Umfahrung von Bozen: Warten auf die Planung

von Redaktion

Unterlagen sollen noch heuer eingereicht werden – Bahnhofsgelände wird neu gestaltet

Rosenheim/Bozen – Damit die Kapazität des Brenner-Basistunnels voll ausgeschöpft werden kann, braucht er leistungsstarke Zulaufstrecken. Wie berichtet, haben erst kürzlich die Deutsche Bahn (DB) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) grobe Trassenvorschläge für die Zulaufstrecke im Norden zwischen Wörgl und Grafing vorgelegt. Doch auch im Süden wird eifrig geplant. Keinesfalls laufen dort die Vorbereitungen für den Ausbau ohne Verzögerungen oder ohne kritische Begleiter.

Der längste Teilbereich der Achse zwischen München und Verona liegt mit 189 Kilometern südlich des Basistunnels. „Die Zulaufstrecke zwischen Verona und Franzensfeste sowie die Bestandsstrecke bis zum Brennerpass haben bereits in den vergangenen Jahren durch den Neubau von vier Tunnels (Ceraino, Kardaun, Schlern und Pflersch) einen nachhaltigen Modernisierungsschub erfahren“, fasst die Aktionsgemeinschaft Brennerbahn zusammen – ein Bündnis aus Provinzen, Kommunen und Mandatsträgern.

Eingeteilt ist der Ausbau der Zulaufstrecke Süd in vier Baulose. Die Planungen sind teils ins Stocken geraten, begleitet von kritischen Stimmen politischer Organisationen und Initiativen. Baulos eins reicht von Franzensfeste nach Waidbruck, beinhaltet eine Brücke über die Eisack und mehrere Tunnel. Bauzeit: sieben Jahre. Unter anderem die Südtiroler Grünen und das „Forum Bruneck Pustertal“ kritisieren in diesem Zusammenhang die italienische Rete Ferroviaria Italiana (RFI), also den Eisenbahninfrastruktur-Betreiber des Landes. Die Kosten seien zu niedrig angesetzt, ein Tunnel zu wenig leistungsstark, und teilweise gingen die Planungen zu schleppend voran, so die Vorwürfe. In der Tat hat das interministerielle Komitee für Wirtschaftsplanung (CIPE) erst Anfang März vergangenen Jahres dem Projekt zugestimmt und es dann zur Genehmigung an das Infrastrukturministerium in Rom weitergereicht.

Das zweite Baulos beinhaltet die rund 14 Kilometer lange Umfahrung von Bozen. Für diesen Teil hätten die Planungen eigentlich im Vorjahr eingereicht werden sollen. Aktuell heißt es, das werde noch heuer geschehen. Das Projekt ist wichtig für die Landeshauptstadt. Es wird eine städtebauliche Neugestaltung des Bahnhofsgeländes mit einer Fläche von 350000 Quadratmetern angestrebt, die sich überwiegend aus frei gewordenen Flächen zusammensetzt.

Für die Umfahrung von Trient (Baulos drei) liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Über das weitere Procedere muss die Politik noch ebenso entscheiden wie über Baulos vier, die Neubaustrecke der Einfahrt von Verona. Entsprechend besteht im Trentino teils die Befürchtung, einer Dauerbaustelle ausgesetzt zu sein, weil das Geld aus Rom ausbleiben könne. So äußerte sich zumindest ein kritischer Gemeinderat einer Südtiroler Anrainergemeinde gegenüber einem deutschen Nachrichtenmagazin.

Optimistischer zeigen sich Vertreter der Aktionsgemeinschaft. „Südlich des Brenners wird die Bestandsstrecke in den kommenden Jahren über weite Bereiche auf einen viergleisigen Querschnitt ausgebaut“, heißt es. Die neuen Trassenangebote könnten so voll genutzt werden. Gleichzeitig ergebe sich für die Anrainer eine wesentliche Entlastung vom Eisenbahnlärm.

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