Kufstein/Inntal – Es passte wie die Faust aufs Auge: Günther Platter, der auf Einladung der Euregio zum Thema Verkehr sprechen sollte, verspätete sich. Der Grund: Der Landeshauptmann von Tirol stand im Stau. Sein Impulsvortrag, zu dem neben Vertretern von Bahn, Wirtschaft und der Polizei auch diverse Bürgermeister aus Tirol und dem bayerischen Inntal gekommen waren, begann mit rund 20 Minuten Verzögerung.
Dann aber, gleich nachdem Euregio-Präsident Walter Mayr die Verkehrsproblematik in der Grenzregion – Grenzkontrollen, Mautausweichverkehr, Stauausweichverkehr – skizziert hatte, haute der Landeshauptmann verbal auf den Tisch. „Schluss damit. Wir brauchen dringend Maßnahmen, um die Bevölkerung zu entlasten.“ Tirol habe bereits Schritte wie Wochenend-, Nacht- und Sektor-Fahrverbote eingeleitet und auch die Lkw-Maut massiv angehoben. „Trotzdem hatten wir in den vergangenen 17 Monaten eine Steigerung des Lkw-Verkehrs um 20 Prozent“, sagte Platter. Bis Ende 2018 werde man die Marke von jährlich 2,5 Millionen Lkw erreicht haben, die den Brenner überqueren. Die langfristige Lösung bestehe im Nordzulauf zum Brennerbasistunnel, der gerade in Tirol schon sehr weit gediehen sei. „Ich habe manchmal den Eindruck, dass in Berlin, Wien und Rom nicht bekannt ist, wie weit wir schon sind.“
Die Grenze dessen, was der Bevölkerung zumutbar ist, so Platter weiter, sei bereits erreicht. Deshalb brauche es Sofortmaßnahmen. Etwa die Korridor-Maut zwischen München und Verona, die der Landeshauptmann schon seit Längerem fordert. Die Gebühren für Lkw auf bayerischer wie auf italienischer Seite, die seines Wissens derzeit jeweils bei etwa 16 Cent pro Straßenkilometer liegen, müssten auf Tiroler Niveau, also 88 Cent, angehoben werden. Gegenwärtig sei München-Verona wesentlich billiger als kürzere Routen durch Frankreich und die Schweiz. „Wir müssen die Strecke finanziell unattraktiver machen.“
Um schon jetzt mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, forderte Platter einen konkreten Verlagerungsplan. „Wir müssen Verladestationen ausbauen.“ Und nicht zuletzt brauche es Obergrenzen, die es nur einer bestimmten Anzahl an Lkw erlaubt, die Strecke zu nutzen. „Mindestens die Hälfte der Lkw muss weg.“
Für die bisher 24 von bayerischer Seite scharf kritisierten sogenannten Blockabfertigungen, so Platter, werde man sich nicht entschuldigen. „Nicht wenn andererseits jeden Tag Grenzkontrollen stattfinden, obwohl die Migration stark zurückgegangen ist.“ Zudem hätte man ohne die Blockabfertigung wohl nie ein Gespräch mit Berlin geführt.
Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber begann seine Wortmeldung mit Kritik an der Blockabfertigung. „Damit wird der Schwerlastverkehr nur ins Inntal verlagert.“ Dabei ertrinke man ohnehin schon im Verkehr. Gleichzeitig zeigten sich er und Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel aber auch dankbar, gehört zu werden. „Wir haben nämlich keinen Einfluss“, so Gruber.
Rainer Auer, Bürgermeister von Stephanskirchen, ging hart mit der deutschen Politik ins Gericht. „Sie hat es versäumt, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. Von mir wird jetzt verlangt, dass ich meine Gemeinde opfere.“ Obwohl die nichts davon habe. In Sachen Ausweichverkehr sei es Aufgabe der Politik, Anreize für andere Strecken zu schaffen. Überhaupt: „Wir werden in Österreich besser gehört.“
Abschließend schlug Platter vor, die Euregio solle eine gemeinsame Linie finden. In einem Punkt waren sich bereits gestern alle Teilnehmer des Verkehrsgipfels einig. „Die Vignettenpflicht bis Kufstein Süd müssen wir wegbekommen.“