Teilnehmern aus dem In- und Ausland sei die Methode erfolgreich getestet worden.

Die zahlreichen kleinen Brandherde führten zwar zu keinem Großbrand. Die Benzindämpfe jedoch lösten eine Verpuffung aus. Laut einem LKA-Beamten nahm die Dachkonstruktion Schaden, Dachziegel wurden in die Luft geschleudert, Türstöcke deformiert. Der Sachschaden summierte sich auf rund 100000 Euro. Die Hausbewohnerinnen standen an jenem Vormittag am Balkon und wurden von Feuerwehrleuten mit einer Drehleiter geborgen. Sie kamen ins Krankenhaus. Dort stellten Ärzte fest, dass die beiden Frauen das Geschehen unverletzt überstanden hatten.

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