Rosenheim/Wörgl – Während die Planer der Deutschen Bahn (DB) und der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zwischen Wörgl und Grafing noch auf der Suche nach einer geeigneten Trasse für den Brenner-Nordzulauf sind, ist der südliche Teil der Zulaufstrecke bereits seit einigen Jahren in Betrieb. Seit 2012 rollen auf der „Neuen Unterinntalbahn“ zwischen Innsbruck und Kundl die Personen- und Güterzüge mit bis zu 220 km/h.
Die Länge der Strecke mit der ÖBB-Nummer 300 beträgt rund 40 Kilometer. Davon verlaufen rund 87 Prozent in Tunneln und Wannen. Sie ist die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke in Tirol und kostete nach Recherchen der Tiroler Tageszeitung rund 2,4 Milliarden Euro. Die Bauzeit betrug neun Jahre. Bei der offiziellen Eröffnung der Verbindung am 29. November 2012 in Radfeld bei Wörgl sprach Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) von einer neuen Ära der Verkehrspolitik. Der damalige ÖBB-Chef Christian Kern betonte damals eine neue Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu Auto und Flugzeug zwischen Innsbruck und Wien.
Als Teil der Unterinntalbahn ist der Münsterer Tunnel mit 16 Kilometern der längste seiner Art in Österreich. Er ist für Geschwindigkeiten bis 220 km/h zugelassen, auf seiner gesamten Länge mit einer festen Fahrbahn ausgestattet und besitzt für Notfälle eine ständig unter Druck stehende Wasserleitung sowie ein spezielles Signalsystem für Lokführer.
Ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Zuge der Unterinntalbahn ist Wörgl mit seinem Güter- und Hauptbahnhof. Hier treffen die Giselabahn zwischen Salzburg, Zell am See und Wörgl sowie die Unterinntalbahn aufeinander. Zudem enden und beginnen hier zahlreiche Stadt- und Regionalbuslinien. Als größter, in unmittelbarer Nähe der Neubaustrecke gelegener Bahnhof und als einziger mit Lokomotiv- und Wagenwerkstätte wurde beziehungsweise wird der Hauptbahnhof Wörgl samt Terminals an beiden Bahnhofsseiten (Verknüpfungsstellen in Radfeld im Westen und Langkampfen im Osten) nach Angaben der ÖBB voll an die Neubaustrecke angebunden.
Ende 2009 wurde das seit 2005 laufende Trassenfindungsverfahren zwischen Schaftenau (nördlich von Wörgl) und Kundl (südlich) abgeschlossen. Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 1993 waren 17 Varianten erkundet worden. Nach einer Vorauswahl unter Beteiligung der heimischen Bevölkerung im Jahr 2008 wurden vier Varianten vertieft geprüft.
Die gewählte Trasse verläuft in westlicher Richtung vor Kundl in einem zehn Kilometer langen Tunnel und einer Kette weiterer Tröge und Tunnel. Ihre Auswahl war – analog dem aktuellen Prozess in Stadt und Landkreis Rosenheim – nicht unumstritten. In Schaftenau startet dann die Fortführung des Nordzulaufs in Richtung Rosenheim, über dessen Trassenverlauf derzeit heftig diskutiert wird.