Rosenheim – Der Erhalt bedrohter alter Obstsorten sowie die pomologische Recherche zur Bestimmung und Beschreibung unbekannter Sorten sind Schwerpunkte eines Projekts, dem der Umweltausschuss des Landkreises in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt hat. Wenn der Kreisausschuss dem Votum des Gremiums folgt, will der Landkreis das Biodiversitätsprojekt federführend abwickeln.
Hintergrund ist der dramatische Rückgang der Streuobstbestände. Viele von denen, die noch vorhanden sind, befinden sich in einem schlechten Pflegezustand. Sie weisen Lücken auf und sind überaltert. Zudem ist vielfach die Sortenvielfalt verloren gegangen. Mit den traditionellen Streuobstwiesen verschwinden auch viele alte regionale Apfel- und Birnensorten und damit wertvolle genetische Ressourcen.
Kreisfachberater Harald Lorenz ist überzeugt davon, dass sich das Projekt lohnt. Schließlich wurden im Rahmen einer Kartierung mehr als 200 unbekannte Sorten entdeckt. „Von ihnen gibt es nur noch letzte Bäume. Es besteht die Gefahr, dass sie und damit auch die Sorten verloren gehen“, sagte Lorenz in der Sitzung des Gremiums. Ziel des Biodiversitätsprojektes sei, die gefundenen seltenen und insbesondere die unbekannten Obstsorten zu erhalten, zu vermehren, zu sichern und einer breiten Öffentlichkeit bekannt und verfügbar zu machen. Das Projekt soll vom kommenden Jahr an bis 2024 laufen. Im Umweltausschuss gab es sehr viel Lob dafür, die Zustimmung im Ausschuss war einstimmig.
Seit 2015 wurden über 900 alte Obstbäume erfasst und nach Möglichkeit deren Sorten bestimmt. Diese Kartierung ist noch nicht abgeschlossen und wird heuer weitergeführt. Die bisherigen Ergebnisse sind beeindruckend. Mit insgesamt 178 vom Kompetenzzentrum für Obstbau Bodensee nachgewiesenen Apfel- und Birnensorten wurde eine hohe Sortenvielfalt festgestellt. Die Ergebnisse legen laut Landratsamt nahe, dass aufgrund des besonderen Klimas entlang des Alpenrands eine große gebietsspezifische Sortenvielfalt existiert. 222 Fruchtproben wurden als unbekannt eingestuft. Dabei könnte es sich um verschollene oder bisher noch nicht beschriebene Sorten handeln. Darüber hinaus wurde eine Reihe seltener, für das Untersuchungsgebiet unerwarteter Sorten festgestellt.
Neben dem Landkreis Rosenheim gibt es weitere sechs Projektbeteiligte. Dies sind die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Traunstein und Weilheim-Schongau, der Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V. und der Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landschaftspflege. Das Geld in Höhe von gut 424000 Euro für den gesamten Projektzeitraum von fünf Jahren soll zu 65 Prozent aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds kommen und zu gut zehn Prozent vom Bezirk Oberbayern. Die verbleibende Summe wollen sich die übrigen Projektbeteiligten teilen. Auf den Landkreis Rosenheim entfiele ein jährlicher Beitrag von gut 3300 Euro.
Voraussetzungen für das Zustandekommen des Projekts „Alte Obstsorten in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen“ sind die Zustimmung aller Projektbeteiligten sowie die Bewilligung der Förderung. Wenn er die Federführung für das Projekt innehat, beantragt der Landkreis die Fördermittel.re