Schechen – Für die Gemeinde Schechen war es in vielerlei Hinsicht ein besonderer Tag: Der vierte Bauabschnitt der Westtangente wurde gestern für den Verkehr freigegeben. Damit ging insbesondere für die Bürger im Ortsteil Pfaffenhofen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, denn mit dem Streckenabschnitt um Pfaffenhofen herum wird der Durchgangsverkehr durch den Ortskern gestoppt. Kein Wunder, dass man bei dem Festakt auf der zu diesem Zeitpunkt noch unbefahrenen Straße jede Menge strahlende Gesichter sah.
Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier konnte zu diesem Anlass so viele hochkarätige politische Vertreter begrüßen, wie sie seine Gemeinde noch nie gesehen hatte. Zu den Ehrengästen zählten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sowie Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner. Gekommen waren zudem Landrat Wolfgang Berthaler, Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, die Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner sowie Bürgermeister der umliegenden Gemeinden.
Westtangente soll
2022 fertig sein
Für das Staatliche Bauamt Rosenheim begrüßte Stefan Högenauer, der Bereichsleiter Straßenbau, die Gäste. Er betonte, dass gerade in einem Flächenland wie Bayern der Verkehr eine Voraussetzung für die Entwicklung sei. Das Staatliche Bauamt ist für den Bau der Westtangente zuständig. Die rund 11,3 Kilometer lange Strecke umfährt die Stadt Rosenheim im Westen und bindet die Autobahn A8 an die B15 an. Die Gesamtkosten für die Westtangente betragen rund 115 Millionen Euro, mit einer Fertigstellung rechnet man im Jahr 2022.
Die Rosenheimer Ortsumfahrung ist in vier Streckenabschnitte eingeteilt. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2012 mit dem südlichsten Abschnitt, der im Jahr 2015 für den Verkehr freigegeben wurde. Die Arbeiten für den nördlichen Teil der Strecke bei Schechen, Abschnitt vier, begannen im Jahr 2016 und wurden nun termingerecht abgeschlossen. Auf rund 2,3 Kilometern zwischen der Staatsstraße 2080 bei Deutelhausen und der B15 bei Wieden wurden unter anderem fünf Brücken errichtet. Die Gesamtkosten für diesen Abschnitt belaufen sich auf rund 17,9 Millionen Euro.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nannte die Verkehrsfreigabe einen „Etappensieg“. Man nehme die Streckenabschnitte zwei und drei nun regelrecht in die Zange und baue Druck auf, dass sie zügig realisiert werden. Scheuer machte klar: „Wo Verkehr ist, ist es nicht immer schön.“ Doch die Wirtschaft brauche Wege. Daher wolle man die Bürger bei solchen Projekten immer „mitnehmen“. Der Bund, so Scheuer, habe ein Interesse daran, Steuergelder in der Region zu reinvestieren. Durch gut laufenden Verkehr und wenige Staus steigere man die Lebensqualität. Man stärke aber nicht nur die Infrastruktur. „Mit der neuen Ortsumgehung stoppen wir den hohen Durchgangsverkehr in der Gemeinde und sorgen für bessere Luft und weniger Lärm in Pfaffenhofen“, sagte er. Der Minister erinnerte außerdem an das „immense Engagement“, das die Abgeordneten vor Ort sowie die Bürgerinitiative „B 15 – Raus aus Pfaffenhofen“ in das Projekt gesteckt haben. Die Initiative hatte nach dem Spatenstich am südlichen Teilabschnitt im Jahr 2012 gefordert, parallel im Norden mit dem Bau der Westtangente zu beginnen.
Bayerns Verkehrsministerin Aigner sprach von einem „Freudentag“. Das Projekt sei „unglaublich wichtig“ für die Region, denn der Alltagsverkehr werde auch in Zukunft auf der Straße stattfinden. Daher sei es wichtig, für Verkehrssicherheit zu sorgen und die Menschen, die an den Straßen leben, zu entlasten. „Wir erreichen einen echten Fortschritt in Sachen Mobilität“, sagte sie.
Lob für Engagement
der Bürgerinitiative
Landrat Wolfgang Berthaler betonte, dass man in einer starken Wirtschaftsregion gute Verkehrsadern brauche. Die Bundesstraße B15 sei eine wichtige Nord-Süd-Verkehrsverbindung. Zwischen der A8 und Rosenheim führen täglich rund 38000 Fahrzeuge, in der Ortsdurchfahrt Rosenheim würden über 23000 Fahrzeuge pro Tag gezählt.
Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier erinnerte daran, wie man in Schechen mit der Bürgerinitiative für den gleichzeitigen Baubeginn im Norden gekämpft habe. „Der große Einsatz hat dazu beigetragen, dass wir heute hier stehen“, sagte er. Doch das Engagement habe auch positive Nebeneffekte gehabt: Die Pfaffenhofener seien enger zusammengewachsen. Nun würden viele Bürger im Ortsteil entlastet. „Sie werden ruhiger schlafen und sich auf der Terrasse wieder unterhalten können“, freute sich Holzmeier. Er wünschte allen Verkehrsteilnehmern eine unfallfreie Fahrt und eine schnelle Fertigstellung der übrigen Bauabschnitte. „Damit Schechen bald einen Autobahnanschluss hat“, meinte er lachend.
Den kirchlichen Segen für das neue Straßenstück erteilten der katholische Pfarrer Herbert Holzner und sein evangelischer Kollege Pfarrer Michael Markus. Gegen Mittag erfolgte dann die endgültige Freigabe für den Verkehr. In Pfaffenhofen wurde daraufhin gefeiert. Die Bürgerinitiative hatte anlässlich der Verkehrsfreigabe der Straße zu einem Freudenfest geladen: mitten im Ort, am Parkplatz vor dem Dorfladen, und bei ganz wenig Verkehrslärm.