Bund der Selbständigen

EU führt durch die Region Rosenheim

von Redaktion

Brennerbasistunnel: Infos vom Projektleiter

Rosenheim – Der Brennerbasistunnel ist ein echtes Mammutprojekt. Auf 64 Kilometer soll er Innsbruck in Österreich mit Franzensfeste in Italien verbinden. Er wird die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt. Baubeginn war im Jahr 2011, mit einer Inbetriebnahme rechnet man im Jahr 2027. Die Inflation mit eingerechnet, wird der Tunnel dann 9,3 Milliarden Euro kosten. Klar ist, dass sich solch ein Vorhaben auf das Umland auswirkt. Über die nördliche Zulaufstrecke wird im Landkreis seit langem diskutiert. Kein Wunder also, dass die Rosenheimer zahlreiche Fragen rund um den Brennerbasistunnel haben.

Diese konnten sie nun einem stellen, der den Brennerbasistunnel kennt wie kein Zweiter: Professor Dr. Konrad Bergmeister ist seit 2006 der Vorstand der Brennerbasistunnel SE und Leiter des Gesamtprojektes. Er war auf Einladung des Bund der Selbständigen (BDS) Oberbayern-Ost nach Rosenheim gekommen. Im OVB-Medienforum informierte er über das Projekt und stellte sich der Diskussion. Neben Vertretern der BDS-Ortsverbände waren auch zahlreiche politische Mandatsträger und Bürgermeister aus der Region gekommen.

„Das ist jetzt die wichtigste Phase:

Jetzt müssen Sie proaktiv sein.“

Professor Dr. Bergmeister

Schnell wurde deutlich: Bergmeister hat eine europäische Perspektive. Er skizzierte zunächst den gesamten Korridor einer Verbindung von Helsinki bis nach Sizilien. „Europa ist nur funktionsfähig, wenn wir Verbindungen schaffen“, betonte er. Er zeigte aber auch, wie diese von nationalstaatlichen Grenzen erschwert werden. Jeder Staat spreche hier eine andere Sprache, rund 11000 Bahnregeln gebe es in Europa.

Die Alpenquerung über den Brenner ist eine Engstelle im europäischen Verkehrsnetz. In 2017 etwa seien 2,26 Millionen Lkw über den Brenner gefahren, so der BBT-Vorstand. „Dass das nicht gesund ist, brauche ich niemanden zu erzählen.“ Zudem sei die Heimat, die Verwurzelung im Alpenraum, das Wertvollste, das man der nächsten Generation hinterlassen könne.

Während im Süden des Tunnels das Trassenfindungsverfahren abgeschlossen ist, steht sie im Raum Rosenheim bis zum Jahr 2020 an. „Das ist jetzt die wichtigste Phase“, so Bergmeister. „Jetzt müssen Sie proaktiv sein!“ Er erklärte, dass die Voraussetzungen dafür in der Region vergleichsweise gut seien: Eine Studie von Forsa hat ergeben, dass in und um Rosenheim eine Zustimmung von 78 Prozent für das Projekt herrscht (wir berichteten). Im Süden seien es einst nur 50 Prozent gewesen. „Mir haben sie damals die Autoreifen aufgeschlitzt“, erinnert sich der Projektleiter. Auch habe man nur hier überhaupt die Möglichkeit, sich über die Regionalforen an der Trassenfindung zu beteiligen.

Bergmeister gab auch einen Überblick über das Großprojekt in den Alpen, für das es erste Ideen im Jahr 1847 gab. Auf 64 Kilometer werden dort zwei Haupttunnel und ein Erkundungstunnel geschaffen. Dieser sei im Notfall auch mit Bussen befahrbar, um Menschen zu evakuieren. Für den Güterverkehr sind Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometer vorgesehen, für Personenverkehr bis zu 250 Stundenkilometer. Für den Betrieb ist die Österreichische Bundesbahn zuständig. Aktuell habe man rund die Hälfte des Erkundungsstollens und rund 20 Prozent der Hauptstollen herausgebrochen. Die Kosten, aktuell rund 8,3 Milliarden, zur Fertigstellung mit eingerechneter Inflation rund 9,3 Milliarden Euro, tragen Österreich, Italien und die EU.

„Korridor funktioniert, wenn es gelingt, eine Logistikkette herzustellen.“

Professor Dr. Bergmeister

Der BBT-Vorstand hat nicht nur sein Projekt im Blick. „Der Nord-Süd-Korridor funktioniert, wenn es gelingt, eine Logistik-Kette herzustellen“, sagte er. Es brauche Zulaufstrecken, Verladeterminals, aber auch verkehrsstrategische Maßnahmen. Das ganze System müsse zusammenspielen.

In der Diskussion, die Florian Schrei vom Bayerischen Rundfunk moderierte, wurden unter anderem der Zeitplan und die Finanzierung der Kosten angesprochen. Rainer Auer, Bürgermeister von Stephanskirchen, bezweifelte, dass man die Strecke wirtschaftlich betreiben können werde. Olaf Kalsperger, Bürgermeister von Raubling, erklärte, dass man sich schwertue mit Vorschlägen in den Regionalforen: „Sollen wir eigene Studien oder ein Planungsbüro beauftragen?“ Bergmeister betonte, dass man die Lösungen am besten vor Ort entwickele. Als sinnvoll bezeichnete er die Möglichkeit, Verkehrsträger zusammenzulegen, entweder neben- oder untereinander. Dann brauche man auch nur einmal einen Lärmschutz.

Ein Vorschlag von seiner Seite kam bei den Bürgermeistern gut an: Der Projektleiter stellte in Aussicht, dass die Rosenheimer Gemeindevertreter zu einem Treffen der Brenner Corridor Platform mit EU-Koordinator Pat Cox kommen können. Dieses Forum ist besetzt mit den drei beteiligten Ministerien, Vertretern der betroffenen Regionen sowie mit den drei Bahngesellschaften und hat das Ziel, einen integrierten Ansatz des Brennerkorridors auszuarbeiten.

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